Jena: Willkommen in der Praxis-Schule

Jen  In der Lobedaer Werkstattschule wurden die ersten Kinder eingeschult – gemeinsam praktisch lernen bis Klasse 10.

In der Werkstattschule Lobeda hat es am Sonnabend die erste Schuleinführung gegeben. Hier haben sich auch Schulleiter, Erzieherin und Klassenlehrerin zu den Schülern gesellt.

In der Werkstattschule Lobeda hat es am Sonnabend die erste Schuleinführung gegeben. Hier haben sich auch Schulleiter, Erzieherin und Klassenlehrerin zu den Schülern gesellt.

Foto: Thomas Beier

In Jena gibt es eine neue Schule. Die Werkstattschule ist eine kommunale Gemeinschaftsschule für die Klassen 1 bis 10. Am Sonnabend erhielten in Lobeda 14 von 15 Abc-Schützen ihre Zuckertüte. 47 weitere Schüler beginnen in der 5. Klasse mit dem Unterricht. Die Schule will auf praktische Berufe des Handwerks, der Industrie und des Sozialwesens vorbereiten. Das geht schon in die Richtung, wie es manche Eltern noch aus dem „Unterrichtstag in der Produktion“ kennen.

„Die Schule wird mit ihren Kindern wachsen“, sagt der kommissarische Schulleiter Christian Haschke und spielt damit auf die im Moment noch überschaubaren Schülerzahlen an. Auch ist das endgültige Schulgebäude noch nicht bezogen. Vielmehr beginnt der Unterricht im ehemaligen Otto-Schott-Gymnasium Lobeda-Ost, was ein Provisorium zum Provisorium ist, denn ursprünglich sollte die Schule, bis sie an das endgültige Gebäude der Kulturanum-Schule an der Karl-Marx-Allee wechselt, in der ehemaligen Rodatalschule an der Emil-Wölk-Straße einziehen. Dort sind die Räume aber noch nicht soweit.

Der Freude über das neue Schulangebot tut das keinen Abbruch. Anderthalb Jahre feilte ein Team aus Pädagogen, Erziehern und Sozialarbeitern am Konzept. Heraus kam ein ­Programm, das mit kurzen, klaren Sätzen auskommt: Wir gestalten unsere Schule gemeinsam. ­ Praxis soll das Markenzeichen sein.

Individuelle Förderung konnte man schon am Sonnabend am Zuckertütenbaum sehen. Als einem Jungen die Tränen in den Augen standen, weil er glaubte, nicht mehr dran zu kommen, erkannten das die Pädagogen sofort: „Na klar, kannst du noch gießen! Am besten gleich mit zwei Gießkannen.“

Zum Start-Kollegium gehören vier Lehrer – eine weitere Mitstreiterin erhofft die Schule sich noch aus Stadtroda – Sonderpädagogen und Sozialarbeiter. Letztere sind „für den Spaß an der Schule zuständig“, wie der Schulleiter den Kindern erklärte. Neben Eltern und Verwandten waren bei der Schuleinführung die städtische Fachdienstleiterin Christine Wolfer und Lobedas Ortsteilbürgermeister Volker Blumentritt dabei. Christine Wolfer sagte, dass die Werkstattschule eine enorme Bereicherung für die Schullandschaft sei und Wünschen gerecht werde, die immer wieder aus Handwerk und Gewerbe kommen. Volker Blumentritt sprach davon, dass die Schule gute Partner im Gewerbegebiet Lobeda-Süd finden könne.

Mehr Theorie als Praxis: Ganz konkret soll das im Rahmen von Praxistagen passieren, von denen es jede Woche einen gibt ab der ersten Klasse. Dazu will man rausgehen oder sich auch Menschen aus den Betrieben einladen, die sagen, welche Berufe es gibt und was man dort macht. Die Klassen 1 bis 4 werden jahrgangsgemischt unterrichtet und erhalten noch keine Ziffernnoten.

Ein Abitur ist an der Schule nicht vorgesehen. Ein späterer Wechsel an eine gymnasiale Oberschule bleibt aber möglich. Einigen Eltern kam auch das aus ihrer früheren Schulzeit bekannt vor.

Insgesamt hat am Wochenende für 1006 Jenaer Kinder „der Ernst des Lebens“ begonnen .

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