Jenaer Astronom unter erfolgreichsten deutschsprachigen Wissenschaftsautoren

Jena  Der Jenaer Wissenschaftsblogger Florian Freistetter veröffentlicht heute sein neuestes Buch „Eine Geschichte des Universums in 100 Sternen“.

Der Krebsnebel ist ein Supernova-Überrest im Sternbild Stier.

Der Krebsnebel ist ein Supernova-Überrest im Sternbild Stier.

Foto: NASA ESA Hubble Heritage Team/imago

Der Jenaer Astronom Florian Freistetter gehört zu den erfolgreichsten Wissenschaftsautoren, -bloggern und -podcastern im deutschsprachigen Raum. Etwa zehn, teils preisgekrönte Bücher hat er bereits veröffentlicht. Heute erscheint sein neuestes Werk beim renommierten Hanser-Verlag in München: „Eine Geschichte des Universums in 100 Sternen“.

Ausgehend von jeweils einem Exemplar der selbst leuchtenden Himmelskörper erzählt er spannende Storys aus der Welt der Astronomie. Die große Stärke des gebürtigen Österreichers: Er schreibt verständlich, pointiert, humorvoll. Wissenschaft macht bei ihm Spaß. Wir stellen an dieser Stelle ein paar seiner neuen Geschichten kurz vor:

14-Jährige entdeckt Supernova

„Daten zu sammeln, ist in der Astronomie leicht, die Datenauswertung ist das Problem“, sagt Florian Freistetter. Deshalb setzen Astronomen auch auf die sogenannte Citizen Science, die Bürgerwissenschaft. Das heißt, Hobbyastronomen helfen beispielsweise bei der Auswertung großer Datensätze. Auch die 14-jährige Caroline Moore aus New York betätigte sich 2008 als Bürgerwissenschaftlerin und entdeckte beim Vergleichen zweier Nachthimmel-Aufnahmen am Computer einen hellen Punkt, den nur eines der Fotos zeigte.

Wie sich herausstellte, handelte es sich dabei um eine Supernova – die Explosion eines Sternes am Ende seines Lebens – in einer fast 70 Millionen Lichtjahre entfernten Galaxie im Sternbild Pegasus. Caroline Moore avancierte damit zur jüngsten Person, die je eine Supernova entdeckt hat. Zudem war ihre Sternenexplosion eine ganz besondere: „Sie war viel leuchtschwächer, als man das normalerweise bei solchen Supernovae erwarten würde“, schreibt Freistetter in seiner Geschichte „SN 2008ha“. „Caroline Moores Entdeckung hat der Astronomie ganz neue Einblicke in den Tod von Sternen erlaubt.“

Sterne gehoren niemandem

Im Internet gibt es Firmen, die sogenannte Sterntaufen anbieten. Die Unternehmen gaukeln dem Kunden vor, dass er gegen ein Entgelt einem Stern einen Namen seiner Wahl geben könne, beispielsweise den eigenen. Auch als perfekte Geschenkidee preisen sie ihren Service an. „Freuen tun sich aber vor allem die Firmen“, mahnt der Autor im Kapitel „Freistetters Stern“. „Denn sie bieten ein Produkt an, das eigentlich gar nicht existiert. Die Sterne gehören niemandem.“

Damit die ganze Sache seriös erscheint, werden die Sterntaufen mit Zertifikat und Registereintrag angeboten, wobei es sich dabei um eine unverbindliche Datenbank handelt. „Das, was wir als ‚offizielle‘ Namen betrachten, sind nur die Bezeichnungen, auf die sich die Wissenschaft geeinigt hat“, schreibt Freistetter. Und sehe man von ein paar Hundert prominenten Sternen ab, die in der Antike und im Mittelalter einprägsame Namen erhielten, seien das aus Zahlen und Buchstaben zusammengesetzte Katalogbezeichnungen.

Am weitesten entfernt

Welcher Stern am Nachthimmel ist wohl der am weitesten entfernte, den man mit bloßem Augen sehen kann? Diese Frage sei gar nicht leicht zu beantworten, meint der Jenaer Autor. Einer, der infrage käme, ist „P Cygni“, der 7000 Lichtjahre von der Erde entfernt ist. Dieser Stern tauchte erst Anfang des 17. Jahrhunderts am Firmament im Sternbild Schwan auf, verdunkelte sich im Laufe der Jahre aber wieder. Dieses Aufleuchten und Abdunkeln hielt bis 1715 an. Seitdem stieg seine Helligkeit wieder – auf den heutigen Wert.

