Als ein Pilot aufschlussreiche Bilder vom Walpersberg schoss

Großeutersdorf.  Vor 75 Jahren entdecken die Alliierten, was die Nationalsozialisten bei Kahla fertigten.

Die Luftbildkamera wird am Aufklärungsflugzeug Spitfire ausgebaut.

Die Luftbildkamera wird am Aufklärungsflugzeug Spitfire ausgebaut.

Foto: Archiv Patrick Brion

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Vor 75 Jahren war eine Zeit des Elends, der Verzweiflung, und der Tod war allgegenwärtig. Der Zweite Weltkrieg und das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte lag in den letzten Zügen. Die Alliierten drangen immer weiter vor und entdeckten, wie die Kriegsmaschinerie von den Nationalsozialisten angefeuert wurde.

Ein Teil dieser Geschichte liegt noch im Berg bei Kahla verborgen: das NS-Rüstungswerk Reimahg, benannt nach Reichsmarschall Hermann Göring. Wie die alliierten Luftaufklärer über das Projekt der Luftwaffe gewahr wurden, hat der Förderverein „Mahn- und Gedenkstätte Walpersberg“ mit Sitz in Kahla recherchiert.

Wie Patrick Brion sagt, forschten sie dafür in den vergangenen Jahren in Archiven in England und den USA. Dabei fand er heraus, dass am 19. März 1945 vom englischen Flugplatz der Mount Farm bei Dorchester ein Militärflugzeug der Bauart Spitfire Richtung Deutschland aufbrach, geflogen vom Flugoffizier Keith Durbridge.

Die Maschine hatte keine Bewaffnung, dafür aber über externe und interne Treibstofftanks, die dem Piloten eine wesentlich größere Reichweite über 2800 Kilometer ermöglichten. Durbridge schoss 19 Aufnahmen über Kahla und besonders über dem Walpersberg bei Großeutersdorf. Als er wieder sicher in England landete, wurden die Bildaufnahmen rasch in die Luftbildauswertungsstelle der Alliierten in Medmenham gebracht.

Zwar hatten die Alliierten bereits im August 1944 Aufnahmen vom Walpersberg gemacht, doch Sinn und Zweck des Areals erschloss sich ihnen noch nicht, selbst als im Dezember 1944 weitere Bilder folgten, die enorme bauliche Aktivitäten verdeutlichten, sagt Brion.

Seit April 1944 schafften die Nationalsozialisten Tausende Zwangsarbeiter zum Walpersberg, um das unterirdische Werk „Lachs“ aufbauen zu lassen. Erst die Luftaufnahmen vom 19. März 1945 brachten darüber Klarheit. Flugleutnant Constance Babington-Smith und Ursula Kay entdeckten drei Flugzeuge am Walpersberg. „Auf und am Flugzeugaufzug zur Startbahn befanden sich zwei und am Bunker, zum Aufzug, ein Flugzeug. Hierbei handelte es sich um die Me 262“, sagt Brion. Die Messerschmitt Me 262 war das erste in Serie gebaute Strahlflugzeug, das bis Kriegsende in verschiedenen unterirdischen Komplexen produziert wurde. „Ich möchte nicht einer der Testpiloten in Kahla sein. Es sieht aus als müssten sie von einem Flugzeugträger starten“, schrieb Babington-Smith.

Am 13. April 1945 konnte die US-amerikanische 89. Infanterie-Division das Werk und die zugehörigen Lager befreien.

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