Direktvermarkter aus Bucha: Kundenbindung in der Krisenzeit

Bucha.  Die Agrargenossenschaft Bucha bedient die wachsende Nachfrage nach Fertigprodukten und beliefert auch Senioren. Der Absatzmarkt in Gastronomie fehlt indes.

Im Hofladen der Agrargenossenschaft Bucha sind Kerstin Klingbeil-Kettwig und Claudia Zöllner für die Kunden da.

Im Hofladen der Agrargenossenschaft Bucha sind Kerstin Klingbeil-Kettwig und Claudia Zöllner für die Kunden da.

Foto: Katja Dörn

Zusammenhalten ist die Devise des Jahres. Das spürt auf mehreren Ebenen die Agrargenossenschaft Bucha. Über die Direktvermarktung werden regional produzierte Produkte in acht Filialen und an drei Verkaufsfahrzeugen an die Kunden gebracht. Caroline Kunze vom Vorstand berichtet, wie sich die Lage in der Krise entwickelt hat.

Die Agrargenossenschaft baute zuletzt die Essensauslieferung in die Dörfer aus, die besonders Senioren in Anspruch nehmen. „Wir haben auch einen Lieferservice für Kunden, die nicht rauskommen“, sagt sie. Es mache sich zudem bemerkbar, dass die Kunden verstärkt von daheim arbeiten oder Senioren auf Einkaufsfahrten verzichten und lieber den Verkaufswagen nutzten, der ins Dorf gefahren kommt.

So stieg die Nachfrage nach Fertiggerichten und Konserven bei der Agrargenossenschaft. „Wir haben extra neue Gulaschgerichte kreiert“, sagt Kunze. Zum ersten Lockdown im Frühjahr sei die Produktion kaum nachgekommen.

Gastronomie-Schließung macht sich bemerkbar

Andererseits musste der Direktvermarkter deutliche Umsatzrückgänge bei Eiern und Fleischwaren verzeichnen, da die Hauptabnehmer, die Gaststätten, geschlossen waren und wieder sind. „Aber wir können uns nicht beschweren“, sagt Kunze, andere hätten viel mehr zu kämpfen. So habe sie bereits von Gastronomen gehört, die hinschmeißen wollen. Oder die Händler, die zu den Hoffesten an Ostern und im Herbst gekommen sind: „Ich hoffe, dass wir sie nächstes Jahr wiedersehen“, sagt sie. In diesem Jahr war pandemiebedingt einfach nichts organisierbar.

Weil auch andernorts Feste und Familienfeiern ausfielen, liegt der Partyservice der Agrargenossenschaft brach. Über die Kantine könne wenigstens ein Straßenverkauf ermöglicht werden. Das freute in der Zeit, als selbst die Raststätten an der A4 geschlossen waren, Lastwagen-Fahrer und die Autobahnpolizei, die regelmäßig warme Gerichte bestellten.

Die verschiedenen Standbeine der Agrargenossenschaft helfen in der Krisenzeit: Die Köche unterstützen jetzt in der Produktion und bei der Essensauslieferung. Kurzarbeit? Darauf sei verzichtet worden. „Die Mitarbeiter haben genug Sorgen“, sagt Kunze.

Das Jahr habe den Mitarbeitern viel abgefordert, besonders den Verkäuferinnen und dem einen Verkäufer, die in den Filialen in Bucha, Jena, Weimar, Magdala und in der neuen Verkaufsstätte in Weißenborn arbeiten. Über Stunden den Mundschutz zu tragen sei anstrengend, zumal: „Man sieht keine Mimik, kein Lächeln. Das ist schwierig im Verkauf“, sagt Kunze. Die zusätzlichen Plexiglasscheiben erschwerten die Kommunikation. „Wir wollen die Auflagen einhalten, aber sie sind belastend.“

Mitarbeiter halten zu Unternehmen

Zumal es über das Jahr in der jeweiligen Kommune anders geregelt war. Während in Jena zwischenzeitlich Verkäuferinnen im Sommer durchatmen konnten, verschärfte Weimar die Maskenpflicht wieder. Auch die Kunden sind gereizt. Wenig müssten auf die Auflagen aufmerksam gemacht werden, andere sind wiederum sehr sensibel. Da werde auch mal das Amt zur Lebensmittelüberwachung angerufen, das zur Kontrolle vorbeischaut. „Das müssen wir aushalten“, sagt Kunze.

Mitarbeiterinnen mit Kindern mussten zudem den Spagat zwischen Betreuung und Arbeit stemmen, als Kitas und Schulen geschlossen waren. Notfalls wurden Filialen verkürzt geöffnet, selbst wenn das Team Mehrarbeit in Kauf nahm. „Unsere Mitarbeiter sind unwahrscheinlich loyal und einsatzbereit“, schwärmt Kunze.

Dieser Tage klingelt in den Filialen häufiger das Telefon. „Das Weihnachtsgeschäft ist verrückt wie jedes Jahr“, sagt das Vorstandsmitglied. Nur manche Kunden seien zögerlich, beispielsweise wenn es um die Weihnachtsgans geht. Bestellungen würden aufgegeben, dann wieder geändert. Kein Wunder, wissen doch viele nicht, welche Familienmitglieder zum Fest kommen.

Es ist dann wohl auch dieser Satz, den Unternehmer und Kunden gleichermaßen unterschreiben können: „Wir sind froh, wenn in vier Wochen alles geschafft ist und jeder gesund bleibt“, sagt Caroline Kunze.