Das letzte Spiel der Vereinsgeschichte: Der FF USV Jena sagt Tschüss

Jena.  Ihr letztes Bundesliga-Spiel verlieren die Thüringerinnen mit 0:2 gegen Duisburg. Ab der kommenden Saison sind die Frauen als FC Carl Zeiss Jena am Ball.

Noch einmal winken die Spielerinnen des FF USV Jena, das Trainerteam, Betreuer und Funktionäre in ihren Abschiedstrikots in die Kamera. Mit dem 0:2 gegen Duisburg endet die Vereinsgeschichte.

Noch einmal winken die Spielerinnen des FF USV Jena, das Trainerteam, Betreuer und Funktionäre in ihren Abschiedstrikots in die Kamera. Mit dem 0:2 gegen Duisburg endet die Vereinsgeschichte.

Foto: Jürgen Scheere

Zum Abschied versammelte Chris Heck seine Spielerinnen noch einmal in einem Kreis auf dem Spielfeld. Während der Trainer des FF USV Jena seinen Schützlingen für die Zukunft die besten Wünsche aussprach, tanzten im Hintergrund die Duisburg-Frauen, die dank des 2:0-Erfolges in Thüringen den Klassenerhalt am letzten Spieltag der Fußball-Bundesliga der Frauen feierten.

Emotional ging es trotz des schon lange feststehenden Abstiegs auch beim FF USV zu. Schließlich war die Begegnung am Sonntag die letzte der Vereinsgeschichte. „Wir hätten gerne gewonnen“, sagte Chris Heck. „Leider waren wir nach den schweren Wochen einfach platt.“

Verein prägte über viele Jahre den Frauen-Fußball

Erinnerungen an bessere Zeiten wurden im Ernst-Abbe-Sportfeld vor dem Anpfiff wach. Ein letztes Gruppenbild in eigens angefertigten Abschiedstrikots wurde geschossen. Darauf standen die größten Erfolge eines Vereins, der in Mitteldeutschland über viele Jahre hinweg den Frauen-Fußball prägte.

Beim ersten Bundesliga-Spiel nach dem Aufstieg 2008, ein 2:3 gegen den HSV, hatten fast 1000 Zuschauer den Weg ins Universitätssportzentrum, das in Sichtweite liegt, gefunden. Sabrina Schmutzler sorgte damals für die ersten Bundesliga-Tore der Jenaerinnen. Auch Lisa Seiler stand auf dem Feld, genau wie fast zwölf Jahre später im Geisterspiel gegen den MSV.

Der Traum von einem abschließenden Sieg bekam für die Thüringerinnen nach ausgeglichenem Beginn in der 23. Minute einen herben Dämpfer. Tina Kremlitschka musste nach einer Notbremse mit Rot runter, drei Minuten später traf Meikayla Jean-Maree Moore zur Duisburger Führung. Als Alina Angerer noch vor der Pause das 0:2 aus USV-Sicht erzielte (45.), war die Niederlagebesiegelt. „Schade, bis zur Roten Karte sah es ganz gut aus“, sagte Jenas Vereinschef Torsten Rödiger.

Die Kickerinnen von der Saale haben trotz einer sieglosen Saison zum Vergessen in den vergangenen Jahrzehnten eine Ära geprägt. Und sie haben Namen hervorgebracht, die auch über die Grenzen des Frauen-Fußballs hinaus Bekanntheit erlangt haben.

Heidi Vater führte den FF USV in die Bundesliga und ins Pokalfinale

Heidi Vater ist vielen noch ein Begriff, auch wenn die Apoldaerin, die ursprünglich im Tennis große Erfolge feierte, sich schon 2010 vom Club verabschiedete. Als Spielerin wurde sie 1991 mit dem damaligen USV Jena letzter ostdeutscher Meister, als Trainerin führte sie die Thüringerinnen 2008 ins Oberhaus und 2010 sogar nach Köln ins DFB-Pokalendspiel. Martina Voss-Tecklenburg betreute damals die siegreichen Duisburgerinnen und heuerte von 2011 bis 2012 selber in Jena an.

Freilich war es nur ein kurzes Gastspiel der heutigen Nationaltrainerin der deutschen Frauen-Elf. Unter ihrem damaligen Co-Trainer Daniel Kraus (bis 2016 USV-Chefcoach) sollten Jahre folgen, in der die Jenaerinnen wenig mit dem Abstieg zu tun hatten und 2013/2014 mit Platz fünf ihre beste Bundesligaplatzierung erreichten.

Auch zahlreiche Top-Spielerinnen schnürten einst die Fußballschuhe für die Saalestädterinnen wie die spätere Nationalspielerin Anna Blässe (Weimar). Größere Fußstapfen in den Vereinsanalen hinterließen aber Akteurinnen wie die spätere Bundesliga-Torschützenkönigin Genoveva Anonma, Adjoa Bayor, Ivonne Hartmann, Steffi Scheitler, Schmutzler, Susann Utes, Laura Brosius, die Zwillinge Sylvia und Julia Arnold oder Seiler.

Spielrechte gehen an den FC Carl Zeiss Jena

Freilich waren auch finanzielle Sorgen durch Zeiten, in denen man über die Verhältnisse lebte, sowie Zuschauerschwund in den vergangenen Jahren ein steter Begleiter. Einst rettete den FF USV ein Darlehen von Roland Duchatelet, der sich die letzte Begegnung am Sonntag nicht entgehen ließ. Ende 2018 konnte zudem eine drohende Insolvenz nur mit Mühe durch große Unterstützung der Fans und den Wiederaufstieg in die Bundesliga 2019 abgewendet werden.

Die Übertragung der Spielrechte an den FC Carl Zeiss, bei dem sich der ehemalige FF USV nun als Ausbildungsmannschaft in der 2. Bundesliga etablieren möchte, und der neuerliche Abschied aus dem Oberhaus sind die Folge. Der neuen Trainerin Anne Pochert, die Chris Heck in der kommenden Saison ersetzen wird, ist es nun vorbehalten, für einen erfolgreichen Neubeginn unter dem Dach des FCC zu sorgen.

Eine Abschiedsfeier mit vielen Ehemaligen, die gleichzeitig eine Willkommensfeier beim FC Carl Zeiss wird, ist noch geplant, verriet Rödiger - am 1. Juli um 19.03 Uhr. Dort darf dann noch einmal in Erinnerungen geschwelgt werden.

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