Exklusivinterview mit Investor: Wie rechnet sich die Jenaer Fußball-Arena?

Jena.  Der Unternehmer Lars Eberlein spricht über seine Pläne mit dem neuen Stadion vom FC Carl Zeiss Jena über einen Biergarten bis zum Autokino. Er wünscht sich einen Kompromiss mit den Fans der Südkurve.

Chris Förster (Geschäftsführer FC Carl Zeiss Jena), Lars Eberlein als erfolgreicher Bieter, Oberbürgermeister Thomas Nitzsche und FCC-Präsident Klaus Berka (von links) mit dem Modell des neuen Stadion.

Chris Förster (Geschäftsführer FC Carl Zeiss Jena), Lars Eberlein als erfolgreicher Bieter, Oberbürgermeister Thomas Nitzsche und FCC-Präsident Klaus Berka (von links) mit dem Modell des neuen Stadion.

Foto: Tino Zippel

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Lars Eberlein führt die Jen­arena KG. Sie gehört dem erfolgreichen Konsortium für Bau und Betrieb der Fußball-Arena in Jena an. Im Exklusivinterview haben wir mit ihm über das ehrgeizige Bauprojekt in Jena gesprochen.

Warum engagieren Sie sich als Chef der Basketballer von Science City Jena für ein Fußballstadion?

Mein Leben lang habe ich Fußball gespielt. Meine Unternehmensgruppe gehört seit vielen Jahren zu den Sponsoren des FC Carl Zeiss Jena. Persönlich bin ich Mitglied auf Lebenszeit. Science City bleibt trotzdem eine Herzensangelegenheit. Aber in gewisser Weise schließt sich mit dem Engagement ein Kreis.

Welcher?

Im VIP-Raum des FCC haben wir, eine Gruppe Jenaer Unternehmer, einst die Jenarena KG gegründet, um für die Basketballer eine Halle zu bauen. Über Mietschulden von Science City bin ich in die Rolle als Geschäftsführer gekommen: Ich war gegen eine Insolvenz und habe auf ehrenamtlicher Basis geholfen, den Club auf gesunde Füße zu stellen und die Mietschulden zurückzuzahlen. So bin ich beim Basketball, einer tollen Sportart, hängen geblieben.

Lastet Sie das nicht aus oder warum wagen Sie ein Stadionprojekt?

Das Hin und Her um ein Stadion im Paradies, in Lobeda-Ost oder gar in Nohra zusammen mit Rot-Weiß Erfurt hat mich seinerzeit gestört. Damals habe ich zu Oberbürgermeister Albrecht Schröter gesagt: Baut endlich die Arena oder sagt das Projekt ab. Ich habe vorgeschlagen, es in einem ähnlichen Modell einer öffentlich-privaten Partnerschaft anzugehen wie die Sparkassen-Arena.

Wie haben Sie Roland Duchatelet, den Anteilseigner des FC Carl Zeiss, ins Boot geholt?

Wir haben uns vor einigen Jahren getroffen, ich habe mich kurz vorgestellt. Nach nur fünf Minuten hat er das Eis gebrochen und gesagt, dass wir zusammen das Stadion bauen. Keine Multifunktionsarena, kein Hotel, sondern eine feine Fußballarena nach Wunsch des Umfeldes. Die neue rot-rot-grüne Landesregierung favorisierte jedoch einen anderen Weg, dass das Stadion Eigentum der Stadt bleibt. So ist das heutige Konstrukt entstanden. Roland Duchatelet und wir waren sofort einig, uns trotzdem zu bewerben.

Wie anstrengend war das Ausschreibungsverfahren?

Äußerst kompliziert. Ausgeschrieben ist ein klassischer Vertrag als Generalübernehmer, das Stadion mit einer eigenen Gesellschaft zu bauen. Ausgeschrieben war zudem die Betreibung über 25 Jahre in einer anderen Gesellschaft mit städtischem Teilbesitz.

Wie lautet Ihr Finanzkonzept?

Unsere Kernfrage war: Wie bauen wir ein Stadion, das bezahlbar in der Betreibung ist, die Drittvermarktung gewährleistet und letztlich dem Fußballclub optimale Bedingungen zu minimalen Kosten bietet. Auch wenn die Mieten bereits durch Stadt und FC Carl Zeiss im Vorfeld des Verfahrens festgelegt wurden, müssen wir einen Weg finden, dass der FCC am Ende auch wirtschaftlich der Gewinner ist. Wir kennen kritische Beispiele aus Erfurt, Chemnitz oder Dresden und wollten deshalb ein Modell wählen, das langfristig dem Fußball richtig helfen kann. Wir können das Stadion mit der Sparkassen-Arena gemeinsam sehr effizient betreiben.

Warum lohnt sich das?

Das Betreiberkonzept ist sehr ähnlich, es gibt viele Synergien. Die Sparkassen-Arena wirbt mehr Veranstaltungen für den Winter ein, das Stadion für den Sommer. Wir haben bei Veranstaltungen den gleichen Kundenkreis.

Nehmen sich beide Veranstaltungsstätten nichts weg?

