Deutschen Blinden- und Sehbehinderten-Skatmeisterschaft in Jena

Jena  Jena war am Wochenende Ort der Deutschen Blinden- und Sehbehinderten-Skatmeisterschaft. Wir sprachen mit der Organisatorin:

Siegfried Uhse (vorn) und Hartmut Sommer waren Teilnehmer der Blinden- und Sehbehinderten-Skatmeisterschaft. Die verwendeten Karten sind dicker, weil sie extra laminiert und mit Tastsymbolen gekennzeichnet sind.

Siegfried Uhse (vorn) und Hartmut Sommer waren Teilnehmer der Blinden- und Sehbehinderten-Skatmeisterschaft. Die verwendeten Karten sind dicker, weil sie extra laminiert und mit Tastsymbolen gekennzeichnet sind.

Foto: Katja Dörn

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Der Jembo-Park war am Wochenende Austragungsort für Skatbegeisterte. Allerdings mit besonderen Karten, denn die Spieler haben entweder ein äußerst schwaches Sehvermögen oder sind blind. Wir sprachen mit Organisatorin Ute Modrow vom Deutschen Skatverband über die 33. Deutsche Blinden- und Sehbehinderten-Skatmeisterschaft, die jährlich abwechselnd in Thüringen und Nordrhein-Westfalen organisiert wird.

Frau Modrow, wer kann bei dieser Skatmeisterschaft mitspielen?

Sehbehinderte und Blinde, die größtenteils im Deutschen Skatverband Mitglied sind, aber auch im Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverein. Ohne Mitgliedschaft geht es nur im Ausnahmefall.

Wie spielt man überhaupt als Blinder Skat?

Sie haben spezielle Karten, die mit Folie überzogen sind und in die Symbole eingeprägt sind. Oben können Kreise und Striche ertastet werden, die einem sagen, ob es Karo, Herz oder Kreuz ist. Darunter ist dann noch der Wert – also 7 oder As.

Also tasten die Teilnehmer im Spiel immer wieder ihre Karten ab oder merken sie sich ihr Blatt?

Sie merken sich das alles, das ist bewundernswert. Sie nehmen die Karten, sortieren diese und wissen im Spiel, was sie für Karten haben.

Und wenn man die Karten ausspielt?

Dann muss das angesagt werden: Ich habe jetzt Kreuz 7 ausgespielt. Die Listenführung macht aber ein Sehender.

Aha, deswegen sitzen an jedem Tisch vier Personen.

Genau. Der Schreibende kontrolliert, ob auch die richtigen Karten angesagt werden. Aber was in der Spielliste steht, wissen die Teilnehmer alles aus dem Kopf. Das ist schon bewundernswert.

Und schummeln klappt nicht?

Nein, ich hoffe es nicht. Sie müssen die Karten ja ansagen und der Schreiber passt auf. Am Ende wird auch nachgezählt.

Mit diesen speziellen Karten können Blinde auch mit Sehenden spielen?

Ja, genau. Aber ich habe diesmal die falschen Karten gekauft, mit Brailleschrift, das ist die Blindenschrift. Und bei denen ist nur ein Strichcode aufgeprägt, also keine Kreise oder Punkte. Gott sei dank habe ich noch meinen alten Bestand mit.

Die Karten mit Brailleschrift würde nicht alle verstehen?

Nein, die Blindenschrift kann nicht jeder, gerade unter den Sehbehinderten. Die Spieler sind an die Karten mit Strichen und Kreisen gewöhnt.

Der Deutsche Skatverband (DSkV) organisiert neben anderen Wettbewerben jährlich die Deutsche Seh- und Behindertenmeisterschaft. Helfer sind Mitglieder des jeweiligen Landesverbandes. Es werden drei Serien zu je 36 Spielen ausgetragen. Die Spielzeit beträgt 150 Minuten. Es gelten selbstverständlich die bekannten Skatregeln.

Den Begriff „Blinden-Skat“ gibt es auch, allerdings für eine Spielform, die auch als „Oma-Skat“ bekannt ist. Wenn der dritte Mann fehlt, legen die Spieler einen Kartenstapel verdeckt auf den Tisch für die „Oma“, die allerdings nie mitreizt.

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