FC Carl Zeiss Jena: Sportarzt warnt vor Pflichtspielen ohne Mannschaftstraining

Jena.  Der Mannschaftsarzt des FC Carl Zeiss Jena, Stefan Pietsch von den Waldkliniken Eisenberg, kritisiert die DFB-Pläne, Mammutprogramm mit Minivorbereitung in der dritten Liga zu absolvieren.

Mannschaftsarzt Stefan Pietsch in Schutzkleidung, wie sie bei Corona-Tests notwendig ist.

Mannschaftsarzt Stefan Pietsch in Schutzkleidung, wie sie bei Corona-Tests notwendig ist.

Foto: Tino Zippel

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Stefan Pietsch steigt in einen Schutzanzug und setzt die Maske nebst Schutzschild auf. Der Teamarzt des FC Carl Zeiss Jena bittet die Profis am Mittwoch zum Corona-Test. Der Ausrüstung wirkt wie ein Panzer im Vergleich zum einfachen Mund-Nasen-Schutz, den ein Betreuer des Bundesligisten Hertha BSC im Kalou-Video trägt, als er einen Abstrich nimmt.

Mannschaftsarzt musste Covid-19-Patienten behandeln

„Der Abstrich kann Würgereize auslösen, so dass ein richtiger Schutz nötig ist“, sagt Pietsch, der neben dem Ehrenamt in Jena als Orthopäde in den Waldkliniken Eisenberg arbeitet. Dort musste er in den vergangenen Wochen auch Covid-19-Patienten behandeln, denen es schlecht ging. „Durch eine gemeinsame Kraftanstrengung ist es uns allen gelungen, die Infektionszahlen zu senken“, sagt Pietsch und lobt die Bürger für ihre Mithilfe. „Die Gesundheitsämter lagen mit unpopulären Maßnahmen richtig.“

„Fußball fühlt sich in solchen Momenten unwichtig an“

Die Bilder von der Arbeit erden den Mediziner und lassen die Diskussionen um die Fortführung der dritten Liga nebensächlich wirken. „Fußball fühlt sich in solchen Momenten unwichtig an“, sagt Pietsch. Der promovierte Sportmediziner sieht die Pläne des Deutschen Fußball-Bundes kritisch, schon in der nächsten Woche die ersten Spiele anzusetzen. Eine Mannschaft wie der FC Carl Zeiss darf bis dahin kein Mannschaftstraining absolvieren.

Für diese Verletzungen steigt das Risiko

„Die Vorbereitungszeiten sind deutlich kürzer als in Sommer- und Winterpause. Dabei war die Auszeit zuvor deutlich länger“, sagt Pietsch. Das Risiko für Verletzungen an Knie, Sprunggelenk und Muskeln steige. „Wir betreiben eine sehr intensive Verletzungsprophylaxe, indem wir den Trainingsaufbau und Trainingsinhalte koordinieren“, sagt der Mediziner, der den Kreisliga-Effekt befürchtet. So beobachtet das Spezialzentrum in Eisenberg immer zum Saisonstart in den unteren Ligen eine Häufung von schweren Sportverletzungen, deren Ursache auch in unzureichender Vorbereitungszeit liegt.

Das Problem sei aus seiner Sicht die Belastung vor allem in den letzten Minuten der Halbzeiten, in denen statistisch betrachtet die meisten schweren Verletzungen passieren. „Ursache ist die Ermüdung“, sagt Pietsch.

Die Grundlagenausdauer bei den Jenaer Spielern sollte je nach persönlichem Einsatz während der Auszeit stimmen. „Koordinatives Training und Intensivtraining fehlen hingegen“, sagt Pietsch. Genau wie Sportart-spezifische Reize, die wichtig für die Verletzungsprophylaxe seien. „Es ist nicht verantwortungsbewusst, die Spieler mit nur ein bis zwei Wochen Mannschaftstraining in fünf englische Wochen zu schicken.“

Die Ergebnisse des Corona-Tests bei den Jenaer Spielern sollen am Freitag vorliegen.

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