Christian Lambrechts Herz schlägt für den Kraftsport

Jena  23-jähriger Jenaer mit Down-Syndrom vertritt seine Heimatstadt bei den Special Olympics.

Christian Lambrecht aus Closewitz mit Vater Tilman mit Down-Syndrom bei den 2. Special Olympics/Thüringer Leichtathletiktage in Jena. 

Christian Lambrecht aus Closewitz mit Vater Tilman mit Down-Syndrom bei den 2. Special Olympics/Thüringer Leichtathletiktage in Jena. 

Foto: Jens Henning

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Christian Lambrecht (23) fühlte sich gestern Mittag wohl auf der Sportanlage in Lobeda-West. Die zweiten Special Olympics/Thüringer Leichtathletik-Tage liefen.

Christian Lambrecht war der einzige Starter aus Jena. Das störte ihn wenig. Schließlich hatte er Unterstützung mitgebracht. 20 Mädchen und Jungen aus der Kindertagesstätte „Fröbelhaus“ wollten „ihren“ Christian bei seinen Starts über 100 Meter und im Kugelstoßen die Daumen drücken.

Bis Ende Oktober geht noch seine Assistentenausbildung in der kommunalen Einrichtung. Er ist der erste behinderte Mensch, der eine Ausbildung in einem städtischen Kindergarten in Jena absolviert.

„Wir sind sehr zufrieden mit seiner Arbeit. Die Kinder mögen Christian. Er hilft uns“, sagte Brunhilde Beckert, die Leiterin im Fröbelhaus. Den 23-Jährigen mit Down-Syndrom kennt sie schon aus ihrer Arbeit in einer anderen Jenaer Einrichtung.

An Lambrechts Seite war sein Vater. „Christian ist ein ruhiger Geselle. Er hat einen strukturierten Tagesablauf. Natürlich braucht er Unterstützung“, sagte Tilman Lambrecht.

Als klar war, dass Christian Lambrecht von Geburt an mit einer Behinderung aufwachsen wird, wurde das Familienleben umgestellt. „Ich bin ehrlich, ich kam damit besser klar. Meine Frau hatte ein bisschen länger gebraucht. Jetzt hat sich aber alles eingespielt. Wir lieben Christian. Und wir lieben die Zeit, wenn wir gemeinsame was unternehmen“, sagte der Vater. Den gestrigen Sporttag nahm sein Sohn ernst. Die Kugel landete zweimal bei 4,34 Meter.

Wichtig war für ihn die Teilnahme. Sein Herz schlägt für den Kraftsport. Ein- bis zweimal geht er in der Woche ins Fitnessstudio. Und dann hat er daheim in Closewitz seine Hantel-Bank in seinem Zimmer stehen. „Da trainiert er oft und fleißig“, sagte sein Vater.

Dass er seinen Sohn gestern begleiten konnte, liegt an seiner beruflichen Selbstständigkeit. „Ich habe eine Glaserei. Da kann ich mir die Zeit besser einteilen. Es ist immer ein Spagat. Meine Frau und ich teilen uns hinein in die Betreuung.“

Dass Christian Lambrecht der Alleinunterhalter war für die Gastgeberstadt Jena, bedauerte auch der Gesamtleiter Reinhard Morys, seit 2004 Vorsitzender von Special Olympics in Thüringen. „Wir haben heute nur 65 Teilnehmer aus sechs Einrichtungen. Sie kommen aus Eisenach, Suhl, Schleusingen, Hildburghausen, Sonneberg und Arnstadt. Mit 100 hatten wir gerechnet. Wir vermissen die Einrichtungen aus Jena, aus Gera, aus Altenburg oder auch aus Weimar. Genauso vermissen wir die Förderschulen aus der Region.“

Die Gründe, warum die Teilnehmer aus Ost- und Mittelthüringen fehlten, konnte er nicht nennen. „Wir hatten im Vorfeld auch diese Einrichtungen angeschrieben, einige mehrfach. Wir bekamen aber nur von den Einrichtungen eine Rückmeldung, die am Ende auch dabei waren“, sagte der Veranstalter.

2020 ist Jena wieder Gastgeber, dann über zwei Tage, da die Disziplinen um die Mittel- und Langstrecken ergänzt werden. Christian Lambrecht wird wieder dabei sein, dann vielleicht als Mitarbeiter der Kindertagesstätte „Fröbelhaus“. Aktuell laufen Gespräche mit den Verantwortlichen, den jungen Mann nach dem Abschluss seiner Ausbildung eine berufliche Perspektive zu geben. „Für Christian wäre das unheimlich wichtig. Er liebt diesen Beruf sehr“, sagte Tilman Lambrecht. Das wurde auch bei der Verabschiedung deutlich. Alle Kinder reichten Christian Lambrecht die Hand.

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