Lukas Kwasniok nach Pokalsensation: Bloß nicht der FC Bayern München

Jena.  Exklusivinterview mit Trainer Lukas Kwasniok: Beim FC Carl Zeiss Jena ist er in dieser Saison gescheitert, mit dem 1. FC Saarbrücken nach dem Einzug ins Pokalhalbfinale obenauf.

Lukas Kwasniok gelingt mit dem 1. FC Saarbrücken die Pokalsensation.

Lukas Kwasniok gelingt mit dem 1. FC Saarbrücken die Pokalsensation.

Foto: Thomas Frey / dpa

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Beim FC Carl Zeiss Jena entlassen, mit dem 1. FC Saarbrücken ins Halbfinale des DFB-Pokals eingezogen: Lukas Kwasniok (38) schaffte mit dem Regionalligisten, für den mit Anthony Barylla auch ein gebürtiger Geraer spielt, als erstes Viertligateam diese Sensation. Im Interview mit unserer Zeitung spricht Lukas Kwasniok über das Wechselbad der Gefühle gegen Fortuna Düsseldorf und blickt sehr selbstkritisch auf seine Entlassung beim FC Carl Zeiss Jena zurück: Er verrät den Kardinalfehler.

Wieviele Nachrichten sind auf Ihrem Handy nach dem Halbfinaleinzug eingelaufen?

Die Welle ebbt selbst Mittwoch nicht ab. Mich freut auch, dass viele Glückwünsche aus Jena eingegangen sind. Das zeigt, dass viele das Leben als Fußballer und als Mensch trennen können.

Saarbrücken führte lange mit 1:0. Was ist in Ihnen vorgegangen, als Fortuna Düsseldorf in der 90. Minute den Ausgleich erzielt hat?

Da ist innerlich nicht nur ein Kartenhaus, sondern ein massives Gebäude eingestürzt. Ich habe ein, zwei Minuten gebraucht, um mich zu sortieren. Wir mussten uns erst einmal darauf orientieren, überhaupt noch die Verlängerung zu erreichen. Schon das war ein Erfolg gegen einen Bundesligisten.

Wie haben Sie taktisch reagiert?

Wir haben gemerkt, dass wir in unserem defensiven 4-5-1-System die Düsseldorfer Angriffe nicht mehr wegverteidigen konnten. Deshalb habe ich einen Spieler aus dem Mittelfeld zur zweiten Spitze vorgezogen. In den ersten Minuten der Verlängerung haben wir gemerkt, dass Düsseldorf auch nicht mehr so stabil war, wenn man sie anläuft. Der Rest hat eine Eigendynamik entwickelt.

Saarbrücken erreichte das Elfmeterschießen, lag dreimal hinten. Wie haben Sie es geschafft, so relaxt das Elfmeterschießen zu verfolgen?

Ich habe versucht, ruhig zu wirken. Aber innerlich brodelt es. Fußball ist Emotion, Elfmeterschießen der Gipfel der Emotionen.

Der Rest nach dem Sieg war Jubel. Wie lange ging die Party?

Für die Mannschaft sehr lange. Dem Team haben wir am Mittwoch freigegeben. Es ist wichtig, Highlights im Leben zu feiern, um sich wieder neu fokussieren zu können. Sinnvolle Arbeit wäre am Mittwoch ohnehin nicht möglich gewesen, weil es kein normaler Sieg war.

Sie haben mit dem FC Carl Zeiss den Klassenerhalt in einem unerwarteten Saisonendspurt gesichert. Danach folgten in dieser Saison zehn Spiele mit nur einem Punkt und die Entlassung. Und nun der Erfolg mit Saarbrücken. Wie verkraften Sie das Wechselbad der Gefühle?

Rein äußerlich nicht so gut. Meine Haare sind inzwischen grau. Innerlich besser, weil mein ganzes Leben aus Extremen bestand. Ich bin als Spätaussiedlerkind nach Deutschland gekommen, musste die Sprache lernen und viel in der Schule aufholen. Ich war Kapitän der Nachwuchsnationalmannschaft, habe dann abrupt mit dem Fußball aufgehört. Ich habe sechs Jahre in einem Unternehmen gearbeitet und musste gehen, weil Arbeitsplätze abgebaut worden sind. Auch als Trainer gab es Höhen und Tiefen. Das zurückliegende Jahr spiegelt das Auf und Ab wider.

Der FC Carl Zeiss Jena steht vor dem Abstieg in die Regionalliga. Wie sehr grämt Sie, dass die von Ihnen zusammengestellte Mannschaft nicht gezündet hat?

Mir tut die Entwicklung des FC Carl Zeiss außerordentlich leid und ich weiß, dass ich einen großen Anteil daran habe. Wir haben es gemeinsam nach bestem Wissen und Gewissen getan, genauso wie wir in der vergangenen Saison gemeinsam noch die Klasse gehalten hatten. Uns ist es nicht gelungen, den Kader optimal zusammenzustellen. Wir haben zu wenig gestandene, erfahrene Fußballer verpflichtet, die die Liga kennen. Das war der Kardinalfehler.

Was war die Idee im Sommer?

Wir wollten über eine Spielkontrolle und schnelles Umschaltspiel andere Mannschaften überraschen, ein junges und laufstarkes Team zusammenstellen. Das ist leider in die Hose gegangen. Es war eine mutige Idee dahinter, aber der Mut wurde nicht belohnt. Dennoch war genügend Zeit, die Dinge zu korrigieren. Obwohl wir unter meiner Regie nur einen Punkt geholt haben, war in einigen Spielen mehr drin. Ich erinnere mich nur an die Auftaktpartie gegen Ingolstadt… Da hat uns das Quäntchen Glück gefehlt, das ich gegen Düsseldorf mit Saarbrücken hatte.

Hat der FC Carl Zeiss Jena Sie aus Ihrer Sicht zu früh entlassen?

Der Verein hat alles dafür getan, mir den Rücken zu stärken. Woanders hätte ich die letzten zwei, drei Spiele nicht mehr bekommen. Wobei in den letzten Spielen eine deutliche Leistungssteigerung zu sehen war, was zeigte, dass die Chemie zum Team nach wie vor stimmte. Das ist angesichts der vorangegangenen Niederlagenserie nicht selbstverständlich. Fußball ist aber ein Ergebnissport, der Verein musste angesichts des Drucks, der auf ihm lastete, handeln.

In der Winterpause hat Sie der 1. FC Saarbrücken verpflichtet. Bislang haben Sie alle Pflichtspiele gewonnen. Was muss passieren, dass auch der Finaleinzug gelingt?

Es dürfen uns nicht die Bayern im Halbfinale zugelost werden. Gegen die anderen Bundesligisten gibt es eine Mini-Chance, gegen die Bayern keine.

Spielen Sie wieder im Ministadion in Völklingen?

Das wäre unser Wunsch, weil es Glück gebracht hat. Aber das Licht der mobilen Masten soll im Halb­finale nicht mehr ausreichend sein. Unser eigenes Stadion ist leider noch eine Baustelle. Priorität hat jedoch bei allem Spektakel im DFB-Pokal, den Vorsprung in der Regionalliga Südwest zu halten und in die dritte Liga aufzusteigen.

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