Bei „P Cygni“ handelt es sich um einen „Leuchtkräftigen Blauen Veränderlichen“. „So nennt man heiße, blaue Sterne, die das Ende ihres Lebens schon fast erreicht haben“, erläutert Astronom Frei­stetter. „Es sind Sterne mit der größten Masse, die ein Stern überhaupt haben kann, und sie sind deswegen auch enorm heiß und hell“ – P Cygni ist 500.000 Mal so hell wie unsere Sonne. ­Der Stern stoße Teile seiner Atmosphäre und äußeren Gasschichten ab, was zu Helligkeitsschwankungen führt. Diese Phase hält „P Cygni“ nur ein paar 10.000 Jahre aus, dann endet auch sein Leben in einer gigantischen Explosion.

Blick in die Vergangenheit

Alle Sterne, die wir am Himmel sehen, sind verglüht, lautet eine gern zitierte astronomische Mär. Es sei zwar richtig, dass die Sterne, die man am Himmel mit bloßem Auge erkennt, ein paar Tausend Lichtjahre entfernt sein können und damit das Bild, was wir von ihnen sehen, ein paar Tausend Jahre alt sein kann, wie Freistetter sagt. „Diese Zeitspanne ist aber im Leben eines Sternes verschwindend gering“, sodass man davon ausgehen muss, dass all die Sterne, die man am nächtlichen Himmel sieht, noch existieren.

Einer von den wenigen Sternen in unserer Umgebung, die bald das Zeitliche segnen, ist laut Autor „Eta Carinae“, ein Koloss unter den selbst leuchtenden Himmelskörpern, der die Leuchtkraft unserer Sonne sogar um das Fünfmillionenfache übersteigt, „und je heißer ein Stern brennt, desto kürzer ist seine Lebensdauer“, erläutert Freistetter. Bald werde der Stern explodieren und vom Himmel verschwinden. Bald heißt in astronomischer Sicht allerdings erst in bis zu hunderttausend Jahren oder auch noch etwas später.

Der Klimawandel

Klimaskeptiker wie Heinz-Christian Strache von der FPÖ und auch Politiker der AfD behaupteten gern, dass der Klimawandel nicht menschengemacht sei. Schuld habe unsere Sonne. Die Rechtspopulisten beziehen sich auf eine in den 90er-Jahren verfasste Theorie des Dänen Henrik Svensmark, die besagt, dass die Teilchenstrahlung der Sonne uns vor fremder kosmischer Strahlung schütze – eine Strahlung, die die Wolkenbildung und damit das Klima auf der Erde beeinflusse. Dieser Schutzschirm funktioniere bei steigernder Sonnenaktivität besser, bei schwacher Aktivität schlechter. Zurzeit sei die Schutzwirkung der Sonne besonders ausgeprägt, was zu weniger Wolkenbildung und damit zur Klimaerwärmung führe. „Der Mechanismus existiert zwar“, sagt Frei­stetter. „Er ist aber viel zu schwach, um auf das Klima eine Auswirkung zu haben.“ Letztlich bleibe es dabei: Der Klimawandel ist menschengemacht.

Österreicher und Wissenschaftsblogger in Ostthüringen

Florian Freistetter (42) stammt aus Krems an der Donau in Niederösterreich. Sein Interesse für Astronomie wurde in der 11. Klasse geweckt, nachdem er ein Buch von Stephen Hawking gelesen hatte. Nach Astronomiestudium und Doktorarbeit wechselt er 2005 als wissenschaftlicher Mitarbeiter an die Uni Jena. Seit 2011 ist er als Wissenschaftsautor, Blogger und Podcaster selbstständig. Sein Astro-Blog „Astrodicticum simplex“ sowie sein Podcast „Sternengeschichten“ zählen zu den erfolgreichsten Wissenschaftsformaten ihrer Art. Seit vier Jahren gehört er zum Ensemble des österreichischen Wissenschaftskabaretts „Science Busters“.

Anfang dieses Jahres startete er außerdem das Instagram-Projekt „Astronomie in 365 Tagen“, stellt dort jeden Tag eine astronomische Zeichnung online, garniert mit einem spannenden Fakt, sodass die Nutzer am Ende des Jahres eine grundlegende Einführung in die Astronomie erhalten haben.

Seit gut 15 Jahren lebt Florian Freistetter in Jena. Über die Saalestadt sagt er: „Jena ist schön. Es ist lebendig, es gibt wahnsinnig viele kulturelle Angebote. Jena wirkt – auch durch den enorm hohen Studentenanteil – viel größer als es ist. Und landschaftlich ist es natürlich hier mitten im Saaletal auch sehr reizvoll.“

Bisherige Bücher von Florian Freistetter: Eine Auswahl

  • „Hawking in der Nussschale: Der Kosmos des großen Physikers“, Hanser, 14 Euro
  • „Newton. Wie ein Arschloch das Universum neu erfand“, Rowohlt, 16 Euro
  • „Der Komet im Cocktailglas“, Hanser, 16,90 Euro

Florian Freistetter ist als Wissenschaftsvermittler auf verschiedenen Plattformen im Internet anzutreffen:

Florian Freistetter, „Eine Geschichte des Universums in 100 Sternen“, Hanser-Verlag, 300 Seiten, 22 Euro

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