150 Jahre Deutsch-Französischer Krieg (Teil 5): die Belagerung von Paris

Jena.  Wie der Onkel von Max Sachse die Belagerung von Paris erlebte.

Deutsche Geschütze feuern während der Belagerung auf Paris. 

Deutsche Geschütze feuern während der Belagerung auf Paris. 

Foto: Sammlung Voigt / H. de Sarrepont, Hennebert Eugène (1826-1896)

Während Max Sachse im Süden Frankreichs fernab der Kämpfe gefangen gehalten wurde, erlebte sein Onkel Friedrich Schmidt die Belagerung von Paris im Herbst und Winter 1870 hautnah mit. Im Nachlass von Max Sachse sind glücklicherweise auch einige, zum Teil recht ausführliche Briefe seines Verwandten erhalten geblieben. Gerichtet sind sie an den Schwager in Weimar, Christian Sachse, also den Vater von Max Sachse. Daher lohnt sich an dieser Stelle ein Ausflug in die Briefe des Onkels.

Zu welcher Einheit Friedrich Schmidt gehörte, geht aus seinen schriftlichen Zeugnissen nicht hervor. Offenbar war er entweder Infanterist, wahrscheinlicher aber gehörte er zu einer berittenen Batterie eines Artillerie-Regiments. Nachdem an sich am 1. und 2. September 1870 bei Sedan die Entscheidung zugunsten der Deutschen gefallen war, entschloss sich die provisorische Regierung in Paris den Kampf dennoch fortzuführen.

Otto von Bismarck und der deutsche Generalstabschef General Helmuth Graf von Moltke wollten daher Paris so schnell wie möglich erobern. Bereits am 19. September 1870 war die französische Hauptstadt von deutschen Truppen eingeschlossen. Nur einen Tag später schrieb Friedrich Schmidt in die Heimat: „Wir haben an zwei Schlachten mit theilgenomen bei Beaumont u. Sedan und liegen jetzt vor den Schanzen von Paris, ein herrlicher Anblick diese Stadt, welchen ich nimmer vergessen werde.“ Und weiter fährt er fort: „Jetzt dauert den ganzen Tag das Geschützfeuer fort, doch hoffen wir bald in Paris einzuziehen. Von Paris beobachten Sie uns durch Luftballons.“

Um Paris zur Übergabe zu zwingen, gingen die Deutschen später dazu über, die stark befestigte Stadt mit Artillerie zu beschießen. Das Geschützfeuer, von dem Friedrich Schmidt hier spricht, bezieht sich wahrscheinlich auf eines der kleineren Gefechte rund um die Hauptstadt, da der umfangreiche Beschuss der Befestigungsanlagen erst am 27. Dezember 1870 begann. Der Onkel von Max Sachse berichtet außerdem von einem interessanten Detail dieses Krieges, wenn er von „Luftballons“ spricht. Nachdem Paris eingeschlossen wurde, versuchten die Verteidiger durch Heißluftballone eine Verbindung zu den unbesetzten Gebieten herzustellen. Bis zur Kapitulation der Hauptstadt verließen immerhin 66 Ballone Paris, wovon nur sechs verloren gingen, einer driftete bis nach Norwegen ab.

Mit der Zeit zog sich die Belagerung aber immer weiter hin, da die rund 350.000 Verteidiger nicht so leicht aufgaben. Ausführlich berichtet Friedrich Schmidt seinen Verwandten in der Heimat in zwei Briefen vom 3. und 28. Dezember 1870 über die Zustände. Anfang des Monats befand er sich mit seiner Einheit in Franconville, einem nordwestlich von Paris gelegenen Vorort. Unter anderem beschreibt Schmidt, dass er „Gott auf den Knien“ dafür danke, dass dieser ihn unbeschadet aus einem Gefecht Ende November in Argenteuil herausgeführt habe. So schrieb er seinem Schwager: „als wir soeben fertig waren mit unserem Abendbrot fingen sie an die Stadt zu bompartieren und auf so eine furchtbare Art und Weise, daß ich alle Minuten meinen Tod vor Augen sah“. In unmittelbarer Nähe seien vier Granaten eingeschlagen, die sechs Mann aus seiner Einheit verwundeten.

Im weiteren Verlauf des Briefes berichtet er auch über das gegenseitige Misstrauen zwischen der französischen Zivilbevölkerung und den deutschen Truppen. Erstere erhielten eine Ausgangssperre, die von den Deutschen mittels Patrouillen kontrolliert wurde, bei welchen es laut Schmidt „auch Kolbenstöße gab, denn man darf den Kerlen nicht so viel trauen sie sind alle schlecht“.

Nachdem Friedrich Schmidt von einer weiteren Beschießung eines Teils von Paris sprach, schloss er seinen Brief mit den Worten: „Wir hoffen alle auf den Frieden wie das Kind auf den heiligen Christ, wollt unser Wunsch ging bald in Erfüllung.“ Doch bis dahin sollte noch ein halbes Jahr vergehen.

Über Schmidts Schicksal ist nichts bekannt, offenbar überlebte er aber den Krieg. Die Belagerung von Paris endete schließlich am 27. Januar 1871 und kostete 375 Menschen das Leben.

Zur Sache

- Vor 150 Jahren begann der Deutsch-Französische Krieg von 1870/71, der mit einem deutschen Sieg und einem geeinten deutschen Nationalstaat unter Kaiser Wilhelm I. endete.

- Es war ein Krieg an der Schwelle zur Moderne, der Hunderttausende Männer mobilisierte. Ebenso viele starben auf den Schlachtfeldern, andere entgingen mit Glück diesem Schicksal. Einer von ihnen war Max Sachse, der später in Jena lebte und dessen Feldpost erhalten geblieben ist.

- In den nächsten Wochen werden wir ihm auf seinem Weg durch den Krieg von 1870/71 folgen.