Aus der Jenaer Stadtwerke-Geschäftsführer: Planmäßig und unfreiwillig

Jena.  Der Abgang von Thomas Zaremba und Thomas Dirkes scheint vor allem politische Gründe zu haben.

Thomas Zaremba (rechts), Thomas Dirkes. 

Thomas Zaremba (rechts), Thomas Dirkes. 

Foto: Schroll / Stadtwerke Jena

Die Stadtwerke-Geschäftsführer Thomas Zaremba und Thomas Dirkes werden das Unternehmen im Laufe des Jahres 2021 verlassen. Wie die Stadt Jena als alleinige Gesellschafterin der GmbH am Mittwoch mitteilte, verlasse das Duo planmäßig das Unternehmen. Zumindest deutet die Pressemitteilung an, was die Gründe für diesen Schritt sind.

Am 7. November berichtete unsere Redaktion über eine sich im Stadtrat abzeichnende Mehrheit, die sich gegen die Wiederbestellung von Zaremba und Dirkes stellt. Als Vorsitzender des Aufsichtsrates will OB Thomas Nitzsche (FDP) die turnusgemäße Sitzung des Gremiums im Dezember offenbar nicht abwarten. Er spricht hinter den Kulissen mit den Beteiligten, mindestens einmal muss es ein Treffen mit ihm, Zaremba, Dirkes und Bürgermeister Christian Gerlitz (SPD) gegeben haben.

Die versandte Pressemitteilung verdeutlicht zweierlei: Die Mehrheit im Stadtrat steht, weshalb Thomas Zaremba und Thomas Dirkes ein Abgang ohne Gesichtsverlust zu ermöglichen ist. Beide werden die „nächsten Schritte im Interesse der Gesellschaften aktiv begleiten und die Unternehmen dann im Verlauf des Jahres 2021 planmäßig verlassen“. Das klingt vordergründig nicht nach einem handfesten Streit.

Keine Doppelspitze mehr

Die Stadt will die Unternehmensgruppe in ihrer Führungsstruktur verändern, dabei auch vom Prinzip der Doppelspitze abkehren, heißt es am Mittwoch. „Die Zusammensetzung der Geschäftsführung der Stadtwerke Jena GmbH soll zukünftig die Bedeutung der Tochterunternehmen der Gruppe stärker widerspiegeln. Zu dieser Neuausrichtung gibt es unterschiedliche Auffassungen.“ Und Gerlitz gibt unter anderem als Ziel aus, Jenawohnen und den Nahverkehr als starke Unternehmen der Gruppe künftig noch sichtbarer und agiler auftreten zu lassen.

Die Frage, ob Gerlitz diese Personalie maßgeblich vorangetrieben hat, muss zwar unbeantwortet bleiben. Dass er mit Blick auf den Wohnraum enger mit der Stadtwerke-Gruppe zusammenarbeiten will, erklärt auch nicht die bunte Koalition der Unzufriedenen: Lena Saniye Güngör und Jens Thomas (beide Linke), Guntram Wothly (CDU), Friedrich-Wilhelm Gebhardt (SPD) sowie Alexis Taeger (FDP) haben als Mitglieder des Aufsichtsrates kein Interesse daran, die Arbeit mit der bisherigen Doppelspitze fortzusetzen.

Nachfolger aus den eigenen Reihen

15 Frauen und Männern gehören dem Gremium an, darunter Vertreter der Politik, der privaten Gesellschafter und der Mitarbeiter. Natürlich markieren die fünf Stimmen der Politiker keine Mehrheit. Da jedoch die Holding eine einhundertprozentige Tochter der Stadt ist, obliegt es dem Stadtrat, die Geschäftsführer zu bestellen.

Thomas Nitzsche ist ein Teamplayer. Und doch hat die Stadt es mit zwei gestandenen Geschäftsführern zu tun, die mutmaßlich Macht anhäufen, Abläufe konzentrieren wollen und gegen Einflüsterer aus der Politik vielleicht zu immun sind.

Und gerade in Zeiten knapper Kassen geht es immer auch darum, wie die Gesellschaften der Stadt etwas Gutes tun können: Dünne Mutter, dicke Töchter, das weckt Begehrlichkeiten.

Die Mitteilung zitiert den OB übrigens mit dem Satz, dass ein Nachfolger aus der Gruppe heraus Kontinuität sicherstellen werde. Das sei auch ein Zeichen für die Mitarbeiter. Damit sind wohl Andreas Möller (Nahverkehr) und Tobias Wolfrum (Jenawohnen) im Rennen.