Kreative Ideen für den Einzelhandel in der Corona-Krise

Jena.  Mehr als 180 Teilnehmende und insgesamt 17 finale Projektideen – so lautete das Fazit des „JenaVsVirus“-Camps.

„Softwareentwickler Tobias Hubold (l.) und handelt-gemeinsam-Initiator Tom Fischer (r.) freuen sich über das digitale Schaufenster zu Läden und Dienstleistungen.

„Softwareentwickler Tobias Hubold (l.) und handelt-gemeinsam-Initiator Tom Fischer (r.) freuen sich über das digitale Schaufenster zu Läden und Dienstleistungen.

Foto: Privat

Mehr als 180 Teilnehmende und insgesamt 17 finale Projektideen – so lautete das Fazit des sogenannten „JenaVsVirus“-Camps, das vom Netzwerk „Jena Digital“ und der Wirtschaftsförderung Jena veranstaltet worden war. Zwei der zentralen Ideen stellten den Jenaer Einzelhandel in den Mittelpunkt. Obwohl die Händler seit Freitag – zumindest auf einer Fläche bis zu 800 Quadratmetern – wieder öffnen dürfen, können diese Ideen dem lokalen Einzelhandel in der Covid-19-Krise und darüber hinaus helfen.

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Beispiel Nummer Eins: Die Website jenamarkt24.de. Bereits seit einigen Wochen haben sich auf dieser Website verschiedene lokale Händler zu einer Art „Jenaer Amazon“ zusammengeschlossen und vertreiben dort online ihre Produkte: Lebensmittel, Drogerieprodukte, Feinkost und Waren des täglichen Bedarfs werden bis zur Haustür geliefert, ohne Anstehen und ohne Mundschutzpflicht. Das Team von jenmarkt24 suchte nach Ideen, wie die Lieferungen noch schneller und ganz ohne Umwege zu den Kunden kommen. „Wir haben uns vom #JenaVsVirusCamp erhofft, eine technische Lösung für eine optimierte Auslieferung unserer Waren zu erhalten, wussten allerdings gar nicht, was uns erwartet“, so Florian Beckert, Mitbegründer der Plattform und Inhaber des Spätshops „Fat Lady“. „Mit Alexander Knoll von Navimatix haben wir den richtigen Experten ins Team holen können, mit dem wir gemeinsam eine intelligente Routenführung entwickelt haben.“

Fokus auf die Läden vor Ort

Bei den ersten Auslieferungen in dieser Woche war die entwickelte Lösung laut Beckert bereits im Einsatz und hat optimal funktioniert: „Damit wurde der Aufwand für die Auslieferung an den Kunden wesentlich erleichtert. Die Waren werden nicht nur schneller, sondern auch im gewünschten Zeitfenster geliefert.“ Rund 400 Produkte können bereits von zu Hause aus über die Website www.jenmarkt24.de bestellt werden, und täglich werden es mehr. Dazu soll die Plattform für weitere Händler der Stadt geöffnet werden.

Der Einzelhandel steht auch im Mittelpunkt eines weiteren Projektes aus dem JenaVsVirus-Camp. Das Jenaer Portal handelt-gemeinsam.de soll lokale Dienstleister und Läden stärken. In diesem digitalen Schaufenster können sich potenzielle Kundinnen und Kunden schnell und einfach einen Überblick über die Vielfalt der Jenaer Produkte und Dienstleistungen machen. Handelt-gemeinsam.de ist damit der digitale Wegweiser zu den lokalen Angeboten von Handel und Dienstleistungen unserer Stadt. Wenn Menschen dann direkt vor Ort einkaufen, kann dies ein Beitrag sein, dass Läden nicht geschlossen oder kleine Unternehmen ihre Tätigkeit nicht aufgeben müssen. „Corona hat allerhand Maßnahmen und Beschränkungen mit sich gebracht, die Unternehmer und Selbstständige mit voller Härte treffen“, sagt Tom Fischer, Mitinitiator der Plattform und Gründer von Prosa Clothing UG. „ Es gibt jedoch auch positive Effekte, so zum Beispiel eine Welle der Solidarität, die auch den lokalen Handel betrifft. Dies nützt nur leider kleineren Unternehmen und Selbstständigen nichts, wenn diese schlicht über zu wenig Reichweite und Sichtbarkeit verfügen.“

Inhabergeführte Einzelhandel leidet enorm

An diesem Punkt setze laut Fischer das Portal handelt-gemeinsam.de an. „Wir wollen Unternehmen und Selbstständige unterstützen, indem die Plattform die Reichweite und Sichtbarkeit von ihnen erhöht. Wir nutzen soziale Medien wie Facebook oder Instagram, um auch in diesen außergewöhnlichen Zeiten Umsätze generieren zu können.“ 77 lokale Händler und Dienstleister haben sich dort bereits versammelt, um sich gemeinsam zu präsentieren. „Je mehr mitmachen, desto höher wird die Aufmerksamkeit für unsere Plattform und letztendlich auch für jeden Einzelnen sein“, ist Fischer von der Idee überzeugt.

Wilfried Röpke, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung, betont, wie wichtig die lokale Komponente beim Thema Einzelhandel ist: „Gerade der inhabergeführte Einzelhandel in Jena ist stark von der Covid-19-Krise betroffen: Große Online-Händler boomen, während viele kleine Läden mit ihren unterschiedlichsten Angeboten zum Teil vor dem existenziellen Abgrund stehen.“

https://www.jena-digital.de/jenavsvirus/