"Aussagen nicht eindeutig":Kitas im Saale-Holzland als Buhmann

Dornburg-Camburg.  Ob eome Notbetreuung in Frage kommt, hängt von der Systemrelevanz der Eltern ab. Kita-Träger sehen sich zahlreichen Klagen gegenüber, obwohl sie "alles schnell umgesetzt" hätten.

Eine neue Lieferung von Schutzmasken für Kindergärtnerinnen der drei städtischen Einrichtungen in in Dornburg-Camburg sind im Rathaus eingetroffen. Bürgermeisterin Dorothea Storch, und die Kita-Leiterinnen Katrin Födisch, Simone Helm und Ines Frießleben wollen vom Land mehr eindeutige Festlegungen für die künftige Kinderbetreuung unter Corona-Bedingungen.  

Eine neue Lieferung von Schutzmasken für Kindergärtnerinnen der drei städtischen Einrichtungen in in Dornburg-Camburg sind im Rathaus eingetroffen. Bürgermeisterin Dorothea Storch, und die Kita-Leiterinnen Katrin Födisch, Simone Helm und Ines Frießleben wollen vom Land mehr eindeutige Festlegungen für die künftige Kinderbetreuung unter Corona-Bedingungen.  

Foto: Angelika Schimmel

Im Haus „Sonnenschein", bei den „Saaletalzwergen" und im Kindergarten „Dornröschen" in Dornburg-Camburg ist es Anfang Mai nicht mehr still. Zwar wurden schon in den vergangenen Wochen in allen drei Kindereinrichtungen der Stadt Mädchen und Jungen über die so genannte Notbetreuung aufgenommen, deren Eltern in systemrelevanten Bereichen arbeiten. Deren Zahl war jedoch überschaubar. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog.

„Doch seit dieser Woche ist die Zahl der Kinder, für die eine Notbetreuung möglich ist, noch einmal kräftig angestiegen. Etwa 15 Kinder, manchmal auch ein paar mehr, kommen jetzt in jede unserer Einrichtungen", sagt Dorothea Storch. Also ist auch wieder mehr Kinderlachen zu hören.

Für die Notbetreuung habe die Stadt als Träger der Kindergärten gemeinsam mit den Leiterinnen ein ausgeklügeltes Hygienekonzept erstellt. „Wir haben viele Piktogramme angebracht, die unsere Kinder auf die wichtigen Verhaltensregeln hinweisen, haben die Aufteilung so vorgenommen, dass genug Platz für die pro Gruppe erlaubten zehn Kinder ist", berichtet Simone Helm von den „Saaletalzwergen". Die Betreuung der Kinder werde von den Erzieherinnen in festen Teams im Zwei-Wochen-Wechsel-Rhythmus übernommen, damit im Fall einer Infektion so wenig wie möglich Personal betroffen wäre.

„Wir haben wirklich alles schnell umgesetzt, was nach den Landesverordnungen gefordert wurde, und die Stadt unterstützt uns dabei bestens", ergänzt Katrin Födisch, die den Kindergarten Sonnenschein in Camburg leitet. „Aber manchmal hatten wir dafür nur ein Wochenende Zeit. Und wir stoßen immer wieder auf Unklarheiten, die uns das Agieren schwer machen."

Besonders bei der Bewilligung der Notbetreuung komme es immer wieder zu Diskrepanzen mit Eltern, „weil die Aussagen in den Landesverordnungen nicht klar und eindeutig sind", erklärte die Bürgermeisterin. So sei die Auslegung nicht einfach, etwa bei der Berufsgruppe B, „Kinder von Eltern, die im medizinischen, pflegerischen Bereich oder in Bereichen mit Verantwortung für die öffentliche Sicherheit arbeiten...". Das gibt viel Spielraum für Auslegungen.

