Bürgerinitiative in Orlamünde: Die Mauer muss kommen

Orlamünde.  Petitionsausschuss-Mitglieder stärken den lärmgeplagten Bürgern an der B88 in Orlamünde den Rücken.

Hartmut Schweinitz macht sich mit der Bürgerinitiative "Lärm macht krank" in Orlamünde für eine Lärmschutzwand an der B88 stark.

Hartmut Schweinitz macht sich mit der Bürgerinitiative "Lärm macht krank" in Orlamünde für eine Lärmschutzwand an der B88 stark.

Foto: Katja Dörn

An der Bundesstraße 88 in Orlamünde wurden am Donnerstag Tatsachen geschaffen, die für die Bürgerinitiative „Lärm macht krank“ einen Rückschlag bedeuten. Bauarbeiter brachten eine 1,15 Meter hohe Betongleitwand hin zur Wohnbebauung an. Dabei sollte dort, so die Forderung der BI, eine deutlich höhere Lärmschutzwand entstehen. Dafür wurde auch eine Petition in den Thüringer Landtag eingebracht. Mitglieder des Petitionsausschusses machten sich nun selbst noch einmal ein Bild vor Ort und signalisierten: Wir kämpfen für euch.

Eigentlich sollte der komplette Petitionsausschuss nach Orlamünde reisen, doch wegen der steigenden Infektionszahlen sei Landtagsmitarbeitern untersagt, Außentermine wahrzunehmen. So wollte man den Termin auf das kommende Jahr verschieben. Das geht so nicht, sagt Hartmut Schweinitz, der als Sprachrohr für die Bürgerinitiative kämpft. „Da ist die Baustelle fertig.“ Schlussendlich habe Landtagsabgeordneter Stephan Tiesler (CDU) angespornt, in kleinerer Runde zusammen zu kommen. So waren auch Markus Gleichmann als stellvertretendes Mitglied sowie Philipp Weltzin (beide Linke) vor Ort. Letzterer als offizieller Berichterstatter für den Ausschuss.

Befürchtung: Überholspur verstärkt Lärmbelastung

Die schlechte Nachricht zuerst: Die Bauarbeiten werden ohne Lärmschutzwand beendet. Im Rahmen des Bundesprojektes für die Ortsumgehung Zeutsch entsteht eine zusätzliche Überholspur am Ortsausgang Orlamünde. Dort, wo auch gut ein Dutzend Häuser stehen. Wer einmal am Haus von Hartmut Schweinitz und seinen Nachbarn stand, hört: Der Straßenverkehr ist laut. Und wird, so die Befürchtung, mit der Überholspur noch lauter.

Für eine Lärmschutzwand fehlen allerdings die rechtlichen Grundlagen, erhielt der Petitionsausschuss auf Nachfragen als Antwort, berichten Tiesler und Gleichmann. Unverständlich seien teilweise die Argumentationen des bauausführenden Landesamtes für Bau und Verkehr. So wurde zuletzt den Ausschussmitgliedern eröffnet, dass es günstiger sei, eine Lärmschutzwand nachträglich einzubauen als während der jetzigen Baumaßnahmen, da diese behindert würden. Unverständlich findet Tiesler das.

Oder der Vergleich mit Zeutsch: Nur wenige Kilometer weiter südlich entsteht eine Lärmschutzwand an der B88. Gleiche Strecke, ähnliche Bebauung, könnte man denken. Nein, sagt das Straßenbauamt, das Wohngebiet in Zeutsch entstand nach der Wende, ist also relativ neu und besitze einen schützenswerten Rechtsstatus. Die Orlamünder Wohnhäuser, früher gebaut, dagegen nicht.

Zwei Optionen stehen im Raum

Für das Anliegen der Bürgerinitiative wollen die Landtagsabgeordneten weiter eintreten. „Wir sind uns in der Runde einig, dass wir eine Lösung finden müssen“, sagt Abgeordneter Gleichmann und blickt zum CDU-Kollegen Tiesler. Er nickt zustimmend. Die Petition der BI werde weiter beachtet.

Zwei Optionen wurden nun bei der Ortsbegehung besprochen: Zum einen besteht die Möglichkeit, ein neues Lärmschutzgutachten nach Ende der Bauarbeiten in Auftrag zu geben. Das letzte entstammt einer Modellrechnung, die ins Planfeststellungsverfahren von 2010 einfloss. Die Dezibelwerte darin, weiß Schweinitz aus eigenen Messungen, seien zu gering. Auch in das Zahlengewirr müsste Ordnung gebracht werden. Im Planfeststellungsverfahren ist von einer täglichen Belastung von 6000 Fahrzeugen auszugehen, dagegen steht im Bundesverkehrswegeplan 2030 eine Prognose von bis zu 16.000 Fahrzeugen.

Zweite Option wäre, nach der Budgetabrechnung für das Projekt noch vorhandene Mittel für die Lärmschutzwand einzusetzen, sagt Tiesler. Vorerst aber müssen die Orlamünder mit der vorhandenen Betongleitwand leben.