Bewegende Momente in offenen Ateliers rund um Jena

Jena  Interessierte Gäste bei Künstlern in der Region und Stadt am Wochenende zu Atelier-Besuchen

Das Schicksal der Bootsflüchtlinge beschäftigt Arnulf Ehrlich aus Closewitz so sehr, dass er das Boots-Motiv immer wieder in neuer Form bearbeitet.

Das Schicksal der Bootsflüchtlinge beschäftigt Arnulf Ehrlich aus Closewitz so sehr, dass er das Boots-Motiv immer wieder in neuer Form bearbeitet.

Foto: Angelika Schimmel

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Ihrem Sonnabend-Nachmittagsspaziergang oder Sonntagsausflug haben am Wochenende zahlreiche Jenaer eine künstlerische Note gegeben. Sie folgten der Einladung des Verbandes Bildender Künstler Thüringen, dessen Mitglieder ihre Ateliertüren weit für Besucher öffneten. So konnten Kunstinteressierte in Jena Falko Bärenwalds Malerei, Grafik und Skulpturen kennenlernen oder bei Robert Krainhöfner staunen, wie er Stahl, Plexiglas und Holz zusammen zu seelenvollen Skulpturen und schmückenden Wandreliefs verarbeitet. Bei Barbara Magdalena Neuhäuser in Schlöben konnten sich die Gäste in ihrem Atelierhof „art&spirit“ inspirieren lassen und im verwunschenen Garten mit zauberhaften Skulpturen Zwiesprache halten. Natürlich gaben alle Künstler auch freigiebig Auskunft über ihre Arbeit. So auch Waltraud Ehrlich-Schmidt und ihr Gatte Arnulf Ehrlich, die Kunstinteressierte nach Closewitz eingeladen hatten. Dort im Haus mit Garten am Waldrand haben die beiden sich in einer alten Scheune und einer großen Veranda mit viel Glas Räume geschaffen, in denen sie ihrer Leidenschaft jederzeit nachgehen können.

Dort sitzt Waltraud Ehrlich-Schmidt an der Staffelei und braucht nur nach draußen zu schauen, da fallen ihr die Motive für ihre Bilder buchstäblich ins Auge – der Knöterich, der Laube und Mauern verschlingt, die Lilien oder die zarten Fruchtstände der Artischocke. Diese regten die Künstlerin an, sich neuerdings verstärkt dem Holzschnitt zuzuwenden. „Ich habe jetzt als Rentnerin ja viel mehr Zeit, mich der Malerei zu widmen und auch einmal etwas Neues auszuprobieren“, gesteht sie. Immer jedoch bannt sie auf Papier oder Leinwand, „was mich bewegt“. Die Natur in ihrer Vielgestaltigkeit ebenso wie die Themen Not und Krieg. Dass die schon 2003 geschaffenen Arbeiten wie „der blinde Krieger“ heute immer noch aktuell sind, mache sie sehr betroffen, gesteht sie. Auch ihren Mann Arnulf, der in seinem Leben beruflich schon vieles gemacht hat und in seiner Jugend aus politischen Gründen nicht Kunst studieren durfte, zwingen die aktuellen Geschehnisse in der Welt immer wieder an die Staffelei. Wie sehr ihn das Schicksal der Bootsflüchtlinge auf dem Mittelmeer beschäftigt, beweisen die vielen großformatigen Bilder mit dem immer wiederkehrenden Boots-Motiv. „Ich weiß, dass sich die Leute ein solches Bild nicht ins Wohnzimmer hängen würden, doch ich muss es trotzdem malen“, beschreibt er seinen Antrieb.

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