Intersport Meier aus Jena: Ausweitung der Kampfzone mit Bike und Ski

Jena  Auch viele kleinste, kleine oder mittlere Firmen leisten Erstaunliches für die Volkswirtschaft. Manchmal sind sogar heimliche Gewinner, sogenannte Hidden Champions, darunter. Die OTZ stellt wöchentlich Betriebe und Dienstleister aus Ostthüringen vor: Intersport Meier aus Jena

Katrin Drose gehört zu Michael Meiers 55-köpfigem Mitarbeiter-Team. Intensive Beratung ist auch beim Laufschuh das A und O.

Katrin Drose gehört zu Michael Meiers 55-köpfigem Mitarbeiter-Team. Intensive Beratung ist auch beim Laufschuh das A und O.

Foto: Thomas Stridde

Wirtschaft ist oft spannend wie ein Krimi. In Jena ließe sich etwa fragen, wie die angestammten Sportartikel-Einzelhändler reagieren auf die mutmaßliche Niederlassung des französischen Branchen-Riesen Decathlon in der zuletzt leerstehenden Schillerpassage. „Wir haben keine Angst vor ihm“, sagt Michael Meier (53), Chef des großen Jenaer Anbieters Intersport Meier.

Meier kann in der Decathlon-Frage eigene Erfahrungen heranziehen, weil er neben der Firmenzentrale in der Goethe-Galerie nicht nur Filialen im Burgaupark und in der Löbderstraße vorhält, sondern seit 2014 auch in Erfurt, wo Decathlon vor Monaten ebenfalls angelandet ist. Okay, da habe er in den ersten vier Wochen den einen oder anderen Euro an Umsatz eingebüßt, sagt Meier. Und doch könne er gelassen bleiben, weil der große Mitbewerber zum Beispiel fast ausschließlich Eigen- und keine bekannten Sportmarken anbiete.

Eher treffen werde es in Jena vielleicht das eine oder andere Fahrradgeschäft. Wieso das? Weil die Franzosen in diesem Fall mit dem Preisgefüge ihrer Eigenmarken punkten könnten, erläutert Meier. Er selbst hat entsprechend reagiert – und eröffnet im November in der Goethe-Galerie einen Bereich „Ski & Bike“: 600 Quadratmeter zusätzlich zum 2600-Quadratmeter-Geschäft. Eine Schau-Werkstatt werde inbegriffen sein. Da könnten Kunden zum Beispiel sehen, wie der Ski präpariert wird. „Wir wollten damit anfangen, ehe Decathlon kommt.“

Rund um das 30. Jubiläum der Friedlichen Revolution in Ostdeutschland steht auch das schon mal fest: Michael Meier darf sich als westdeutscher Pionier betrachten, der das deutsche Zusammenwachsen personifiziert. Schon Ende 1989 hatte der Mann aus Delmenhorst erstmals in Jena zu tun als Außendienst-Mitarbeiter der Autofirma Subaru Deutschland. Da galt es, einen Sportausrüster-Vertrag von DDR-Leichtathletik-Stars wie Martina Hellmann, Heike Drechsler und Petra Felke Kfz-technisch zu flankieren. Mit Speerwurf-Olympiasiegerin Petra Felke war Meier später viele Jahre verheiratet.

Retouren-Quote verdirbt die Klima-Bilanz

Nach dem Wechsel ins Sportgeschäftsleben ging es für Meier in Jena ordentlich bergauf: erst 1993 der Start im Winzerlaer WIN-Einkaufszentrum, dann 1996 der Start auf 280 Quadratmetern im Erdgeschoss der Goethe-Galerie. Im Jahr 2000 wurden es 1200, seit 2002 sind es 2600 Quadratmeter. Ganz klar, die Zentrale in der Goethe-Galerie sei „unser wichtigster Standort“, wie Meier sagt. „Hiervon leben wir; das ist das bestlaufende Geschäft.“ Einige Monate nach dem 25-jährigen Geschäftsjubiläum sagt Meier noch diesen Satz: „Wir sind sehr zufrieden. Das macht schon Spaß.“

