Lustschwitzende Hände bei der Lektüre des neuen Jenaer Erotikmagazins

Jena.  „Flut“ heißt ein neues Magazin, das sich der Erotik widmet und hinter dem junge Studentinnen vornehmlich aus Jena stehen.

Jena hat ein neues Erotikmagazin. Das Printmagazin "Flut" erschien erstmalig am Freitag. Zum Team gehören Paula Willert (25), Marie Busch (22), Anna Ebert (23), Lena Schwaab (23), Laura Theimer (26) und Franziska Schaden (26). Auf dem Bild fehlen  Elisabeth Knoblich und FangSheng Chou.   

Jena hat ein neues Erotikmagazin. Das Printmagazin "Flut" erschien erstmalig am Freitag. Zum Team gehören Paula Willert (25), Marie Busch (22), Anna Ebert (23), Lena Schwaab (23), Laura Theimer (26) und Franziska Schaden (26). Auf dem Bild fehlen  Elisabeth Knoblich und FangSheng Chou.   

Foto: Thorsten Büker

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Dass es in mehrfacher Hinsicht altmodisch ist, ist wunderbar: Es trotzt der Rund-um-die Uhr-Erotik, die im Internet frei zugänglich ist. Und es ist ein Druck-Erzeugnis, das es in diesen digitalen Zeiten auch nicht leicht hat: „Flut“ heißt das Magazin, das sich der Erotik widmet und hinter dem junge Studentinnen vornehmlich aus Jena stehen.

Treffpunkt Glashaus im Paradies: Nach und nach trudeln die Frauen am Freitag in der Mittagszeit ein. Der Ort muss hergerichtet werden für die Release-Party am Abend: Mit Disco-Kugel, einer Schaufensterpuppe, Plastikblumen und vielem anderen Schnickschnack, der für Gemütlichkeit sorgen soll. Und natürlich ein paar Kartons, in denen druckfrisch das Magazin liegt. „Geil, ich will auch mal eins sehen“, sagt Marie Busch.

Vorbild ist ein Leipziger Magazin

Hinter dem Team liegen fast elf Monate, in denen das Magazin nicht nur ins Leben gerufen, sondern geplant, kuratiert und umgesetzt wird. Jetzt die erste Nummer in den Händen zu halten, ist ein gutes Gefühl. Sex und Pornografie sind allgegenwärtig, aber wir wollen etwas Neues machen: So lautet ein Kernsatz. Anna Ebert ist es, die in Leipzig Gefallen an dem dort erscheinenden Erotik-Magazin findet und sich im studententischen Milieu Verbündete sucht: Sie fragt Freunde, dann gibt es die Mundpropaganda, andere hören von dem Projekt und fragen nach, ob sie mitmachen können. „Jeder Mensch erlebt Sex und Erotik anders: Was der Mainstream transportiert, was die verbreitete Darstellung von Erotik und Pornografie anbelangt, ist mit der Realität nicht in Einklang zu bringen“, sagt Marie Busch. „Der Mainstream kennt keine Vielfalt: Es sind immer die gleichen Handlungen, die gleichen Abläufe, die gleichen Bilder“, sagt Lena Schwaab.

Erotik wird zu einseitig und geschlechtsspezifisch abgebildet

Die Frauen, die bis auf die Weimarer Bauhaus-Studentin FangSheng Chou alle in Jena studieren, haben natürlich eine feministischen Blick auf das Thema und bewegen sich damit auch in einer Szene, die seit Jahren Zuwächse verzeichnet: Zum Beispiel bei den feministischen Pornos; die Rolle der Frau ist stärker, der Sex basiert auf Vertrauen und gegenseitigem Respekt. So heißt es folgerichtig in dem Manifest, das für die Frauen Primat des Handelns ist: „Bis heute noch wird Erotik größtenteils oft einseitig und geschlechtsspezifisch abgebildet. Flut will präsentieren: die Pflanzenvielfalt, die Geschmäcker, die Schwäche, den Zeitstillstand, die Power, die Farbvarianz, das Kitzeln, unsere Kritik und Zuneigung.“ Dass kein Mann zum Redaktionsteam gehört, sei trotz des Ansatzes ein Zufall, keine Absicht, sagt Paula Willert. In 13 Grundsätzen legen die Autorinnen ihre Grundprinzipien und Leitgedanken fest.

Eine Schaufensterpuppe namens Jerome

Eine Redaktion und eine Vielzahl von Autoren arbeiten an dem Heft, dessen Premiere sich dem Thema Haut widmet: Auf Titelseite, einem Vorspiel genannten Vorwort, Inhaltsangabe und Manifest folgen Fotografien sowie Miniaturen poetischer und erzählerischer Art; schwarz-weiße Detailaufnahmen wechseln sich ab mit grellen Farbfotos, die einen rauchenden Mann zeigen: Geschminkt, mit langen, blondierten Haaren, weißen Netzstrümpfen und quietschbunter Kleidung. Und natürlich offeriert das Heft jene Momente, in denen das Kopfkino anspringt: Zum Beispiel bei dem Foto eines rot geschminkten Frauenmundes, der eine Himbeere umschließt. „Sinnlichkeit ist die kleine Schwester der Erotik“, heißt es in dem Manifest auch.

Die erste Ausgabe ist geschafft. „Je nach Kapazität sollen weitere folgen, wobei wir keinem festgelegtem Rhythmus folgen: Vielleicht ein- bis zweimal im Jahr sollen weitere Hefte folgen“, sagt Paula Willert. Und da das Magazin ohne Anzeigen auskommt, nimmt die Redaktion die Förderung durch den kommunalen Soziokulturfonds und den Studierendenrat der Friedrich-Schiller-Universität dankbar an.

Die Schaufensterpuppe höre auf den Namen Jerome, sagt Anna Ebert. Er ist an diesem Abend eine Art Platzhalter für den fehlenden Mann in der Redaktion. Würde sich dadurch der Blick auf die Erotik verändern? Auch er wird sich an das Manifest halten müssen. Die Wünsche der Redaktion jedenfalls, die im Vorspiel festgehalten sind, sind auf kein Geschlecht gemünzt: „Ruhige besinnliche Minuten“, wird dem Leser gewünscht, „jedoch ebenso durchflutende Emotionen, freiströmende Reaktionen, laufende Nasen, lustschwitzende Hände“ und anderes mehr.

„Flut“ ist seit Freitag erhältlich. Das Magazin kostet 7 Euro und kann per Mail bestellt werden: flut-magazin@web.de

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