Ein schwerer Brand und eine dankbare Familie in Bucha

Katja Dörn
| Lesedauer: 4 Minuten
Im Obergeschoss brach der Brand in Bucha aus. Die zehnköpfige Familie Hamad verlor ihr Hab und Gut, auch die Pflegebetten der beiden schwerbehinderten Kinder wurden zerstört.

Im Obergeschoss brach der Brand in Bucha aus. Die zehnköpfige Familie Hamad verlor ihr Hab und Gut, auch die Pflegebetten der beiden schwerbehinderten Kinder wurden zerstört.

Foto: Hamad

Bucha.  Nach dem Brand in Bucha ist die Hilfsbereitschaft für die zehnköpfige Familie mit zwei schwerbehinderten Kindern groß. Eine neue Unterkunft wird noch gesucht.

Seit Mittwochabend steht das Telefon von Buchas Bürgermeister Hans-Joachim Loeper kaum still. Die Nachricht vom Brand in der Gemeinde bei Jena verbreitete sich rasch – und damit auch das Bedürfnis, helfen zu wollen.

Die zehnköpfige Familie Hamad verlor durch das Unglück ihr Zuhause, in das sie eingemietet waren. Im Obergeschoss brach das Feuer vermutlich aus und verbreitete sich rasch. Die Freiwillige Feuerwehr Bucha war innerhalb von wenigen Minuten vor Ort, das Gerätehaus liegt in Sichtweite. „Hier hat es sich gezeigt, dass die Ausbildung das A und O ist“, sagt Ortsbrandmeister Sven Rohkrämer. Seine Mannschaft sei gut im Training, schon nach einer Viertelstunde seien die Flammen gelöscht gewesen. Dennoch ist der Schaden hoch. Die Kinderzimmer im Obergeschoss sind zerstört, der restliche Teil des Hauses vom Löschwasser gezeichnet.

Ein Schock? Bei der Flucht aus dem Irak viel Schlimmeres erlebt

Familie Hamad ist froh, dass alle wohlbehalten heraus kamen. Die Eltern und ihre acht Kinder, darunter zwei Schwerbehinderte, möchten sich ungern in die Öffentlichkeit drängen, die Aufmerksamkeit ist ihnen sichtlich unangenehm. Die Hamads flüchteten 2016 aus dem Irak und wohnen seit 2017 in Bucha. Sie arbeiten in der Region, gehen zur Schule, machen Abitur und hätten viele Freunde gefunden, die sich keine Sorgen machen sollen. Daher wollen sie lieber nicht mit Bild und vollständigen Namen in der Zeitung erscheinen. War der Brand nicht ein Schock für sie? „Wir haben viel Schlimmeres erlebt, im Irak und bei der Flucht“, sagt ein Sohn, ohne ins Detail gehen zu wollen. „Schreiben Sie, wie viele Dorfbewohner uns geholfen haben und dass alle bereit sind, weitere Hilfe zu bieten.“

Schwerbehinderten Kinder benötigen Pflegebetten

Das bestätigt auch Gudrun Loeper, die Ehefrau des Bürgermeisters. Schon am Mittwochabend seien Menschen gekommen und hätten Beutel mit Sachen abgegeben. Der Saal des Gemeindehauses konnte schnell als Notunterkunft hergerichtet werden, doch auf Dauer ist der Raum zu klein für zehn Personen, ein richtiges Bad fehlt und die beiden schwerbehinderten Kinder benötigen Pflegebetten.

Eine kurzfristig organisierte Besichtigung in einem Betreuten Wohnen in Jena-Winzerla zerschlug sich am Freitagmittag. Womöglich könnten ein Teil der Familie in Magdala unterkommen, der Zugang ist aber nicht behindertengerecht. Ein Buchaer offeriert eine Unterkunft für drei Personen. Auch Freunde der jüngsten Geschwister, die in Jena zur Schule gehen, bieten sich an.

Spenden gehen über Verwaltungsgemeinschaft ein

Die Gemeinde hat nun rasch ein Spendenkonto über die Verwaltungsgemeinschaft einrichten lassen. Materielle Spenden benötigen sie jetzt nicht, sagt die Mutter der Familie. Sie wüssten gar nicht, wohin mit Möbeln und anderem. Am Montag komme ein Mitarbeiter ihrer Versicherung für die Begutachtung des Schaden. Über die Versicherung könnten sie für 100 Tage 100 Euro am Tag erhalten, um eine Unterkunft zu bezahlen. Aber das reiche nicht, um alle zehn Familienmitglieder in einer Pension oder einem Hotel unterzubringen, erzählt ein Sohn.

Die Gemeinde sucht nun weiter nach einer passenden Unterkunft, die besonders für die schwerbehinderten Familienmitglieder im Rollstuhl geeignet ist. Der Wunsch der Hamads ist es, in Zukunft wieder eine feste Bleibe in Bucha zu erhalten. Hier haben sie sich eingelebt.

Wer eine Unterkunft, die behindertengerecht erreichbar ist, anbieten kann, meldet sich beim Bürgermeister unter hjloeper@web.de. Das Spendenkonto: Verwaltungsgemeinschaft Südliches Saaletal, IBAN DE 4112 0300 0000 0100 2278, Verwendungszweck: Wohnungsbrand Bucha Nr. 10

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