Jenaer Uni-Campus-Neubau: „Insel“ gerät in Bewegung

Jena  Ist der Streit um den hinderlichen Soziokultur-Altbau bald beendet? Ein Ersatzobjekt muss jetzt her.

Das Haus Inselplatz 9a steht dem Uni-Campus-Neubau im Weg. Gegen einen verbreiteten falschen Eindruck: Die Bewohner der „Insel“, die hier seit Jahren ein Soziokultur-Zentrum am Leben halten, sind keine Hausbesetzer. Sie zahlten und zahlen Miete. Allerdings wollen sie gegen eine verfügte Räumung Rechtsmittel einlegen, so sie kein Ersatzobjekt zugewiesen bekommen.

Das Haus Inselplatz 9a steht dem Uni-Campus-Neubau im Weg. Gegen einen verbreiteten falschen Eindruck: Die Bewohner der „Insel“, die hier seit Jahren ein Soziokultur-Zentrum am Leben halten, sind keine Hausbesetzer. Sie zahlten und zahlen Miete. Allerdings wollen sie gegen eine verfügte Räumung Rechtsmittel einlegen, so sie kein Ersatzobjekt zugewiesen bekommen.

Foto: Thomas Stridde

Kommt jetzt endlich Bewegung in das Projekt Uni-Campus-Neubau auf dem Inselplatz? Zuletzt schien das 110-Millionen-Vorhaben wegen einer vermeintlichen Kleinigkeit ausgebremst. Seit Jahren dient das Haus Inselplatz 9a als privat organisiertes Soziokultur- und Wohnprojekt mit Konzerten, Gesprächsrunden, Ausstellungen, Partys. Dazu die Tauschbox vorm Haus und überdies die Aussicht für Bedürftige, übrig gebliebene Lebensmittel abzuholen. – „Die Insel“ eben. Noch im Vorjahr hieß es vom Land Thüringen als Eigentümer, dass im Juli 2019 die „Insel 9a“ plattgemacht und die Bahn frei sein soll für den Campus-Baustart im Jahr 2020. In Wahrheit sind die Abrissbagger noch fern.

„Wenn es ein gehbarer Weg ist, gehen wir raus“

„Insel“-Sprecher Clemens Leder bestätigte am Dienstag auf Anfrage der Zeitung, dass die „Insulaner“ juristischen Widerspruch einlegen gegen eine Räumungsklage des Freistaats. „Wir werden, wenn nötig, den Rechtsstreit führen. Acht Jahre Kulturarbeit ersatzlos gestrichen – das ist nicht hinnehmbar“, sagte Leder. Die Jenaer Soziokultur-Szene sei schon mit mehrerlei anderen Projekten verdrängt worden und deshalb „ziemlich grummlig“. Das vorjährige kurzfristige Angebot des Landes, im Wagnerklub in der Wagnergasse fünf Zimmer zu übernehmen, hatten die „Insulaner“ abgelehnt.

Juristisch beschlagene Kenner der Materie hatten am Dienstag gegenüber der Zeitung eingeschätzt, dass ein Widerspruchsverfahren bis zu 18 Monate dauern könnte, ehe das Land einen so genannten Räumungstitel in der Hand hätte, um die Räumung durchzusetzen.

Clemens Leder sagte, die „Insel“-Leute würden dem Campus-Neubau nicht im Wege stehen wollen, so denn ein Ersatzobjekt vorhanden wäre. „Wenn es ein gehbarer Weg ist, gehen wir raus.“

Und zu den unserer Zeitung vorliegenden Hinweisen, das Land erwerbe womöglich eine derzeit öffentlich nicht benennbare und etwas dezentral gelegene Immobilie, um sie an die „Insulaner“ zu vermieten: Nach Leders Worten nähmen die „Insulaner“ auch diese Offerte trotz dezentraler Lage an, obwohl „durchaus noch andere Objekte“ interessant seien. „Wir wollen doch nix geschenkt haben“, sagte Leder. Miete wurde und werde immer gezahlt. Weshalb also nicht eine Zwischennutzung etwa der alten Uni-Kinderklinik in der Westbahnhofstraße oder der alten Radiologie in der Bachstraße?, fragt Clemens Leder. „Dagegen hätten wir nichts. Offenbar lässt das Land lieber Gebäude leerstehen, statt Miete einzunehmen.“

Das Thüringer Wissenschaftsministerium äußerte sich gestern gegenüber dieser Zeitung zurückhaltend in der Frage des Erwerbs einer Immobilie, mit deren Umnutzung die Bahn frei wäre auf dem Inselplatz. Ministeriumssprecher Stephan Krauß formulierte diesen Satz: „Das Land kann nicht aus Steuerzahlermitteln Immobilien erwerben, um sie Dritten zu privaten Zwecken zur Verfügung zu stellen. Das wäre ein Verstoß gegen geltendes Haushaltrecht.“

Darin liegt insofern ein bemerkenswerter Widerspruch, als aus anderer seriöser Jenaer Quelle, die hier wegen der brisanten laufenden Verhandlungen nicht genauer genannt sein will, zu hören war: Man stehe kurz vor einer Lösung. Die genannte dezentral gelegene Immobilie sei zum Glück nicht die einzige mögliche.

Und ein Wort von Bürgermeister und Stadtentwicklungsdezernent Christian Gerlitz (SPD): Er sehe gute Gründe, optimistisch zu sein, dass die Landesregierung eine Lösung findet.