Jena: Beim Baustoff-Zentrum piept’s wohl

Jena.  Nach dem Neubau einer Halle am Damaschkeweg haben Ringwiesen-Bewohner ein Lärm-Problem – sie bitten bitten Ortsteilrat Jena-Süd um Hilfe.

Ortsteilbürgermeister Adam Schlüssler (Mitte) traf sich vor Ort mit Anliegern. Links steht ein Wohnhaus, im Hintergrund befindet sich die zur Nachbarschaft offene Großhalle des Baustoffzentrums.

Ortsteilbürgermeister Adam Schlüssler (Mitte) traf sich vor Ort mit Anliegern. Links steht ein Wohnhaus, im Hintergrund befindet sich die zur Nachbarschaft offene Großhalle des Baustoffzentrums.

Foto: Thomas Beier

Bewohner im südöstlichen Teil der Ringwiese werden ihres Lebens nicht mehr froh. Durch die Erweiterung des Raiffeisen-Marktes am Damaschkeweg hören sie viel mehr Lärm als früher. Ein neues Hallendach wirkt in Verbindung mit einer Seitenwand wie ein Schalltrichter. Geräusche, die bisher kaum auffielen, werden nun verstärkt und zu Wohnhäusern gelenkt. Die Häuser stehen wenige Meter neben dem Baustoffzentrum.

Bei einem Vor-Ort-Termin machte sich der Jena-Süd-Ortsteilbürgermeister Adam Schlüssler ein Bild. Die Bewohner hatten sich bei ihm gemeldet, weil ihre eigenen Bemühungen im Sande verliefen. „Es wird alles abgewiegelt und wir erreichen gar nichts“, sagte Anwohnerin Gerlinde Heinrich ihm. Während des Gesprächs im Garten konnte Schlüssler eine Hörprobe machen. Der Lärm unterscheidet sich von dem üblichen Verkehrslärm, weil er ungleichmäßig auftritt. Es gibt plötzliche Geräusche wie das Herunterfallen von Baustoffen oder das Brummen von Lkw-Motoren. Vor allem aber nerven Pfeiftöne, die ein Gabelstapler beim Rückwärtsfahren als Warnung ausgibt. Weil der Lärm im Sommer in der Woche bereits nach 6 Uhr morgens beginnt, können Fenster nicht mehr geöffnet werden, so die Anlieger. Auch der Aufenthalt im Garten sei nicht mehr schön. Familie Pelikan kam am Freitag ebenfalls vom Damaschkeweg herüber. Sie versteht nicht, dass mit dem Umbau ein Betrieb lauter werde. Angestrebt werde doch genau das Gegenteil.

Die Probleme begannen bereits vor Monaten mit dem Bau der Halle. Auf dem Betriebsgelände musste alter Beton weggepickert werden. Die Schwingungen waren in den benachbarten Häusern spürbar. Im Bad des im Jahre 1997 von der Familie Heinrich errichteten Gebäudes bekamen die Fliesen Risse. „Es gibt kaum einen Raum mehr ohne Risse“, sagt Manfred Heinrich. Inzwischen wurde ein Gutachter eingeschaltet. Als einmal sogar nachts gearbeitet wurde, riefen die Anlieger die Polizei.

Ortsteilbürgermeister Adam Schlüssler nahm Kontakt zum Team Immissionsschutz bei der Stadtverwaltung Jena auf. Dort bestätigte ihm seine Ansprechpartnerin, dass vom Betreiber ein Gutachten vorliege, nachdem die Grenzwerte eingehalten werden. Deshalb ergäben sich keine Ansatzpunkte, um Änderungen zu erzwingen. Bei der Abwägung spielt wohl auch eine Rolle, dass Unternehmen gerade vor großen wirtschaftlichen Herausforderungen stehen.

Schlüssler ist das aber zu wenig an Hilfe von der Stadt für ihre Bürger. Er will das Thema noch einmal mit den Mitgliedern des Ortsteilrates Jena-Süd besprechen.

Um direkten Kontakt zur Raiffeisen Waren GmbH bemühten sich die Anlieger bereits. Verbesserungen brachte dies nicht. Jena ist eine Filiale des in Kassel ansässigen Unternehmens. Am Telefon wurde den Jenaern gesagt, sie sollten sich doch freuen, wenn ein Baumarkt in der Nähe sei. Wenn am Haus etwas zu machen sei, könnte gleich nebenan das Nötige beschafft werden. Die Möglichkeit, der Redaktion ihre eigene Sicht der Dinge zu schildern, nutzte die Firma am Freitag bis Redaktionsschluss nicht.

Beispielgebend sind aus Anliegersicht die Betriebserweiterungen des Textilreinigers Mewa, der auch am Damaschkeweg beheimatet ist. Als Abgrenzung zum Wohngebiet baute dieser Betrieb eine formschöne Lärmschutzwand. Außerdem spendierte die Mewa der lieben Nachbarschaft wiederholt Kuchen. Auf den Kuchen würden die Baustoff-Anlieger ja sogar verzichten.