Luigi verläuft sich erneut

Jena  Philipp Reinhardt gewinnt Jenaer Kernberglauf. Hagen Brosius biegt falsch ab und wird Zweiter

Die Ichtershäuserin Katja Voigtmann gewann den Lauf über die 15 Kilometer.

Die Ichtershäuserin Katja Voigtmann gewann den Lauf über die 15 Kilometer.

Seit vier Jahren wohnt der 1500-Meter-Mann Philipp Reinhardt mit einer persönlichen Bestzeit von 3:46,88 Minuten schon in Jena. Beim Jenaer Kernberglauf war er bisher noch nie als Aktiver dabei gewesen. „Es hatte irgendwie zeitlich nie geklappt. Doch diesmal wollte ich die Chance nutzen. In der vergangenen Woche habe ich mein zweites Staatsexamen abgelegt. Danach hatte ich den Kopf wieder frei fürs Laufen“, sagte er. Und der 25-Jährige vom Leichtathletik-Club Jena lief die 15 Kilometer am Sonnabend beim 43. Jenaer Kernberglauf nicht nur mit, sondern er war nach 52:17 Minuten auch der Schnellste.

Er verwies den sechs Jahre älteren Hagen Brosius um 18 Sekunden auf Rang zwei. Brosius, der unter dem Namen „Luigi and Friends“ dabei war, haderte nach seinem Zieleinlauf ein wenig mit sich und auch mit einem Streckenposten. „Ich habe mich verlaufen. Ich war an einer Stelle zu früh abgebogen. Dann musste ich die 30 Meter zurück laufen. Das ist einfach nur ärgerlich. Ich weiß natürlich, dass die Leute, die an der Strecke das alles ehrenamtlich machen. Den Leuten will ich auch keinen Vorwurf machen. Vielleicht sollte man sich trotzdem in der Zukunft noch mehr den schnelleren Läufern widmen, dass so was vielleicht nicht passiert“, sagte Brosius. Ob ihm am Ende diese zusätzlich gelaufenen Meter den Sieg kosteten, wollte er nicht beurteilen. „Der Philipp ist schon ein guter Läufer. Ich will seinen Erfolg keinesfalls schmälern“, sagte Brosius.

Bis zum Steinkreuz lagen die beiden Sportfreunde noch gleichauf. „Ich habe einen extremen Respekt vor den Berg-auf-Passagen. Ich konnte diese Momente aber kompensieren, wenn es bergab ging“, sagte Reinhardt.

Hagen Brosius und der Jenaer Kernberglauf, das passt irgendwie (noch) nicht zusammen. Vor vier Jahren erwischte es ihn schon einmal, damals über die 27 Kilometer und in Führung liegend. Da bog er ebenfalls falsch ab. Brosius nahm die Sache gelassen. Er lief die restliche Strecke bis ins Ziel locker herunter. Er wurde Neunter. Seine Pulsuhr zeigte 31 gelaufene Kilometer an. „Damals hatte mir das Verlaufen mehr weh getan, weil ich in Führung lag. Heute war ich ja nicht Erster“, sagte Brosius.

Sein Augenmerk legt er auch in diesem Jahr auf den Extrem-Hindernislauf über 24 Kilometer am 7. Dezember in Rudolstadt. „Der Kernberglauf gehörte wieder zu meiner Vorbereitung“, sagte Brosius. Seit Februar wohnt er in Jena. Beruflich hat er weiter in Feucht zu tun. „Deshalb konnte ich heute auch von meiner Wohnung am Magdelstieg bis hierher mich einlaufen. Das waren knapp zweieinhalb Kilometer. Es war schon ein komisches Gefühl, wenn man die Tür hinter sich zumacht und dann zum Start läuft.“

Rang drei ging am Sonnabend bei regnerischem Wetter in einer Zeit von 54:39 Minuten an den Rudolstädter Triathleten Alexander Kull, der für den HSV Weimar startet.

