Jenas Senioren heben den Daumen für ihre Begegnungsstätte

Jena.  Die Botschaft der Senioren heißt: Vielmehr als Corona und die damit auferlegte Isolation zu Hause machte die Einsamkeit zu schaffen.

Bärbel Schröter und Margret Schumann kontrollieren ihren Sicherheitsabstand im Seniorenzentrum "Jahresringe".  Sie wünschen sich die Wiedereröffnung ihres „zweiten Zuhauses“.

Bärbel Schröter und Margret Schumann kontrollieren ihren Sicherheitsabstand im Seniorenzentrum "Jahresringe".  Sie wünschen sich die Wiedereröffnung ihres „zweiten Zuhauses“.

Foto: Thomas Beier

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Bärbel Schröter und Margret Schumann sind beide Anfang 80 und gehören damit zur Risikogruppe der Corona-Pandemie. Dennoch haben beide Damen diese Woche zum Pressegespräch gebeten. Denn sie wollen, dass in Jena auch mal Senioren zu Wort kommen, die zu Hause alleine leben und denen jetzt förmlich die Decke auf den Kopf fällt. Die Botschaft heißt: Die Stadt Jena müsse bei ihren Entscheidungen auch an alleinlebende, ältere Menschen denken. Die Seniorenzentren sollten deswegen schrittweise unter Einhaltung der Auflagen – aber in jedem Fall schnell – wiedereröffnen. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog.

Die Seniorinnen gehören zu den langjährigen Stammgästen des Zentrums „Jahresringe“ in der Leipziger Straße. Fast täglich gab es bisher dort Veranstaltungen, sei es Gehirnjogging, Gymnastik oder Künstlerisches. Und auch das gemeinsame Mittagessen war für ältere Menschen aus dem Wohngebiet ein wichtiger Fixpunkt. Das alles fällt sei Wochen aus. Menschen ziehen sich in die Isolation zurück. Angst und Verzweiflung entstehen, weil man niemanden habe, den man persönlich sprechen könne, sagt Margret Schumann. Vielmehr als Corona und die damit auferlegte Isolation macht die Einsamkeit zu schaffen.

„Wie können wir andere Menschen aus der Vereinsamung herausholen?“, fragt sich Bärbel Schröter, die sich noch zu den jüngeren Alten zählt. Mitunter produziert Corona auch Geschichten wie diese: Eine Bekannte fasste aus Angst vor Ansteckung das Treppengeländer nicht an, dabei stürzte sie und brach sich den Arm, dann ging die Waschmaschine kaputt und zunächst fand sie niemanden, der ihr den Ersatzkauf in der Krise in die Wohnung tragen wollte.

Bärbel Schröter sagt, zum Glück gebe es die Mitarbeiterinnen und Ehrenamtlichen in den Seniorenzentren, an die man sich wenden könne. Sogar Mundschutz hätte das Team genäht.

Für den Vorsitzenden des Jenaer Seniorenbeirates Ralf Kleist ist es ein ganz wichtiger und verständlicher Wunsch der Senioren, sich wieder zu treffen. Eine Runde Rommé oder „Mensch ärgere dich nicht“ sind halt allein nicht möglich und insbesondere das Gespräch dabei fehlt. Die Folgen des sozialen Verlustes sind zurzeit noch nicht absehbar. Deshalb müsse es jetzt eine teilweise erste Öffnung der Seniorenbegegnungsstätten geben.

In den „Jahresringen“ sind die Bedingungen dafür mit 250 Quadratmetern Fläche und großen Tischen gut. Die Räume lassen sich für doppelte Senioren-Freude sogar teilen.

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