Gut gefahren ist Meier, so schätzt er es ein, als einer von 1200 Mitgliedern der Genossenschaft Intersport, zumal so bei der Waren-Akquise mit entsprechend großem Volumen vieler Händler erheblich günstigere Konditionen aushandelbar seien. Gleichwohl dürfe man heutzutage froh sein über ein Geschäftsergebnis „plus, minus null gegenüber dem Vorjahr“. Die zwei Prozent plus im Jahr 2018, „das war schon top“. Und ja, das Internet sei ein starker Konkurrent. Derzeit gelinge es ihm aber, jene Verluste durch eigene Internet-Offerten auszugleichen. Doch ärgert sich Michael Meier, wenn wenige Meter Luftlinie entfernt wohnende Kunden via Internet bestellen. „Da frage ich mich: Was ist los mit den Leuten?“ Er denke nicht zuletzt an die Klimabilanz, die auch durch die 25-prozentige Retouren-Quote beeinträchtigt werde. Die Retouren müssten endlich kostenpflichtig gestellt werden, um die Leute zum Nachdenken zu bringen.

Noch so ein Zeitgeist-Problem: Auf die Annonce zur Suche nach einem Zweirad-Monteur habe er nicht eine Bewerbung bekommen. „Es ist grausam. Auch bekommen sie einfach keine Verkäufer; am Gehalt kann es nicht liegen.“ Andererseits sei er glücklich, dass er wie im letzten und so auch in diesem Jahr drei Azubis einstellen konnte. Und: Die 55 Mitarbeiter seien fast alle seit vielen Jahren dabei. „Das zeigt mir, dass es ein gutes Arbeiten bei uns ist.“ Dem Chef ist wichtig, dass bei der Kundenberatung eigene Sporterfahrung der Kollegen einfließt. Insofern gebe es bei Intersport Meier lediglich keine Golf-Utensilien – die einzige Sportart, zu der kein Meier-Mitarbeiter mit eigener Erfahrung Rat geben kann.

Michael Meier verhehlt es nicht: Dass im Jahr 2014 per Bürger-Votum die Eichplatz-Bebauung in Jena abgeblasen wurde, das habe ihn seinerzeit enttäuscht. Damit habe Jena wohl auch den Zug hin zum Status „Einkaufsstadt“ verpasst gehabt.„Aber Jena hat noch eine Chance, sich zu entwickeln. Die Stadt ist doch als Standort top aufgestellt mit den vielen Unternehmen und der ordentlichen Arbeitslosenquote.“

Es sei also immens wichtig, dass die neuen Eichplatz-Planungen nun endlich auf eine Bebauung hinauslaufen. Jena benötige dringend die Zugkraft auch für auswärtige Besucher.

Und wie schaut Michael Meier als ehemaliger Präsident sowie Aufsichtsratsvorsitzender des FC Carl Zeiss und heutiger Vorstandsvorsitzender des LC Jena auf die ewige Diskussion um den Jenaer Stadion-Neubau? Das konzipierte „kleine, feine“ Leichtathletik-Stadion am Sportgymnasium als Heimstatt des LC sei „völlig ausreichend“, sagt Meier. Das möge bloß nicht kaputtgeredet werden. Und das reine „englische“ Fußballstadion am Standort des alten Ernst-Abbe-Stadions – „wir brauchen so etwas: ja“. Ob es in der avisierten Größenordnung sein muss, „das weiß ich aber nicht“. Er hoffe, so sagt Meier, dass der FCC erst einmal „ein stabiler Drittligist“ wird.

OTZ-Serie im Internet: www.otz.de/unternehmen-in-ostthueringen

  • Das Unternehmen in Zahlen
  • Name: Intersport Meier
  • Standort: Goethe-Galerie, Goethestraße 3b, Löbderstraße 6 (Outlet), Burgaupark/Keßlerstraße 12, in Erfurt, Thüringenpark, Nordhäuser Straße 73.
  • Geschäftsführer: Michael Meier
  • Umsatz: keine Angaben
  • Beschäftigte: 55
  • Auszubildende: 2018 und 2019 je drei neue Azubis
  • Produkte: jegliche Sportartikel. Ab 1. November gibt es auch eine Bike- und Ski-Abteilung in der Goethe-Galerie. Golf-Zubehör gehört nicht zum Angebot.
  • Internet: www.intersportjena.de

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