Jenaer Gerichtsreporterin veröffentlicht ihre Berichte in einem Buch

Jena  Es begann mit dem geklauten Schwert von Hanfried: Gerichtsreporterin Sieglinde Schwarzer vereint ihre interessantesten Berichte in einem Buch.

Sieglinde Schwarzer alias Ruth Hirschel präsentiert ihr Buch mit Gerichtsberichten.

Sieglinde Schwarzer alias Ruth Hirschel präsentiert ihr Buch mit Gerichtsberichten.

Foto: Michael Groß

Es war am 14. März 1998, als der erste Zeitungsartikel von Ruth Hirschel erschien. Seitdem waren viele, viele Gerichtsberichte von Ruth Hirschel in unserer Zeitung zu lesen – Berichte von Verhandlungen vor allem am Amtsgericht Jena. Nun fasste sich die Autorin ein Herz und brachte ein Buch heraus, in dem über 100 ausgewählte Fälle aus ihrer Feder enthalten sind.

Grund genug, um mit der Gerichtsreporterin zu plaudern.

Frau Hirschel, wie wird man Gerichtsreporterin?

Moment mal, da muss ich doch etwas richtigstellen. Ruth Hirschel ist nur mein Pseudonym, unter dem ich all die Jahre Gerichtsberichte geschrieben habe. Mein richtiger Name ist Sieglinde Schwarzer.

Warum gerade Ruth Hirschel?

Den Namen habe ich mir ausgesucht, weil ich den Schriftsteller und Journalisten Rudolf Hirsch verehre, der über viele Jahre Gerichtsberichte für die zu DDR-Zeiten sehr bekannte Zeitschrift „Wochenpost“ geschrieben hat.

Kommen wir also zurück zur Eingangsfrage.

Nach einem wechselvollen Berufsleben als Lehrerin, Gastronomin und in der Erwachsenenbildung wollte ich ein Buch über mein Leben schreiben. Doch dann erfuhr ich bei einer Kaffeeplauderei von einem Arbeitskollegen eine interessante Story.

Aus einem Gerichtssaal?

Nein, aber es ging schon um ein Delikt, nämlich um den 1968 erfolgten Diebstahl des Schwerts vom Hanfried auf dem Jenaer Markt, der nie aufgeklärt wurde. Ich schrieb eine Geschichte darüber und bot sie der Zeitungsredaktion in Jena an. Der Artikel erschien mit dem Titel „Raub des Hanfried-Schwertes vor 30 Jahren jetzt aufgeklärt“.

War das der Start für Sie als Berichterstatterin?

Genauso war es. Denn der Chef der Lokalredaktion in Jena bat mich, als freischaffende Gerichtsreporterin zu arbeiten. Eine reizvolle Aufgabe, die ich bis heute mit kurzen, informativen Berichten sehr gern erfülle.

Warum?

Weil ich auf diese Weise über menschliche Schicksale schreiben und manchmal auch deren Hintergründe schildern kann.

Wie erfolgte nun die Auswahl der Fälle für dieses Buch?

Es sollten besondere Fälle aus allen Lebensbereichen sein, die an einem Amtsgericht verhandelt werden. Also Körperverletzung ebenso wie sexueller Missbrauch, Nachbarschaftsstreit, Brandstiftung oder auch Betrug und Beziehungsprobleme.

Welche Fälle haben Sie dabei besonders berührt?

Zum Beispiel eine Mutter, die den Tod ihres Babys verschuldet hatte, weil sie ihre Tochter nicht wie vom Arzt empfohlen ins Krankenhaus brachte. Sie erhielt zwei Jahre Bewährung.

Gab es auch Urteile, die Ihnen zu mild erschienen?

Nun, für die Höhe eines Strafmaßes haben die Juristen ja gewisse Richtlinien, verankert in den Paragraphen des Strafgesetzbuches. Wie weit der vorgegebene Strafrahmen ausgeschöpft wird, liegt in der Entscheidung des Richters. Nicht umsonst lautet der Spruch: Auf hoher See und vor Gericht sind wir alle in Gottes Hand.

Haben Sie ein Beispiel dafür?

Mich selbst hat die Familientragödie auf einem Bauernhof erschüttert. Da schlägt der 43-jährige Sohn seinen 77-jährigen Vater mit Folgeschäden krankenhausreif und erhält aufgrund verminderter Schuldfähigkeit nur eine sechsmonatige Freiheitsstrafe auf Bewährung.

Gab es auch Kurioses?

Auch das gab es. Ich erinnere mich an den Fall eines Kleingärtners. Der hatte einen Nachbarn in dessen Laube eingesperrt, die Tür zugenagelt und die Fenster mit Biertischen zugestellt. Die Polizei befreite ihn aus der misslichen Lage. Das Verfahren wurden gegen eine Geldauflage von 300 Euro eingestellt.

Schlagen wir noch mal den Bogen zum Anfang. Wie war das nun mit Hanfrieds Schwert?

Der Schwertklau war, wie sich mein damaliger Kollege offenbarte, Ergebnis eines Trinkgelages einiger Studenten. Als die nachts über den Markt torkelten, wollte einer von ihnen auf den Hanfried klettern, doch er stürzte ab und riss das Schwert mit herunter. Die jungen Leute nahmen es mit und versteckten es. Dann erschien in der Zeitung ein Aprilscherz, dass Hanfrieds Schwert im Griesbachgarten gefunden worden sei. Also deponierten es die Diebe im Garten der Kinderklinik, wo sie wussten, dass es schnell durch den Gärtner gefunden wird. Nach zehn Tagen war das Schwert wieder bei Hanfried.

Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.