Ein Jaguar Mark IV sorgt in Jena für Aufsehen

Jena  Wer schöne Autos sehen will, muss nicht unbedingt zur Automobilmesse nach Frankfurt fahren. Die gibt es in Jena auch.

Dieser Jaguar fiel am Montag am Holzmarkt auf. Als der Motor startete, klang das wahrlich nach 3,5 Liter Hubraum.

Dieser Jaguar fiel am Montag am Holzmarkt auf. Als der Motor startete, klang das wahrlich nach 3,5 Liter Hubraum.

Foto: Beier

Nicht nur bei der Automobilmesse (IAA) in Frankfurt können sich Menschen jetzt automobil ergötzen. Auch in Jena blieben Schaulustige am Montag stehen, um sich nach einem himmelblauen Jaguar umzuschauen. Es wurde handyfotografiert und gefachsimpelt, was das Zeug hält. Einen Sportwagen mit unverschämtem 3,5 Liter Hubraum sieht man nicht alle Tage. Der Wagen hatte zudem ein Jenaer Kennzeichen und war Baujahr 1948.

Sozusagen einen Logenplatz der Autobeobachtung hatte Hans Meinl, der langjährige Leiter des Zeiss-Planetariums, der auf der gegenüberliegenden Straßenseite in der „Gilde“ entspannte. Ihn bewegten diese Fragen: Warum sind die Menschen fasziniert von alten Autos, die ja so wenig dem Zeitgeist zu entsprechen scheinen? Sind es die runden, zeitlosen Formen? Oder ist es die Optik jenseits der heutigen Normen? Fest steht, so sagte Hans Meinl, dass man mit einem solchem Wagen über die Straßen „schnüre“ – anstatt damit zu fahren.

„Ich habe leider nur einen 5er BWM!“, so berichtete ein anderer Mann mittleren Alters ungefragt einer Dame. Die Frau wollte aber davon nicht hören. Sie interessierte sich vielmehr für die interessanten Anbauteile neben den Türen. Dabei handelte es sich um Winker, wie sie von dem Mann erfuhr. Winker, bitte was?

Der Winker wurde vor etwa 100 Jahren erfunden, und es handelt sich um eine mechanische Vorrichtung, die zunächst über Seilzüge und später elektromagnetisch gesteuert wurde, um den Fahrtrichtungswechsel anzuzeigen. Bevor es Winker gab, mussten Autofahrer nämlich die Hand raushalten.

Wenig später kam dann der Halter des Wagens zurück. Er wollte in der Stadt nur eine kleine Besorgung machen. Aus Datenschutzgründen soll sein Name hier nicht erscheinen. Der Mann konnte berichten, dass es sich um einen Jaguar Mark IV handelt.

Die Limousine wurde ab Herbst 1935 in England gebaut. Der Jenaer besitzt ein Nachkriegsmodell und hat dies erst kürzlich komplett überholen lassen. Besondere Vorteile habe es in Jena übrigens nicht, wenn man mit einem Oldtimer unterwegs sei. Jedenfalls gebe es keine besondere Kulanz bei Parkzeitüberschreitungen. „Du musst halt schnell sein“, sagte der Jaguarfahrer. Spitze macht der Wagen übrigens 156 Stundenkilometer. Aber so schnell fährt man mit einem Oldtimer nicht. Genau, es geht ja ums Schnüren.

Zu Protesten von Verkehrswende-Aktivisten wie am Rande der IAA kam es in Jena vorm Jaguar nicht. Es kann schon als nachhaltig gelten, ein 71 Jahre altes Auto zu fahren.

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