FDP trifft auf Umweltschutz: Grün und Gelb bei Vacom in Großlöbichau

Großlöbichau  Umwelt-Staatssekretär Olaf Möller (Grüne) zu Gast bei Vacom, wo Gründerin Ute Bergner, die für die FDP in den Landtag will, viel Erfahrung mit Nachhaltigkeit hat.

Wahlkampf außen vor: Olaf Möller, Landtagskandidat der Grünen aus dem SHK und Staatssekretär im Umweltministerium, lässt sich von Ute Bergner, Kandidatin der FDP in Jena, in ihrem Unternehmen Vacom erklären, was dort an nachhaltigen Maßnahmen auf den Weg gebracht wurde.

Wahlkampf außen vor: Olaf Möller, Landtagskandidat der Grünen aus dem SHK und Staatssekretär im Umweltministerium, lässt sich von Ute Bergner, Kandidatin der FDP in Jena, in ihrem Unternehmen Vacom erklären, was dort an nachhaltigen Maßnahmen auf den Weg gebracht wurde.

Foto: Florian Girwert

Dass mitten im Wahlkampf Grüne und FDP mal ganz sachlich über Zukunftsfragen debattieren, ist keine Selbstverständlichkeit. Doch in der Firma der Jenaer FDP-Kandidatin Ute Bergner hat sich in den vergangenen Jahren viel getan bei der Nutzung erneuerbarer Energien oder Ressourcen-Schonung. Das interessiert auch Olaf Möller, Staatssekretär im Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz – und Direktkandidat der Grünen im Saale-Holzland.

Bergner zählt auf, was alles getan wird: Erdwärme-Nutzung, auf den Dächern sind Solaranlagen verbaut, beim jüngsten Hallen-Neubau setzt man statt auf stromhungrige Klimaanlagen lieber auf Betonkernaktivierung und lüftet die Hallen nachts durch. „Dann kommen wir bei 35 oder 38 Grad Außentemperatur in der Halle auf vielleicht 26 Grad“, berichtet Bergner.

Dass die Politik immer wieder mit Regeln dazwischenfunkt, die aus ihrer Sicht überflüssig sind, würde sich Bergner anders wünschen. Etwa, dass sie einen Teil des Solarstroms von einem älteren Dach nicht selbst nutzen darf, sondern ins Netz einspeisen muss. Oder dass sie für den selbst genutzten Strom vom neuen Solardach EEG-Umlage zahlen soll, um damit die Netzstabilität zu finanzieren – obwohl 80 Prozent Eigenbedarf sind. „Das animiert nicht, es nachzumachen.“ Wegen der Umlage steige die Zeit, bis sich die Investition in die Anlage gelohnt hat, von viereinhalb Jahren zu sehr an.

Bergner mahnt, man dürfe technische Lösungen rund um den Klimawandel nicht ausklammern. Bei der Schüler-Bewegung Fridays for Future sieht sie zu viele „Technikhasser“ am Werk, die kaum wüssten, dass Bäume zum Wachsen sogar CO2 bräuchten. Und Bäume sind Bergner ein wichtiges Anliegen – neben der neuen Werkhalle soll demnächst eine Allee entstehen. Das harsche Urteil über die Schülerdemos findet Möller nicht fair – man dürfe die Bewegung nicht so über einen Kamm scheren. Es gebe nicht nur eine Lösung in Gestalt technischen Fortschritts. Etwa bei Mobilität auf dem Land dürften sich Fortschritte langfristig nicht auf Technik beschränken. „Wenn jemand 50 Kilometer zur Arbeit pendeln muss, müssen immer noch 50 Kilometer Weg überwunden werden.“ Nahverkehr sei das eine – aber auch die Distanz zwischen Wohnung und Job müsse kürzer werden, etwa durch Ansiedlungen auf dem Land. Die gleichzeitige Erhöhung von Pendlerpauschale und Benzinpreis durch die CO2-Steuer sei eine „Schnapsidee“, finden beide Kandidaten.

Sie stimmen überein, dass manchmal etwas mehr Vertrauen angezeigt sei als Kontrolle. Mitunter sei die Bürokratie etwa bei Herkunftsnachweisen so aufwendig, dass man einem sinnvollen Anliegen schadet. Mitunter schieße Regulierung übers Ziel hinaus: „Wenn der Catering-Dienst meiner Frau gekochte Nudeln im Kühlschrank aufbewahrt, darf er am nächsten Tag Auflauf daraus machen. Aber an meine Schweine darf ich sie nicht verfüttern.“

Man kommt überein, dass gute Beispiele wie aus Großlöbichau Vorbild sein könnten. Sie bekannt zu machen, daran wollen beide arbeiten – unabhängig vom Parteibuch.

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