Als die Urania -Sternwarte in Jena umzog

Jena  Die Urania-Sternwarte im Schillergässchen stand einst bei Wilhelm Winkler am Philosophenweg. Wer war dieser Winkler eigentlich?

Armin Scheibe ist Hobby-Astronom und hat nun über Wilhelm Winkler, den Vater der Urania-Sternwarte im Schillergässchen, ein Buch geschrieben.

Armin Scheibe ist Hobby-Astronom und hat nun über Wilhelm Winkler, den Vater der Urania-Sternwarte im Schillergässchen, ein Buch geschrieben.

Foto: Groß

Mangelware sind sie wahrlich nicht – die bedeutenden Persönlichkeiten, die in Jena gelebt und gewirkt haben. Nur manche sind eben heute vergessen, obwohl die Zeugnisse ihres Wirkens unübersehbar und sich sogar noch mitten in der Stadt befinden. So kann heute wohl kaum einer etwas anfangen mit dem Namen Wilhelm Winkler. Doch sein größtes Verdienst für Jena steht im Schillergässchen, neben der großen Universitäts-Sternwarte – die kleinere Urania-Sternwarte. Deren Geschichte beginnt aber nicht dort.

Wilhelm Winkler (1842 bis 1910) hatte sie ganz privat im Garten seiner Villa am Philosophenweg (heute Nummer 42) errichten lassen, gerade mal ein Jahr, nachdem er dort sein Wohnhaus bezogen hatte. Winkler war nämlich Astronom, genauer gesagt Privat-Astronom, und betrieb vor allem intensive Sonnenbeobachtungen, deren Wert noch heute hoch geschätzt wird.

Der gelernte Kaufmann konnte sich ein Leben als Privatmann ohne berufliche Anstellung leisten, weil er familiär begütert war und auch 1874 seinen Kolonialwarenladen in seiner Geburtsstadt Eisenberg gut verkaufen konnte. Danach hatte er sein Hobby, die Astronomie, zum Lebensinhalt gemacht und sich erfolgreich als Privat-Astronom in Leipzig niedergelassen, wo er sich auch mit Publikationen einen guten Ruf erworben hatte. Dann zog er 1887 nach Jena, wo er sich schließlich 1892 eine Villa am Philosophenweg und dazu noch eine eigene Sternwarte erbauen ließ. Doch 1910 starb der Astronom Winkler.

Veränderter Wiederaufbau

Er hatte aber vorgesorgt und bestimmt, dass nach seinem Tode seine Sternwarte umziehen sollte neben die damalige Großherzogliche Sternwarte (heute Schillergässchen). Und so kam es dann auch: Die Sternwarte zog um und wurde am neuen Ort aufgebaut.

Allerdings etwas verändert, wie Armin Scheibe zu berichten weiß. Der Jenaer Diplom-Ingenieur für Informationstechnik und leidenschaftliche Hobby-Astronom erzählt, dass das achteckige Erdgeschoss aus Stein um einen Meter erhöht worden sei. Dadurch habe das Teleskop etwas höher als im Originalbau gestanden. Auf dem Erdgeschoss habe Winkler einen Metallzylinder als Obergeschoss aufsetzen lassen, darauf eine drehbare Kuppel aus Metall. „Der Kuppelspalt wurde von zwei kreisförmig beweglichen Scheiben verschlossen. Beide Schieber drehten sich nach oben, im Zenit, um die gleiche Achse“, sagt Armin Scheibe.

Im Jahre 1936 zog der Verein der Volkssternwarte Urania in die Winklersche Sternwarte, wo er noch heute zu Hause ist und wo auch Armin Scheibe im Vorstand mitwirkt. Ein Vortragsraum wurde noch angebaut und der Zugang zur Kuppel nach außen verlegt.

Doch über Wilhelm Winkler, den vergessenen Jenaer, gibt es noch viel mehr zu berichten, wie Armin Scheibe weiß. Seit er vor Jahren aus Augsburg von Ulrike Weber, der Urenkelin einer Schwester von Winklers Ehefrau Helene, eine Anfrage zu Winkler erhielt, begann er, sich verstärkt für ihn zu interessieren und sammelte viel Material. Einen Verbündeten gewann er dabei mit Ralph Seide, einem Sammler von historischen Jenaer Postkarten und Fotos.

Nun hat Scheibe all das viele Wissenswerte und Spannende über Winkler in einem Buch zusammengefasst, das jetzt im Buchhandel vorliegt. Dabei wird das Leben Winklers sehr systematisch geordnet beschrieben und auch mit interessanten bisher kaum bekannten Fotos illustriert. Auch sein internationales Renommee ist dabei herausgearbeitet worden. Dies wird unter anderem deutlich in seiner Teilnahme an astronomischen Tagungen im Ausland. Auch sein Einsatz im Jenaer Alpenverein, den er selbst leitete, wird beleuchtet.

Als Mäzen erwarb er sich zudem beachtliche Verdienste, spendete zum Beispiel 100.000 Reichsmark für den Neubau der Jenaer Universität 1908 und unterstützte Künstler.

„Der Sternwartenerbauer“ von Armin Scheibe, Verlag Dominoplan Jena, ISBN 978-3-9819754-4-4

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