Große Solidarität für Brandopfer-Familie aus Lobeda

Lobeda-Altstadt  Bei einem Benefizkonzert in der Peterskirche wird Geld gesammelt für die Familie Holzbauer aus Lobeda-Altstadt, die bei einem Brand vieles verloren hat.

Kein Platz blieb frei am Sonntagnachmittag in der Peterskirche von Lobeda-Altstadt beim Benefizkonzert.

Kein Platz blieb frei am Sonntagnachmittag in der Peterskirche von Lobeda-Altstadt beim Benefizkonzert.

Foto: Angelika Schimmel

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In der Peterskirche von Lobeda-Altstadt war gestern Nachmittag kein freier Platz mehr zu bekommen, doch das schreckte niemanden. Man rückte zusammen, ließ sich auf dem Fußboden nieder oder nahm einen Platz in der hinteren Reihe auf der Balustrade in Kauf. Es kam ja nicht aufs Sehen an, sondern aufs Hören und darauf, dass man mit seinem Hiersein Mitgefühl und Solidarität zeigte für Antje und Thomas Holzbauer.

Die beiden, die seit Jahrzehnten im historischen Lobeda zu Hause sind und sich hier eigenhändig ein altes Haus ausgebaut haben, sind nach einem verheerenden Brand am vergangenen Wochenendequasi obdachlos. Ihr Haus wurde von den Flammen zerstört, ihre Zuhause ist seither der Wohnwagen, mit dem Musikerin Antje und ihr Mann an dem Unglückswochenende zu einem Konzert nach Leipzig gefahren waren. Doch die beiden sind in ihrem Unglück nicht allein – das bewies der gestrige Nachmittag. Einige Hundert Menschen waren der Einladung zu dem Konzert gefolgt, mit dem die Kirchgemeinde und vor allem Musikerkollegen das Lobedaer Paar unterstützen wollten. Und mehr als ein Dutzend Musiker hatten allein oder mit ihrer Band die Teilnahme am Konzert zugesagt. Denn bei dem Brand, dessen Ursache noch ungeklärt ist, wurden auch mehrere historische Instrumente von Antje Holzbauer, unter anderem eine schwedische Nyckelharpa, auch Schlüsselfidel genannt, Opfer der Flammen. Da jedoch ein Musiker ohne Instrument seinem Beruf nicht mehr nachgehen kann, wollten die Künstlerkollegen mit dem Konzert zuallererst Spenden sammeln für eine Neuanschaffung von Instrumenten.

„Das Echo auf unseren Aufruf zum Konzert war überwältigend, wir mussten immerzu die Programmliste noch erweitern, haben deshalb auch den Spielort nach Lobeda in die Peterskirche verlegt, weil unsere kleine Löbstedter Kirche aus allen Nähten geplatzt wäre“, berichtet Ralf Kleist, Chef des Vereins Kulturkirche Jena-Löbstedt und derjenige, bei dem viele Hilfsaktionen jetzt zusammenlaufen.

Ortsteilbürgermeister Jürgen Häkanson-Hall berichtet von einer großen Welle der Hilfsbereitschaft in Lobeda selbst. Nachbarn aus der Straße haben schon Geld gesammelt und als Erste-Hilfe-Paket an die Holzbauers übergeben. Andere haben ihnen Wohnung angeboten, auch Hausrat und alles, was man sich denken kann.“ Jenawohnen habe ebenfalls eine Bleibe für das Paar in der Nähe angeboten.

„Ewig können die beiden ja nicht in dem Wohnwagen im Pfarrgarten campieren“, gibt auch Ingrid Poschmann, Vorsitzende des Gemeindekirchenrats, zu bedenken. Das Schicksal des Paares sei im Ort Gesprächsstoff, auf der Straße, im Supermarkt, am Gartenzaun. „Es ist sehr traurig, wenn man sieht, wie schnell so ein Haus, eigentlich das Lebenswerk der beiden, zerstört werden kann. Die beiden sind hier gut bekannt, Thomas hat als Handwerker so viel für unsere Kirchgemeinde gemacht und ist auch immer zur Stelle, wenn er in der Nachbarschaft gebraucht wird, Antje hat hier musiziert. Da ist es doch klar, dass jetzt viele helfen“, versichert sie.

Auch Konzertgast Michael Döring aus Lehesten, der mit Thomas Holzbauer schon auf vielen Baustellen zusammengearbeitet hat, ist optimistisch: „Wenn ich mich hier umschaue und sehe, wie viele Handwerker da sind, dann weiß ich, dass da auch beim Wiederaufbau des Hauses viele helfen werden“, sagt er. Von einem ganz besonderen Hilfsangebot berichtete dann Musiker-Kollegin Ines Andraczek. „Antje ist eine begnadete Nyckelharpa-Spielerin, deshalb ist es tragisch, dass ihr Instrument verbrannte. Doch wir haben in Schweden einen Instrumentenbauer gefunden, der ein solches Instrument für Antje bauen wird, er wird es schon am 26. Oktober nach Jena bringen“, erzählte sie.

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