Nein, im Gegenteil. In Summe werden wir durch beide Arenen mehr Veranstaltungen haben als durch eine allein. Es ist nicht schlimm, wenn die Sparkassen-Arena zehn Veranstaltungen einbüßt, davon aber das Stadion profitiert. Letztlich müssen von den Erlösen dieselben Mitarbeiter bezahlt werden. Wir werden aber flexibler, weil wir dann auch Veranstaltungen mittlerer Größe mit 400 bis 800 Besuchern besser abdecken können. Das ist eine Marktlücke in Jena.

Planen Sie Großkonzerte im Stadion?

Utopisch ist, auf vier Großkonzerte pro Jahr in einer kleinen Stadt wie Jena zu hoffen. Ein solches Konzert braucht 10.000 bis 20.000 Besucher. Unser Plan sieht alle zwei Jahre ein Großkonzert vor.

Steht das Stadion nicht die meisten Tage ungenutzt im Paradies?

Das wollen wir ändern. Wir prüfen verschiedene Ideen: einen Biergarten in Saalenähe oder ein Autokino mit der Leinwand in der Glasfassade des VIP-Bereiches.

Welcher architektonischen Grundidee folgt Ihr Konsortium?

Viele Eckpunkte waren durch die Leistungsbeschreibung der Stadt und die Kriterien der Deutschen Fußball Liga festgelegt. Wir haben lange überlegt, ob wir vier Seiten neu bauen. Angesichts der Nachhaltigkeitsdebatte wäre es Frevel gewesen, die intakte Tribüne wegzureißen. Die Struktur des Daches wird so aussehen, als wären vier Seiten neu gebaut. Wir möchten ein steiles, enges, komplett überdachtes Stadion bieten, in dem die Besucher möglichst nah am Spielfeldrand sitzen. Den Rasen wollten wir an die Westtribüne rücken, das wurde bisher von der Stadt abgelehnt. Wir behalten uns deren Abriss für einen späteren Zeitpunkt vor, je nach sportlicher Entwicklung.

Haben Sie die Wünsche der Fans berücksichtigt?

Wir haben versucht, deren Vorgaben einzuarbeiten. Das Problem ist, dass wir nicht offiziell mit Fans und FC Carl Zeiss sprechen durften. Meine größte Bitte ist, das nach dem Zuschlag möglichst schnell zu ändern. Wir möchten gern gemeinsam Feintuning betreiben. Am Ende sollten sich möglichst alle mit dem neuen Stadion identifizieren.

Emotional war die Debatte, dass die Heimfans aus der Südkurve auf die Nordtribüne ziehen sollen. Lässt sich eine versöhnliche Lösung finden?

Die Stadt hat klar entschieden, dass die Nordtribüne die Heimtribüne werden soll. Wir durften nichts anderes anbieten, das ist im Verfahren klar geregelt. Wir sind für alles offen, wenn die Stadt und der Fußballclub das nun anders wollen. Ich wünsche mir, dass es einen guten Kompromiss mit den Fans gibt.

Welche Partner sind beim Bau involviert?

Hinter uns stehen drei Planungs­büros, zwei Baugesellschaften und zwei technische Gesellschaften, allesamt aus Jena. Das Geld soll in der Region bleiben. Wir streben eine offene Kalkulation aller Beteiligten an, planen komplett gemeinsam mit dem Ziel, sehr effizient zu bauen. Allen Beteiligten ist klar, dass dieses Projekt kein Gewinnprojekt werden kann. Es muss ein Beitrag für unsere Region werden. Das Modell hat schon bei der Sparkassen-Arena sehr gut funktioniert.

Wieviel kostet der Stadionbau?

Der Baukörper und die Außenanlagen mit mehreren Trainingsplätzen, Umbau des Amateurstadions und Bau der Parkplätze sind mit 34 Millionen Euro veranschlagt. Hinzu kommen Kosten fürs Inventar, die in der Betreibergesellschaft liegen.

Die Baukosten steigen rapide. Wie haben Sie sich abgesichert?

Das ist unser Beruf und täglich Brot. Wir haben mögliche Mehrkosten und Preissteigerungen in unserem Preis berücksichtigt.

Wann rollen die Bagger an?

Wir hoffen, Anfang 2020 die finalen Verträge zu unterschreiben. Wir müssen die Planungen abschließen und die Bauanträge stellen. Ziel ist, nächstes Jahr die Nordkurve wegzureißen und schnellstmöglich den Bau zu beginnen – das liegt aber nicht allein an uns. Wir unterstellen, dass der FCC die Klasse hält. Dann findet der Bau in drei Teilabschnitten statt, weil Mindestkapazitäten einzuhalten sind. Deshalb ist die Bauzeit auf drei Jahre angesetzt.

Geht es schneller beim Abstieg?

Das ist durchaus möglich, weil wir weniger Kapazität während des Baus vorhalten brauchten. Allerdings müsste dann das Ziel stehen, spätestens im Jahr der Eröffnung die Rückkehr in die dritte Liga geschafft zu haben. Langfristig wäre es schön, wenn der FC Carl Zeiss in die zweite Liga aufsteigt und Science City in die erste Liga (lacht).

Gibt es Synergien unter den Clubs?

Ja, die können beiden helfen. Wir verstehen uns sehr gut untereinander und sehen uns keinesfalls als Mitbewerber. Wenn wir zusammenhalten, müssen nur noch die zwei großen Unternehmen Jenas mitmachen und wir könnten auf lange Sicht in beiden Sportarten erfolgreichen Profisport in Jena haben.

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