So hat es in der Stadt nicht nur einen Fall gegeben, dass die Notbetreuung abgelehnt wurde, weil nicht beide Eltern zu den berechtigten Berufsgruppen gehörten. Eltern hätten sich dann mit einer Beschwerde an das Jugendamt gewandt und von dort Recht bekommen. Auch müssten die Kindergartenleiterinnen immer wieder Beschwerden bearbeiten, weil sich Eltern gegenüber anderen Eltern, deren Kinder betreut werden, benachteiligt fühlen. Eine Bitte der Stadt an das zuständige Ministerium, in einem Entscheidungsfall doch bitte vorab zu erklären, ob ein Kind aufgenommen werden darf oder nicht, sei von Erfurt abgelehnt worden.

„Die Entscheidung liegt beim Träger der Einrichtung, wir werden erst aktiv, wenn wir eine Beschwerde auf den Tisch bekommen", lautete nach Dorothea Storch die Antwort. „Das kann nicht sein, dass man im Ministerium selbst nicht sicher ist, wie die eigenen Verordnungen auszulegen sind, aber uns in den Kommunen die Entscheidung zuschiebt", kritisiert Storch.

Kritisch sehen die Kindergartenleiterinnen und ihre Chefin in Dornburg-Camburg auch die Regelung, dass selbst Eltern, die als Lehrer und Erzieher arbeiten, ihre Kinder nur in die Notbetreuung in Hort oder Kindergarten geben dürfen, wenn auch der zweite Elternteil zur relevanten Berufsgruppe zählt. „Das ist nur selten der Fall", sagen sie. „Und das kann uns selbst in arge Personal-Schwierigkeiten bringen, wenn noch mehr Kinder für die Notbetreuung angemeldet werden", machte Simone Helm klar. Hinzu komme die Unsicherheit, was mit Erzieherinnen ist, die zur Gruppe der Risikopersonen zählen.

„Für Lehrer dieser Gruppe hat das Land festgelegt, dass sie nicht vor Schülern stehen dürfen, dafür vielleicht online Aufgaben erarbeiten. „Online-Erziehung im Kindergarten geht aber nicht, was machen wir, wenn ältere Kolleginnen mit Vorerkrankungen aus Sorge um die eigene Gesundheit zuhause bleiben? Müssen wir als Träger der Kindergärten auch dann das Gehalt weiter zahlen?", nennt Storch nur einige ungeklärte Fragen. „Wir bekommen von den Eltern auch immer wieder Fragen gestellt, wie es weitergeht mit der Kinderbetreuung, denn für viele Familien wird es langsam existenziell", ergänzt sie. Antworten von der Landesregierung oder dem zuständigen Ministerium erwarten die Dornburg-Camburger auch auf die Frage, wer entscheidet, welche Kinder betreut werden, wenn die neuen Kapazitätsgrenzen in den Einrichtungen erreicht sind. „Wo früher 16 bis 18 Kinder in einer Gruppe waren, dürfen es heute nur noch zehn sein. Weder personell noch räumlich sind wir unter diesen Bedingungen künftig in der Lage, alle Kinder wieder im Kindergarten aufzunehmen", macht Simone Helm klar.

Nach Angaben des Thüringer Bildungsministeriums hat der Saale-Holzland-Kreis thüringenweit die höchste Betreuungsquote von Kindern in Notbetreuung. Von den 3650 derzeit in den Kindergärten angemeldeten Kindern wurden zum Stand letzter Woche 717 notbetreut, was einer Quote von 19,64 Prozent entspricht. Der landesweite Durchschnitt liegt bei 13,87 Prozent. Im Vergleich zur Vorwoche sind aktuell rund 100 Kinder mehr in Kindertagesstätten im Landkreis. Als Grund für die hohe Quote nennt das Gesundheitsamt die hohe Zahl an Kliniken und Pflegeeinrichtungen im Landkreis, so in Eisenberg, Stadtroda und Bad Klosterlausnitz, aber auch das Uni-Klinikum, dessen Beschäftigte oft im Nachbarkreis wohnen.