Keramiker aus Jena: Ein Drittel vom Jahresverdienst weg

Jena.  Die Absage des Weihnachtsmarktes trifft die Handwerker hart.

Lorenz Wittich, Annette Möbius, Katrin Fröderking und Uta Mill (von links) hätten gern ihre Keramikerzeugnisse auf dem Jenaer Weihnachtsmarkt angeboten. Doch der ist abgesagt.

Lorenz Wittich, Annette Möbius, Katrin Fröderking und Uta Mill (von links) hätten gern ihre Keramikerzeugnisse auf dem Jenaer Weihnachtsmarkt angeboten. Doch der ist abgesagt.

Foto: Michael Groß

Schon den vierten Tag wäre Weihnachtsstimmung in Jenas guter Stube angesagt. Doch weit gefehlt. Der geschmückte Baum auf dem Markt führt ein ziemlich einsames Leben. Keine Duftwolken von Glühwein, Gebrutzeltem und Gebackenem und auch keine Verkaufsstände. Der Weihnachtsmarkt in Jena ist abgeblasen wegen Corona.

Sehr zum Leidwesen auch der Keramikerzunft, die Jahr für Jahr mit ihren Ständen auf dem Weihnachtsmarkt für jede Menge Interessenten sorgte und damit manchen Gabentisch für das anstehende Fest bereicherte.

Mit dem Aus für den Weihnachtsmarkt brechen den Töpferwerkstätten ein Viertel bis sogar ein Drittel der üblichen Jahreseinnahmen weg, sagen Annette Möbius, Katrin Fröderking, Uta Mill und Lorenz Wittich, die alle vier bekannte Keramikwerkstätten führen. Ein nur schwer auszugleichender Fehlbetrag.

Man habe zwar versucht, mit einem Stand beim Grünen Markt mitzumachen, doch sei dies von der Stadt abgelehnt worden, weil ja der Grüne Markt den Lebensmitteln vorbehalten sein soll. Eigentlich sei ja auch das Hygienekonzept für den geplanten Weihnachtsmarkt ganz gut gewesen, die Stände hätten ausreichend Abstand gehabt.

Töpfermarkt im Sommer war Seelentröster

Nun heißt es, eine Durststrecke zu überwinden, die mindestens bis zum April dauert, wenn wieder die ersten Töpfermärkte in Deutschland steigen. Diese seien genauso wie der Weihnachtsmarkt stets eine wichtige Bank für die Töpfer, heißt es bei Wittich, Mill, Fröderking und Möbius. Gern erinnern sich die Kunsthandwerker an den Jenaer Töpfermarkt, der erfreulicherweise im Juli, wenn auch unter Hygiene-Auflagen, stattfinden konnte. „Das war nach der harten Zeit des ersten Lockdowns so ein richtiger Seelenschmeichler für uns“, erzählt Fröderking.

Man habe viel Zuspruch erhalten. Und Wittich ergänzt: „Der Töpfermarkt war super. Man hat es gespürt, dass die Leute Sehnsucht nach uns hatten und uns auch helfen wollten. Wir haben gespürt, dass wir den Leuten etwas wert sind“. Danach seien auch noch zahlreiche Nachfragen in den Werkstätten eingegangen.

Doch die Absage von Märkten über das gesamte Jahr habe schon ein tiefes Loch hinterlassen, sagt Wittich. 16 Märkte hatte er eingeplant, vier fanden dann auch statt. Er wie auch die anderen Töpfer haben natürlich weiter gearbeitet. „Es gab auch mal Zeit, sich in neuen Formen ausprobieren“, sagt Fröderking.

Enttäuscht von der Stadt

Die Lager seien jedenfalls voll mit Keramikprodukten. Deshalb empfehlen die Keramikerinnen und Keramiker allen Interessenten, doch in ihre Werkstätten zu kommen. Dort könne man alles anschauen, sich etwas aussuchen und sich beraten lassen. „Wir alle haben geöffnet und sind empfangsbreit“, heißt es.

Eigentlich hatte die Kunsthandwerker-Szene auch etwas mehr Unterstützung von der Stadt Jena erwartet. Eine solche willkommene Hilfe wäre zum Beispiel eine Plattform gewesen für das Kunsthandwerk auf der Internetseite der Stadt mit Verweisen auf die Werkstätten.

Dennoch geben die Keramiker nicht auf. Sie sind alle überzeugt, dass sie auch die schwierigen Zeiten meistern und überleben werden. Das Bedürfnis der Menschen, sich etwas Schönes und Nützliches zu leisten, wird nicht sterben, sind die Keramiker überzeugt.

Mehr Infos unter www.moebius-keramik.de, www.keramik-mill.de, www.fröderking.de und www.wittich-grosskurth.de