Die schnellste Frau über die 15 Kilometer war Katja Voigtmann (28) aus Ichtershausen in 1:07:06 Stunden. Für sie war es nach 2018 erst die zweite Teilnahme beim Kernberglauf. Dass sie diesmal den Streckensieg feierte, machte sie an ihrem veränderten Training seit Jahresbeginn fest. „Ich musste einfach was ändern. Bei mir gab es einfach keine Entwicklung. Dann bin ich zu Torpedo Ichtershausen gewechselt. Das hat sich bezahlt gemacht. Seitdem bin ich viel schneller unterwegs. Das Intervall-Training hat sich bei mir bezahlt gemacht.“ Dass sie die schnellste Frau war, bekam sie unterwegs von mehreren Zuschauern zugerufen. „Ich habe mich aber nicht verrückt machen lassen. Ich bin mein Tempo weiter gelaufen. Dass ich jetzt gewonnen habe, freut mich natürlich“, sagte Voigtmann.

Rang zwei in der Frauenwertung ging an Laura Brosius, die zwei Jahr jüngere Schwester von Hagen Brosius. Sie benötigte für die Strecke 1:09:57 Stunden. Rang drei ging an Anna Rockstroh vom SV Trebsen in 1:10:01.

Hochkarätig besetzt war auch die Männer-Konkurrenz über die 27 Kilometer. Marcel Krieghoff vom SC Impuls Erfurt siegte in 1:45:14 Stunden vor Andrew „Chunky“ Liston von der LG Wetterberg in 1:47:44 sowie Andre Fischer vom Citylauf-Verein Dresden in 1:48:55. Schnellste Frau über den „langen Kanten“ war Andrea Gießmann vom LTV Erfurt in 2:16:04 Stunden vor Helena Kindermann von der LG Wolfstein in 2:16:29 und Lokalmatadorin Kathleen Alles von den X-Runners Jena in 2:17:30.

Die größte Sorge des Kernberglauf-Gesamtleiters Peter Losso war bereits zwei Wochen vor dem Kernberglauf vom Tisch. Eine Baustelle an der Süd-Zufahrt des Stadions hatte Losso Kopfzerbrechen bereitet. „Als ich mich dann mit dem Bauliter unterhielt, fiel mir ein Stein vom Herzen. Er sagte mir zu, dass er am Lauftag eine Gasse bauen wird für die Läufer. Da waren alle Überlegungen, die Strecke ändern zu müssen, verflogen“, sagte Losso. Dass der Bauleiter keine Sekunde zögerte, lag möglicherweise auch an seiner Affinität zum Sport und auch zum Kernberglauf. „Er hatte mir gesagt, dass er auch schon mal am Kernberglauf teilgenommen hatte“, sagte Losso.

Für nächstes Jahr ist Mini-Marathon geplant

Der Kernberglauf-Chef machte auf ein anderes Phänomen aufmerksam. „Wir haben immer mehr Läufer über fünf Kilometer. Eigentlich war diese Strecke gedacht als Einsteiger-Lauf. Doch mittlerweile weichen vor allem die älteren Läufer, für die die 15 oder die 27 Kilometer zu lang sind, auf die fünf Kilometer aus“, sagte Losso. 193 Läufer hatten gemeldet für die fünf Kilometer. Am Ende waren 174 dabei. Von so einer Teilnehmerzahl können heutzutage andere Laufveranstalter schon träumen, die mit Starterzahlen um die 100 und 120 auskommen müssen.

Ihren letzten Einsatz als Helferin beim Kernberglauf hatte Martina Sperling. „Sie hört aus privaten Gründen auf. Das ist schade. Sie hat sich bei uns immer um die Versorgung verdient gedacht. Sie hilft, wo sie kann. Jetzt steht sie gerade am Steinkreuz. Wie lange sie schon bei uns dabei ist, weiß ich gar nicht genau. Auf jeden Fall länger als ich“, sagte Losso.

Aufmerksamer Beobachter im Zielbereich im USV-Gelände war Hans-Georg Kremer, der „Rennsteiglaufvater“. Auch er bestätigte den Trend, hin zu kürzeren Strecken. „Wir werden deshalb im nächsten Jahr zum ersten Mal einen Mini-Marathon über 4,2 Kilometer anbieten. Ich bin mal gespannt, wie diese Neuerung angenommen wird“, sagte Kremer.

Kommentare sind für diesen Artikel deaktiviert.