Hoffnung, Frust und viel Arbeit: Jenaer Händler berichten

Jena  Seit Montag können Waren direkt am Laden abgeholt werden – wir fragten nach, was das bringt

Peggy Bartholomè ist Geschäftsführerin des Spielzeugladens "SpielSchlau" in Jena, auch hier ist Abholung seit vergangenem Montag möglich.

Peggy Bartholomè ist Geschäftsführerin des Spielzeugladens "SpielSchlau" in Jena, auch hier ist Abholung seit vergangenem Montag möglich.

Foto: Jördis Bachmann

Spielzeug, Hundefutter oder Blumen - bestellen und am Laden abholen, das ist seit Montag auch in Jena möglich. Die Händler haben sich dazu einiges einfallen lassen. Doch eine echte Umsatzrettung ist das sogenannte „click&collect“ für die meisten nicht. Viel Arbeitsaufwand für wenig Umsatz sei es, hört man von den Befragten. Es gehe mehr um Kundenbindung als um finanzielle Aspekte.

„Wir hoffen darauf, dass durch den Online-Verkauf und durch die Abholung im Laden wenigstens zehn Prozent unseres gewöhnlichen Umsatzes reinkommen“, sagt Peggy Bartholomé. Sie ist Geschäftsführerin im Spieleladen „SpielSchlau“ am Teichgraben. Beratung bietet „SpielSchlau“ jetzt telefonisch und per Videochat an. „Ich laufe auch mal mit dem Telefon durch den Laden und zeige den Leuten, was so da ist oder mache Fotos von den Spielzeugen. So können sich unsere Kunden via Telefon ein Bild machen. Frustrierend ist es, dass es noch immer Läden gibt, in denen Spielzeug angeboten wird und vor Ort gekauft werden kann.“ Vor allem über eine große Drogerie mit offener Spielwarenabteilung ärgere man sich. „Das führt dazu, dass sich Händler ungerecht behandelt fühlen“, sagt Peggy Bartholomé.

Beim Baumarkt wächst die Nachfrage

Auch Karola Scherf, Geschäftsführerin des Jenaer Stoffladens „Stoff und Design“ gegenüber von „SpielSchlau“ bietet den Abholservice und telefonische Beratung an. „Wir hoffen, damit unsere Stammkunden halten zu können.“ In Anspruch genommen werde das Angebot aber doch eher sporadisch.

Anders klingt es, fragt man im Baumarkt nach. Sandro Rindfleisch ist Marktleiter im Jenaer Obi und freut sich über zunehmende Abholungen. „Wir merken, dass bei den Kunden der Bedarf da war – gerade im Bereich Tiernahrung oder Brennstoffe, gibt es viele Anfragen.“

Auch die Jenaer Floristen bieten die Abholung am Laden an. „Dadurch, dass wir Blumen ohnehin bereits mit Fleurop verschickt haben, traf es uns nicht so hart. Andere Blumenhändler sind dagegen sehr betroffen“, sagt Jasmin Link vom Blumenladen „Ambiente“. Über telefonische Vorbestellungen könnten nun beispielsweise Geburtstagssträuße oder Trauergestecke direkt am Laden abgeholt werden. Sie wünsche sich, dass die Kunden weiter zu ihren Blumenhändlern des Vertrauens gehen. „Es ärgert uns, dass in einem Jenaer Supermarkt jetzt Blumen von Floristen angeboten werden und auch vor Ort gebunden werden. Das ist kein fairer Wettbewerb“, sagt sie.

Sich online gut aufzustellen, hilft

Deutlich zeigte sich bei der Stichproben-Umfrage, dass Händler, die bereits vor der Pandemie online gut aufgestellt waren, einen Vorteil genießen. Dieter Hartendorf, Filialleiter der Thalia Buchhandlung sagt: „In den Thüringer Buchhandlungen können Kunden bestellte Ware bereits seit Beginn des jüngsten Lockdowns direkt am Laden abholen. Das wird bei uns sehr gut genutzt. Wir sehen den Laden und den Online-Verkauf als eine Einheit. Da muss man einfach mit dem Kunden gehen.“

Aber ist so ein Onlineangebot für kleine, lokale Läden überhaupt umsetzbar - ist Logistik und Versand zu meistern? „Ja, ich denke schon, dass das auch für kleine Läden eine Option ist. Man kann den Versand auch auslagern oder sich größeren Shops anschließen“, sagt Hartendorf.

Swen Gottschalk, Geschäftsführer des Modeladens "Del Corazon" gibt Hartendorf da zwar recht, sagt aber: „Ja, vermutlich können auch kleine Läden sich online besser aufstellen, aber für mich geht da die Emotion verloren und natürlich lässt sich das nicht in kurzer Zeit umsetzen.“ Bei Mode sehe das Ganze ohnehin noch etwas anders aus. Auch im "Del Corazon" biete man Bestellung und Abholung zwar an, aber Mode müsse eben anprobiert werden und das sei gerade nicht möglich. Aufwand und Nutzen ständen außerdem in keinem sinnvollen Verhältnis.