Der in Kahla beheimatete Bildhauer Karl-Heinz Appelt ist tot

Der Künstler und Hochschullehrer hat deutschlandweit Skulpturen für den öffentlichen Raum gestaltet, seine Werke finden sich in zahlreichen großen Museen und Sammlungen.

Karl-Heinz Appelt 2011 beim  5. Metallsymposium in der Heinrichshütte in Wurzbach (Saale-Orla-Kreis).

Karl-Heinz Appelt 2011 beim 5. Metallsymposium in der Heinrichshütte in Wurzbach (Saale-Orla-Kreis).

Foto: zgt

Was ist eine Plastik? Wenn es darauf eine einfache Antwort gäbe, hätte die Frage den Bildhauer Karl-Heinz Appelt wohl nicht Zeit seines Schaffens immer wieder aufs Neue beschäftigt. Das lässt sich nicht zuletzt von Jedermann an seinen Werken für den öffentlichen Raum studieren - Brunnen, Plastiken, Wandreliefe. Der letzte große Auftrag wurde der Karpfenpfeiferbrunnen, sieben prachtvolle Karpfen sind um die Symbolfigur der Stadt Zeulenroda gruppiert.

Wie der Verband Bildender Künstler Thüringen, dessen Mitglied und Verbandssprecher Karl-Heinz Appelt war, nun mitteilte, ist der Künstler bereits in der vergangenen Woche gestorben. Karl-Heinz Appelt lebte seit 1978 in Kahla und hatte die letzten Jahre auch ein kleines Atelier in Leipzig. Er wurde 72 Jahre alt. Er hinterlässt eine Frau und einen Sohn.

Geboren wurde der Bildhauer, der in Thüringen so viele Spuren hinterlassen hat, 1940 in Radebeul. Als ihm der Besuch der Oberschule verweigert wurde, lernte er Steinbildhauer in Dresden. Von 1960 bis 1965 studierte Karl-Heinz Appelt an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden. Über die damals übliche Absolventenvermittlung verschlug es ihn nach Jena, wo er in einem Atelier ohne Toilette und ohne Heizung arbeiten musste. Was das betraf, verbesserte nach Jahren ein Umzug die Lebens- und Arbeitsbedingungen, aber was ein Bildhauer wie Karl-Heinz Appelt eigentlich brauchte, ein großes, hohes Atelier, davon hat er immer nur träumen können. Selbst das Modell für den 8 Meter hohen Sonnenbrunnen, der ein Zeichen gegen die grauen, quadratischen Eflgeschosser in Geras Stadtzentrum setzen sollte, entstand unter beengten Verhältnissen. 1978 dann verließen die Appelts Jena und zogen in ein Häuschen mit Garten nach Kahla.

Wissen und Gefühl, Können und Ordnung - zu halben Sachen und faulen Kompromissen hat diesen Künstler niemand bewegen können. Er hat sich politisch nicht vereinnahmen lassen und zum Beispiel den Auftrag ausgeschlagen, in Gera ein Thälmanndenkmal zu entwerfen. Er hat sich von der Stasi nicht anwerben lassen, die Aussicht auf lukrative Lehrämter, Funktionen und Westreisen konnten ihn nicht verführen. Karl-Heinz Appelt gehörte zu den seltenen Menschen, die sich nicht verbiegen, die unbeirrt ihre Kraft dem als richtig Erkannten widmen. Von dieser Gradlinigkeit ist auch sein Werk erfüllt. Das hat ihm schon in der DDR auch viel Anerkennung, Ansehen und Respekt eingetragen. Plastiken von Karl-Heinz Appelt gehören zum Bestand vieler großen Sammlungen, wurden seit 1973 in allen Kunstausstellungen der DDR gezeigt.

Es gehört zur Tragik dieses kraftvollen Künstlers, dass mit der Wende für den damals 50-Jährigen künstlerisch kein Aufbruch begann. Schönheit wie er sie verstand, die aus der Harmonie von Raum, Masse, Volumen, Schönheit, die aus der Achtung der leiblichen Existenz des Menschen wächst, war plötzlich unmodern. "Ich hatte keinen Namen und keinen Marktwert", hat er in einem Gespräch gesagt. Was noch kam? Ein Lehrauftrag an der Hochschule in Leipzig, eine Ausstellung 1995 mit 150 Arbeiten im "Güldenen Kronbacken" in Erfurt und viele Pläne, die er in den großen Dimensionen, für die Appelts Plastiken konzipiert sind, meist nicht verwirklichen ließen. Sinnlichen Kleinplastiken von Karl-Heinz Appelt und Steindrucke waren 2011 im Kunsthaus Müller in Wurzbach zu sehen, das seine Werke im Bestand führt.

Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.