Leuchten der Bauhauszeit: Ausstellung im Stadtmuseum Jena

Jena  Das Licht in die Moderne: Eine Ausstellung im Stadtmuseum Jena zeigt Leuchten der Bauhauszeit.

Die beiden Kuratoren der neuen Ausstellung, Angelika Steinmetz-Oppelland und Armin Huber, stehen vor Leuchten, die das Jenaer Glaswerk Schott & Gen. zwischen 1928 und 1939 zur individuellen Nutzung in den Haushalten produzierte.

Die beiden Kuratoren der neuen Ausstellung, Angelika Steinmetz-Oppelland und Armin Huber, stehen vor Leuchten, die das Jenaer Glaswerk Schott & Gen. zwischen 1928 und 1939 zur individuellen Nutzung in den Haushalten produzierte.

Foto: Ulrike Kern

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Als 1885 der Österreicher Carl Auer von Welsbach den Glühstrumpf erfand, verbesserte sich die Qualität der Gasbeleuchtung erheblich. „Ein helles aber heißes Licht, das abgeschirmt werden musste“, erklärt die Kuratorin Angelika Steinmetz-Oppelland, die gemeinsam mit Armin Huber im Jenaer Stadtmuseum die neue Ausstellung „Leuchten der Moderne. Jenaer Beleuchtungsglas in der Bauhauszeit“ konzipierte. Von heute an bis zum 29. März 2020 ist die Schau zu sehen und bildet gemeinsam mit der im gleichen Haus befindlichen Kunstausstellung „Der Sturm in Jena“ den finalen großen Beitrag der Saalestadt zum Bauhaus-Jubiläum.

Mit jener Gasbeleuchtung startet also der Rundgang durch die Geschichte der Leuchten und Lampen in der Ausstellung – mit stark lokalem Bezug. Denn erst durch eine Jenaer Erfindung, den hitzebeständigen Gasglühlichtzylindern aus dem Jenaer Glaswerk Schott & Gen., wird Auers Erfindung anwendbar. Die neu entwickelten Schirme aus Borosilicatglas, so erklären die Kuratoren, reflektieren und streuen die Lichtstrahlung; das Jenaer Unternehmen konnte sich damit schon im späten 19. Jahrhundert in Sachen Beleuchtungsglas konkurrenzlos an die Weltspitze setzen.

Mit dem nächsten Technologiesprung setzt die Glühlampe zum Siegeszug als Innenraumbeleuchtung an. Und was die Leuchten betrifft, kommt man mehr und mehr zu gezielter Lichtführung und zu größter Lichtfülle bei höchster Wirtschaftlichkeit. Und auch die Bauhausidee und mit ihr Gropius Forderung nach der Einheit von Kunst und Technik werden aufgegriffen. In der Metallwerkstatt des Bauhauses entwickelt Wilhelm Wagenfeld 1924 auf dem Weg zur Industrieleuchte seine Tischleuchte, eine Ikone der klassischen Moderne. Das Material dafür – gläserne Kugeln, Rohre, Scheiben – kommt natürlich von Schott aus Jena. Und so zeigt die neue Ausstellung einen ganz entscheidenden und ganz wichtigen Abschnitt der Technik- und Designgeschichte. Begleitet werden die Originalleuchten von zeitgenössischen Fotos aus der Glasproduktion, von Werbematerial, Katalogen und Entwurfszeichnungen.

Komplexe lichttechnische Konzepte

Innerhalb weniger Jahre entstehen nun Spezialleuchten für Wohnräume, für Arbeitsplätze, für Veranstaltungshäuser, vor allem auch für Schaufenster und die Reklame. Deshalb, so erklärt Kuratorin Steinmetz-Oppelland, hat man sich auch gegen Exponate in Vitrinen und für eine Schaufensteroptik im Stil der 30er-Jahre mit weiß gerafften Stoffen als Hintergrund entschieden.

Während die Leuchten langsam zur Massenware wurden, änderten sich unter dem Bauhaus-Einfluss auch die Dekors hin zu geometrischen Formen in leuchtenden Farben. „Eine Fülle an Kombinationsmöglichkeiten bot sich plötzlich. Die waren sehr beliebt und offenbar auch sehr langlebig“, erklärt Armin Huber. Von diesen hochinnovativen Produkten führt die Ausstellung schließlich hin zum Firmenkonsortium Zeiss Ikon, für das der Architekt und Bauhaus-Meister Adolf Meyer mehrere erfolgreiche Leuchten entwarf.

Parallel wurden ab 1924 aber auch die sogenannten Astax-Spiegel in Jena entwickelt: Das temperaturbeständige Glas war eine Entwicklung von Otto Schott, die Herstellung von großen Spiegelreflektoren seit Jahrzehnten das Spezialgebiet der Firma Zeiss. „Die Form der Astax-Siegel ergibt sich ausschließlich aus der Funktion“, erklärt Armin Huber. Diese technisch ausgerichteten, sehr widerstandfähigen Leuchten, eingesetzt in Schulen, Theatern und in Schaufenstern, haben einen hochkomplexen Aufbau, der auch vom Erfindergeist der Jenaer zeugt. Die außen niedergeschlagene Silberschicht ist durch eine Kupferschicht und Aluminium-Bronze geschützt und hat gegenüber Metall den großen Vorteil des geringeren Gewichts bei größerem Reflexionsgrad.

Schließlich, und damit endet die Ausstellung, hat die Lichttechnologie gegen Ende der 20er-Jahre einen Stand erreicht, der eine Nutzung für besondere Gebiete, beispielsweise als Autoscheinwerfer und Rasierspiegel möglich macht.

Geöffnet: Di, Mi, Fr 10-17 Uhr, Do 15-22 Uhr; Sa, So: 11-18 Uhr. Zur Ausstellung ist ein zweisprachiger umfangreicher Katalog erschienen (Verlag Klartext). Außerdem wird ein vielfältiges Begleitprogramm angeboten. Infos unter www. stadtmuseum-jena.de

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