Hieß Jena einst Bicurgium?

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Blick vom Landgrafen auf den Campus am Ernst-Abbe-Platz während der Langen Nacht der Wissenschaft im Jahr 2020 in Jena.

Blick vom Landgrafen auf den Campus am Ernst-Abbe-Platz während der Langen Nacht der Wissenschaft im Jahr 2020 in Jena.

Foto: Tino Zippel / Archiv

Jena.  Jena für Klugscheißer (1): Bereits die alten Griechen kannten die Stadt.

Wer die Lage eines Ortes exakt angeben möchte, kann es sich einfach machen. Die Koordinaten lassen sich dank GPS-Geräten bestimmen. Bereits vor rund 1900 Jahren gab es so etwas wie Google Earth – allerdings nicht digital.

Um das Jahr 150 verfasste Claudius Ptolemäus die „Geographike Hyphegesis“. In diesem Atlas wies der Grieche etwa 8000 Orte auf Erden aus. Sogar Koordinaten gab er an. Hat Ptolemäus damals auch Jena erwähnt?

Sicher ist, dass er nie in Germanien geweilt hatte. Er stützte sich für seinen Atlas auf Reiseberichte von Kaufleuten sowie auf Angaben römischer Landvermesser. All diese Informationen übertrug er auf die Kugelgestalt der Erde. Sogar Längen- und Breitenangaben vermerkte er. Etwa für die Stadt Bicurgium. Sie verortete der Grieche auf dem Längengrad 34° 30’ und dem Breitengrad 51° 15’.

Sein Nullmeridian verlief allerdings nicht wie heute durch Greenwich, sondern durch die kanarische Insel El Hierro.

Der ultimative Beweis fehlt

Generationen von Wissenschaftlern versuchten, Ptolomäus‘ Angaben heutigen Orten zuzuordnen. Das gelang vielerorts, aber nur selten im alten Germanien. Dabei machte vor allem zu schaffen, dass der Grieche den Erdumfang viel zu klein berechnet hatte. Deshalb lassen sich seine Koordinaten nicht ohne weiteres ins heutige Gradnetz übertragen.

Dann aber traten deutsche Kartografen im Jahr 2010 an die Öffentlichkeit. Sie wiesen den alten Daten heutige Ortsnamen zu – auch Jena. Bei Ptolemäus hieß die Stadt noch Bicurgium. Sie liegt auf halbem Wege zwischen Canduum (Eisenach) und Aregelia (Leipzig). Ist mit Bicurgium wirklich Jena gemeint? Der ultimative Beweis steht aus. Keines der damals in Germanien lebenden Völker hat sein Dasein in Schriftform überliefert.

Noch mehr Klugscheißer-Geschichten versammelt das Buch „Jena für Klugscheißer – populäre Irrtümer und andere Wahrheiten“ von Mirko Krüger. Es hat 104 Seiten und kostet 14,95 Euro. Erhältlich ist es im Buchhandel sowie im Lesershop dieser Zeitung unter lesershop-thueringen.de