Auf nach New Proschitz!

Thomas Beier
| Lesedauer: 2 Minuten

Es war einmal ein Bürgermeister, der sprach bei einem Neujahrsempfang über Visionen und nannte unter anderen eine Seilbahn auf den Jägerberg als Idee.

21 Jahre später will ein Investor die Bahn tatsächlich bauen. Sie soll hinführen zum neuen Stadtteil „New Proschitz“. Nein, das ist kein Aprilscherz. Den Investor mit ziemlich viel Geld gibt es tatsächlich. Und der Bürgermeister mit Visionen war 2001 Christoph Schwind (CDU). Seine Seilbahn sollte zu einem Freizeitpark schweben.

Ja, es wäre schon ein Befreiungsschlag für den Eigenheim-Wohnungsmarkt, wenn in „New Proschitz“ Hunderte Häuschen zum Verkauf kämen. Die Kleingärten hätten erst mal Ruhe und manch andere Baulandreserve ebenso. In Jena gibt es kaum noch Grundstücke, schon gar keine für Eigenheime. Stattdessen drängen auch noch Firmen ins Zentrum. Die Digitalagentur DotSource bekommt die „Alte Feuerwache“, um dort die neuen Firmenzentrale zu bauen. Vielleicht mit einem Hochhaus, das größer ist als das vom Rivalen Intershop am Steinweg.

Gerade der Feuerwachen-Verkauf dürfte noch Debatten auslösen. Denn der Verzicht auf eine öffentliche Ausschreibung hat für mich ein Geschmäckle. Wenn Lieschen Müller bei der Stadt ein Grundstück kaufen will, muss sie dafür das höchste Gebot abgeben – und zahlt selbst jwd oder nahe der Autobahn oft mehr als den Gutachterpreis. Sollten Arbeitsplätze als Argument ausreichen, um bei der Gemeinde bevorzugt zu werden? Ich meine nein! Ein öffentlicher Ort, der Menschen wieder ins Zentrum lockt, das wäre für mich ein Argument gewesen. Die Jugend rennt ja fast schon fluchtartig ins Paradies. Und im Zentrum wird’s immer stiller.

Vielleicht baut der Investor vom Jägerberg ja die Schwindsche Seilbahnnutzung ein in sein Projekt. Mit angeschlossener Sommerrodelbahn oder Downhillpiste wird „New Proschitz“ noch ein richtiges Naturerlebniszentrum.