Jenaer Stadtrat ächtet mit großer Mehrheit das N-Wort

Thomas Beier
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Für die Grünen unterstützte Frank Schenker den Beschluss bei der Stadtratssitzung am Donnerstag.

Für die Grünen unterstützte Frank Schenker den Beschluss bei der Stadtratssitzung am Donnerstag.

Foto: Stadt Jena

Jena.  Wer es trotzdem verwendet, muss mit einer Meldung bei der Beschwerdestelle und arbeitsrechtlichen Konsequenzen rechnen.

Das N-Wort gilt in Jena nun offiziell als rassistisch. Das hat der Stadtrat am Donnerstagabend beschlossen. N-Wort steht dabei als Umschreibung für den Begriff „Neger“, der als abwertend und diskriminierend gilt und als Schimpfwort verwendet wird.

Den Beschluss hatten die Fraktionen FDP, Bündnis 90/Die Grünen und SPD gemeinsam eingebracht. „Das N-Wort wird von vielen schwarzen Menschen mit Leid, Diskriminierung, Gewalt, Ungleichheit und Entmenschlichung assoziiert. Mit dem Wort ist eine Vielzahl von rassistischen Stereotypen verbunden“, hieß es zu Begründung.

„Ich bin sehr dankbar für diese überparteiliche Vorlage“, sagte Jenas OB Thomas Nitzsche (FDP). Sie entspreche dem weltoffenen und toleranten Bild der Stadt Jena. Stadträtin Rosa-Maria Haschke (CDU) und Stadtrat Eckhard Birckner (Fraktion Bürger für Jena) gaben zu bedenken, dass viele Bürger in Jena nicht wüssten, wie der Beschluss gemeint sei. „Den Rassismus werden wir durch Umbenennungen nicht aus der Welt schaffen“, sagte Haschke.

Stadtrat Frank Schenker (Grüne) erwiderte, man möge sich vor Augen halten, wie stark das N-Wort als verletzend empfunden werde, gerade auch in den USA.

Was passiert, falls Jenaer weiterhin das Wort verwenden? Dann soll „Vorfällen, die bei den einschlägigen Jenaer Beschwerdestellen angesprochen werden, konsequent nachgegangen und dem Sozialausschuss des Stadtrates aller zwei Jahre berichtet werden“. So ist es im Beschluss nachzulesen. Stadträtin Katja Glybowskaja (SPD) nannte zudem arbeitsrechtliche Konsequenzen und sprach davon, wie wichtig das Zeichen gegen Rassismus gerade für die migrantischen Communities sei.

Ferner beauftragte der Stadtrat die Verwaltung zu prüfen, inwieweit die Ziele der UN-Dekade für Menschen afrikanischer Herkunft in Jena bereits umgesetzt werden und welche Handlungsoptionen hier noch offen sind. Der Oberbürgermeister soll spätestens in neun Monaten berichten.