Einstige Geisterkulisse grämt noch immer – FCC-Fans wollen Europapokal-Endspiel nachfeiern

Jena  Fans des Fußball-Drittligisten FC Carl Zeiss Jena wollen beim Auswärtsspiel gegen Uerdingen in Düsseldorf das Finale von 1981 nachfeiern. Für Ex-Stürmer Jürgen Raab eine gute Idee, doch er kritisiert die Klubführung.

Der FC Carl Zeiss Jena und Dinamo Tiflis laufen 1981 im Düsseldorfer Rheinstadion zum Endspiel im Europapokal der Pokalsieger auf. Das Spiel stieß nur auf geringes Interesse.

Der FC Carl Zeiss Jena und Dinamo Tiflis laufen 1981 im Düsseldorfer Rheinstadion zum Endspiel im Europapokal der Pokalsieger auf. Das Spiel stieß nur auf geringes Interesse.

Foto: imago sportfotodienst/Eissner

Die Fans des FC Carl Zeiss Jena wollen das Auswärtsspiel gegen den KFC Uerdingen in Düsseldorf zum Heimspiel machen und 38 Jahre nach dem Europapokal-Endspiel nachfeiern. Eine gute Idee, findet Jürgen Raab, der damals für Jena stürmte. Allerdings spart der Alt-Internationale nicht mit Kritik am Club.

Das Endspiel fand damals im Rheinstadion statt, doch nur 1000 handverlesene Anhänger – viele von ihnen waren zuvor nie im Stadion gesehen worden – durften in einem Sonderzug mit zum Finale fahren. Im weiten Rund verloren sich 8000 Zuschauer. „Damals waren wir darauf fokussiert, den Europacup zu holen“, sagt Jürgen Raab. So richtig sei die Enttäuschung über die Geisterkulisse erst später hochgekommen. „Wenn man sieht, welche Resonanz solche Endspiele heute finden und wie sie gefeiert werden, macht einen das damalige Geschehen traurig“, sagt der 60-Jährige.

Fortuna Düsseldorf war 1981 im Halbfinale ausgeschieden. „Die bundesdeutsche Presse hat das Spiel zweier Teams aus dem Ostblock madig gemacht und damit viele Zuschauer vom Besuch abgehalten“, sagt Raab. Die Spieler selbst durften weder ihre Frau noch Bekannte mit zu der Partie nehmen, die nach der Jenaer Führung durch Gerhardt Hoppe noch verloren ging. „Wir hätten das Ergebnis sichern sollen“, sagte der Verteidiger rückblickend. Mit 2:1 gewann Dinamo Tiflis – die Spieler reckten den Pokal vor leeren Rängen in die Höhe, während die Jenaer mit gesenkten Köpfen das Stadion verließen.

Der Südkurvenrat will deshalb das Endspiel beim Spiel gegen Uerdingen in der Arena, die an der Stelle des alten Rheinstadions steht, nachfeiern. Ziel war, einen kompletten Oberrang zu füllen. Mit jeder Niederlage habe sich die Zahl der Interessenten um 300 Leute reduziert, so dass die aktiven Fans nun mit 1000 bis 1200 Zeiss-Fans rechnen. Treff für den gemeinsamen Marsch zum Stadion sei am Samstag um 9.30 Uhr im Rheinpark Golzheim in Düsseldorf. Man wolle die Partie entkoppelt vom Tabellenstand sehen, dennoch ein Heimspiel daraus machen und hoffentlich drei Punkte holen.

„Sicherlich kann der FCC gegen Uerdingen etwas mitnehmen“, sagt Jürgen Raab. Insgesamt sieht er die Lage aber als recht aussichtslos an. „Zu 99,9 Prozent steigen wir ab“, sagt der frühere Stürmer und spätere Zeiss-Trainer, der sich die Heimspiele im Stadion anschaut. „Sollte der Klassenerhalt noch gelingen, wäre das ein Wunder und eine Riesenleistung von Mannschaft und Trainerteam.“ Er betrachtet vor allem die Heimbilanz mit Sorge. Zwei von 18 möglichen Punkten hat das Team geholt. „Die Mannschaft hat bis zum Winter nicht die Qualität, fünf Spiele in Folge zu gewinnen. Das ist nicht dem heutigen Trainer anzulasten“, sagt Raab und kritisiert sowohl die Kaderzusammenstellung als auch das mangelhafte Konditionstraining in der Sommerpause. Speziell offensiv fehle die Qualität, weil gute Spieler abgegeben, aber nicht entsprechende Fußballer neu verpflichtet worden seien. Das Abschieben der Brügmann-Brüder könne er nicht nachvollziehen.

Dennoch müsse das jetzige Team das Beste daraus machen. „Einer muss für den anderen da sein, um das Unmögliche zu schaffen. Abschenken ist trotz der schwierigen Ausgangslage keine Option“, sagt Raab.

Als Erinnerung ans Endspiel veröffentlichen wir in der OTZ-Ausgabe am Donnerstag, 23. Oktober, ein Poster zum Finale in Düsseldorf.

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