Inselplatz 9a in Jena: Bewohner schauen Ausweich-Immobilien an

Jena  Kommt nun das letzte Hemmnis für den Uni-Campus-Neubau in Jena jetzt aus der Welt?

Vom Parkdeck-Dach der Schillerpassage auf den Inselplatz geschaut: In der Bildmitte durch Baumgrün halb verdeckt steht das Haus Inselplatz 9a, das der Bebauung mit einem Uni-Campus immer noch im Wege ist.

Vom Parkdeck-Dach der Schillerpassage auf den Inselplatz geschaut: In der Bildmitte durch Baumgrün halb verdeckt steht das Haus Inselplatz 9a, das der Bebauung mit einem Uni-Campus immer noch im Wege ist.

Foto: Thomas Stridde

Morgen, Leute, wird‘s was geben: Der Freistaat Thüringen hat die Besichtigung zweier Ausweichstandorte für die Bewohner des Hauses Inselplatz 9a auf Dienstagfrüh angesetzt.

Der Inselplatz 9a steht dem Uni-Campus-Neubau im Weg, der nächstes Jahr gestartet werden soll. Nur war aus dem schon für Juli dieses Jahres geplanten Abriss des landeseigenen Gebäudes Inselplatz 9a nichts geworden, weil die jungen Bewohner als Mieter juristischen Widerspruch gegen die Räumungsklage des Freistaats angekündigt hatten. Seit über acht Jahren wird auf der „Insel“, wie das Haus in der Szene heißt, ein privat organisiertes Soziokultur- und Wohnprojekt betrieben mit Konzerten, Gesprächsrunden, Ausstellungen, Partys.

Klage könnte den Neubau ausbremsen

Somit droht immer noch schier Unglaubliches: Standard-Fristen für Verfahren wie die Klage gegen eine Räumung von einem Jahr und mehr hergenommen, könnte der 110-Millionen-Neubau ausgebremst werden, zumal an der Einhaltung des Bauzeiten-Planes der Zufluss erheblicher Fördermittel hängt.

Unterdessen haben die „Insulaner“ immer wieder gegen den unberechtigten Vorwurf zu kämpfen, sie seien Hausbesetzer. Tatsächlich haben sie stets Miete gezahlt und wollen dies auch weiter tun.

Stefan Krauß, der Sprecher des Wissenschaftsministeriums, bestätigte gegenüber unserer Zeitung: Am Dienstag sollen ein Gebäude in der Naumburger Straße 198 (Landesanstalt für Landwirtschaft) und das ehemalige viergeschossige Laborgebäude der früheren Uni-Kinderklinik in der Kochstraße 3 von allen Beteiligten in Augenschein genommen werden. „Wegschenken würden wir nichts“, sagte Krauß. Hier gehe es natürlich um eine befristete Nutzung. „Es ist das vierte Angebot von Landesseite.“

Aus einer Jenaer Quelle, die in diesem Zusammenhang nicht genannt sein will, war zu hören, dass es in der Angelegenheit „Inselplatz 9a“ zwischen den beiden beteiligten Ministerien für Infrastruktur und für Wissenschaft heftigen Streit gegeben haben muss. Im Konsens danach soll die Bitte an die Stadt Jena ergangen sein, rund um eine womöglich zu erwerbende Immobilie das Gespräch mit dem Freistaat herzustellen.

Bürgermeister und Stadtentwicklungsdezernent Christian Gerlitz (SPD) bestätigte auf Anfrage unserer Zeitung, dass es dabei um die aus privater Hand lange zum Verkauf vorgehaltene ehemalige Gaststätte „Carl August“ im Mühltal ging, die Gerlitz schon vor Monaten ins Gespräch gebracht haben will. Schon im Juli hatten die „Insulaner“ gegenüber unserer Zeitung Wohlwollen zu dieser – wenn auch recht dezentralen – Variante bekundet.

Aber: Als Gerlitz jüngst mit dem Placet des Freistaats wegen „Carl August“ vorsprach, musste er erfahren, dass das Gebäude drei Tage zuvor verkauft worden war, so beschrieb es der Bürgermeister gegenüber der Zeitung. Obwohl nach Gerlitz‘ Worten auch der neue Eigentümer „nicht völlig abgeneigt“ zur Kooperation in der Angelegenheit sei, hält das Wissenschaftsministerium nach den Worten von Stefan Krauß offenbar wenig von dieser Option: „Wir sollten 400.000 Euro dafür in die Hand nehmen!“

Zweifel an Kochstraße und Naumburger Straße

Wenig optimistisch äußerte sich Christian Gerlitz zu den beiden morgen unter Begutachtung stehenden Objekten. Rein bauordnungsrechtlich sei „das eine schlecht und das andere noch schlechter“. In einer ersten Einschätzung schwant auch Kirsten Limbecker als Sprecherin der „Insulaner“, dass die Eignung der beiden Objekte zu bezweifeln ist – schon auf Grund „der sehr kurzen möglichen Laufzeiten“. Nach der Objekt-Visite wollen sich die „Insulaner“ morgen öffentlich äußern.

Im Grundsatz hat sich bei Christian Gerlitz anhand des Streits um die „Insel 9a“ eine Erkenntnis verfestigt: „Es ist elementar, solche Freiräume zu erhalten“ – auch wenn sie wie im Fall der „Insel“ in der Kernstadt wegfallen. Er habe jetzt Mittel für den Aufbau einer Zwischennutzungsagentur freigegeben, die bei einem freien Träger angesiedelt sein und bei der temporären Nutzung leerstehender Immobilien vermitteln soll. Er habe dabei im Blick, „dass in Jena, wo jede runtergekommene Scheune zu Gold gemacht wird, immer weniger Platz für Nonkonformität ist“.

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