„Scheiß-Situation“: Frust auf allen Seiten nach 10. Niederlage des FC Carl Zeiss

Kaiserslautern  Jenas Kapitän Volkmer müht sich, nach dem 1:3 in Kaiserslautern nicht nur die Fan-Gemüter zu beruhigen.

Dominic Volkmer (Mitte) beruhigt im Innenraum des Stadions den tobenden Ultra-Anführer Toni Schley.

Dominic Volkmer (Mitte) beruhigt im Innenraum des Stadions den tobenden Ultra-Anführer Toni Schley.

Foto: Thomas Corbus

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Als „Feuerwehrmann“ hat er sich auf dem Feld oft genug beweisen müssen. Am Ende einer niederschmetternden Leerfahrt in die Pfalz ist Dominic Volkmer indes vor allem gefragt gewesen, die frustgeplagt Feuer gefangenen Gemüter zu kühlen. Minutenlang nach Abpfiff stellte sich der hoch gewachsene Kapitän den Fans seines FC Carl Zeiss, die im Innenraum des Fritz-Walter-Stadions ihrer Wut freien Lauf ließen.

Der Jenaer Abwehrchef entwickelte sogar Verständnis für die aufgebrachte Anhängerschaft. „Das ist eine Scheiß-Situation“, sagte er unverblümt. „Aber für uns ist sie das auch“, fügte er an. Der Frust stand ihm und seinen Blau-Gelben nicht minder ins Gesicht geschrieben, nachdem sie einen weiteren empfindlichen Schlag kassierthatten.

Spiel lässt ein Gefühl der Ratlosigkeit zurück

Beim ebenso in der Krise steckenden 1. FC Kaiserslautern mussten sie mit dem 1:3 (1:1) im elften Saisonspiel die zehnte Niederlage einstecken – und wiederholt Schimpf und Schande über sich ergehen lassen. Florian Pick (69.) und Gino Fechner (74.) trafen den Drittliga-Letzten mit ihren entscheidenden Toren vor 16.083 Zuschauern tief ins Herz. Nach Daniele Gabrieles Führung per Elfmeter (6.) und dem Ausgleich durch Lautern-Kapitän Christoph Hemlein (31.) war die berechtigte Hoffnung, etwas mitzunehmen, von drei über einen auf null Punkte gesunken.

Während sich die von Zerwürfnissen an der Vereinsspitze geplagten Pfälzer aber durch den späten Doppelpack mit dem überhaupt ersten Heimsieg mit ihrer Anhängerschaft wenigstens etwas versöhnten, hagelte es von den 300 mitgereisten Zeiss-Anhängern „Wir sind Jenaer – und ihr nicht!“-Rufe aus der Kurve des Fritz-Walther-Stadions. Bereits zu Beginn untermauerten sie mit Spruchbändern ihre Forderungen. Unter anderem verlangten sie von den Spielern, sich namentlich zu bekennen und sich für die demolierte Kabine zu entschuldigen.

Von den eigenen Fans verteufelt, von den Roten Teufeln empfindlich getroffen: Die Jenaer Seele kam auch auf dem Betzenberg nicht zur Ruhe. Das Spiel ließ ein Gefühl der Ratlosigkeit zurück. Erklärbar ist der Verlauf freilich gewesen. Aber genauso schwer ist er zu verstehen gewesen. Wie den Thüringern zum dritten Mal in Folge ein Spiel aus der Hand glitt, in dem sie vielversprechend auf Kurs schienen.

Interimstrainer Christian Fröhlich sprach von einem „Häufchen Elend“, das er in der Kabine vorfand. Dennoch bescheinigte er seiner Elf, sich zumindest über lange Zeit gut verkauft zu haben. „Ich kann sagen, aufgrund der ersten 70 Minuten kann die Mannschaft ein bisschen stolz sein“, übte er sich in seiner ersten Nachspiel-Pressekonferenz als Cheftrainer als Trostspender. Allerdings fehlten auch ihm die Erklärungen, um die Gründe für die zehnte Saisonniederlage auszumachen. Das 1:1 kam aus seiner Sicht etwas unglücklich zustande. Der Ball sei über die anfällige linke Seite gekommen. „Da rutscht er eben durch. Das passiert, wenn man unten steht“, bezog er sich auf den Ausgleich Hemleins. Die Eingabe des durchgelaufenen Dominik Schad konnte Volkmer zunächst noch abwehren. Der Schuss des FCK-Kapitäns ins kurze Eck aber saß (31.).

„Wir haben hervorragend ge­gen den Ball gearbeitet und das Spiel lange offengehalten. Aber man hat dann gemerkt, dass wir auch langsam müde wurden“, zog Fröhlich indirekt Parallelen zu anderen Partien, in denen die Kraft gegen Ende ausging.

Ein Ballverlust in der Vorwärtsbewegung von Maximilian Rohr an Janik Bachmann leistete an diesem Samstag auf dem Betzenberg den entscheidenden Vorschub, dass der FCK triumphierte. In der eigenen Hälfte den Ball verloren, dann ging es schnell. Pass in die Mitte. Simon Skarlatidis nagelte das Leder an die Latte, Pick vollendete im zweiten Versuch (69.). Den Rest erledigte Fechner mit schönem Schuss an den Innenpfosten zum 3:1 (78.), nachdem die Jenaer wieder nur kurz klären konnten. „Wir kriegen das 2:1 in einer Phase, in der wir überlegen sind“, ärgerte sich Volkmer über den Gegentreffer.

Fehlendes Spielglück

Ob die Partie einen anderen Verlauf genommen hätte, wäre kurz nach dem Wechsel Gabrieles Schuss frei aus zwölf Metern nach guter Vorlage von Tim Kircher nicht die Wolken gegangen?

„Ich denke, mit Sicherheit. Aber da fehlt eben auch das nötige Spielglück“, sagte der Jenaer Stürmer, der in Halbzeit eins als Gefoulter vom Elfmeterpunkt mit seinem vierten Saisontor (6.) die Hoffnungen erst geweckt hatte, aus der Pfalz etwas mitnehmen zu können.

Am Ende eines Duells zweier verunsicherter Teams aber herrschte auch auf dem Betzenberg Jenaer Niedergeschlagenheit. „Heute wird’s sch... sein, morgen wird’s sch... sein für den Kopf. Am Montag geht’s weiter. Es geht nur mit harter Arbeit“, bemühte Dominic Volkmer Sätze, die die größten Flammen erstmal löschen.

Was bleibt auch anderes übrig.

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