Körperverletzung, Lärm und Drohungen mit Messer: Mann terrorisiert Nachbarschaft in Jena

Jena.  Bewohner der Jenaer Lutherstraße sind in Sorge: Ein Bewohner droht mit Gewalt. Doch die erhoffte dauerhafte Unterbringung in der Psychiatrie kann das Gericht bislang nicht anordnen.

Die Jenaer Lutherstraße.

Die Jenaer Lutherstraße.

Foto: Thomas Beier

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Der Mann mit dem Messer hält die Polizei in der Lutherstraße in Atem. Alle zwei bis drei Tage sind die Beamten vor Ort, weil es Drohungen, Lärm oder Körperverletzungen gibt. Der Mann kommt dann vorübergehend in die Psychiatrie und ist kurz darauf wieder zu Hause. Am Montag gab es eine Runde mit Vertretern von Polizei, Stadt und Gericht. Die von Nachbarn erhoffte dauerhafte Einweisung in die Psychiatrie erweist sich als schwierig. „Das Thema ist bekannt und wird auf höchster Ebene behandelt“, sagte gestern Rathaussprecher Kristian Philler auf Zeitungsnachfrage.
Die Sicht des Bewohners auf die Dinge ist unklar.

Morddrohungen mit Küchenmesser

Allein in den vergangenen sieben Tagen gab es drei Polizeieinsätze, wobei bisher nur der Einsatz vom letzten Mittwoch in der Zeitung stand: Volltrunken und halbbekleidet soll der Mann vor seinem Haus gestanden und gedroht haben, sich und anderen das Leben zu nehmen. Später schloss er sich in der Wohnung ein und zeigte sich am Fenster mit einem großen Küchenmesser, so berichten Zeugen. Polizisten drangen in die Wohnung ein und überwältigen den Mann.

Nach einem vorübergehenden Aufenthalt in der Psychiatrie folgte am Freitagabend der nächste Einsatz. Laut Polizeisprecherin Steffi Kopp kam es unter Alkoholeinfluss zum Streit mit einem gleichfalls 38-Jährigen, der in der Wohnung war. Der Bewohner soll den Gast mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben, so dass dieser einen Notarzt brauchte. Als die Rettungskräfte mit dem Mann reden wollten, stand der mit einem Messer in der Tür, so schilderten es die Sanitäter. Die Polizei kam und setzte Pfefferspray und Handfesseln ein, um den Bewohner zu überwältigen. Ferner nutzten sie Spuckschutzhauben, mit denen sich Sicherheitspersonal vor Hepatitis C und anderen ansteckenden Krankheiten schützt, wenn gewalttätige Personen Speichel spucken.

Mann spuckte Nachbarin an

Nach einem erneuten Aufenthalt in der Psychiatrie folgte am Montag die nächste Meldung an die Polizei. Gegen 22.15 Uhr gab es ruhestörenden Lärm, eine junge Frau aus dem Nachbarhaus klingelte an der Tür und bat um Ruhe. Der Mann spuckte die Frau an, so berichtet die Polizei.

Wie Rathaussprecher Kristian Philler sagte, sei die Situation für alle sehr unbefriedigend. Nach Informationen der Stadt bereite ja nicht nur eine Person diese Probleme. Rechtlich sei es so, dass ein Notarzt oder der sozialpsychologische Dienst nur für eine kurze Zeit den Aufenthalt in der Psychiatrie anordnen könnten. Eine längerfristige Unterbringung bedürfe einer Gerichtsentscheidung. Dafür wiederum sei die Voraussetzung, dass aufgrund einer schwerwiegenden psychische Krankheit Gefahren für die öffentliche Sicherheit bestehen. Deshalb sei es sehr wichtig, dass sich Nachbarn und Personen, die sich bedroht oder belästigt fühlen, der Polizei anvertrauen.

Ein Nachbar, der sich hilfesuchend nun auch an die Zeitung wandte, sagte, dass es davon inzwischen dutzende Personen gebe.

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