Mahnwache nach Tod eines Jenaer Radfahrers: Unfall wirft viele Fragen auf

Jena.  In Jena zeigen Menschen Mitgefühl mit den Hinterbliebenen. Tags zuvor war ein Radfahrer gestorben. Die Stadt gibt Kritikern Recht und kündigt Änderungen an.

Schweigend und mit Kerzen hatten sich am Dienstagabend die Menschen zu einer Mahnwache an der Kreuzung Löbdergraben/Lutherplatz eingefunden.

Schweigend und mit Kerzen hatten sich am Dienstagabend die Menschen zu einer Mahnwache an der Kreuzung Löbdergraben/Lutherplatz eingefunden.

Foto: Foto: Thomas Beier

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Nach dem tödlichen Unfall an der Kreuzung Lutherplatz/Löbdergraben halten Menschen in Jena inne.

Am Dienstagabend versammelten sich auf einen Aufruf des Fahrradclubs ADFC hin etwa 35 Bürger an jenem Ort, an dem am Morgen zuvor ein Radfahrer ums Leben gekommen war. Der 59-jährige Familienvater war an dem Unfall nicht beteiligt.

Ein Autofahrer war zuvor mit einem entgegenkommenden Fahrzeug zusammenstoßen. Er kam daraufhin aus der Spur und raste auf den Radfahrer zu. Nach Angaben der Polizei ergab der Bluttest bei dem Autofahrer 1,1 Promille.

Während der Mahnwache schwiegen die Menschen. Sie standen mit Kerzen an dem Unglücksort. Zu Beginn hatte Barbara Albrethsen-Keck vom ADFC Kontakt zu der Witwe und der Tochter der Mannes. Sie bedankten sich für die Anteilnahme.

Der Unfall wirft viele Fragen auf. Ein grundsätzliches Problem hatte der ADFC im Vorfeld benannt: „Städte müssten endlich zu sicheren Orten für alle Verkehrsteilnehmer werden – und wenn es dafür der Einschränkung und Reduzierung des Autoverkehrs bedürfe, sollte dieses Mittel die Unfallvermeidung allen Verkehrsteilnehmern wert sein“, hieß es in einer Mitteilung.

Diskussion über Sicherheit der Ampelregelung

Im Netz wird auch über die Sicherheit der Ampelregelung diskutiert. Denn genau die Situation, die nun zu dem Unfall führte, ist Wochen zuvor als Mängelmeldung bei der Stadtverwaltung eingegangen.

„An der Kreuzung fehlt eine Grün-Pfeil-Ampel für Linksabbieger vom Lutherplatz in den Löbdergraben!“, schrieb jemand am 1. Juni 2019 ins Mängelmelderportal. Die Linksabbieger stünden durch den vielen Verkehr, der vom Fürstengraben herunter kommt, sehr lange im Kreuzungsbereich. Sie bekommen erst dann die Möglichkeit, den Kreuzungsbereich zu räumen, wenn die Ampel auf der Seite des Fürstengrabens Rot bekomme. Das werde aber nicht signalisiert.

Stadt gibt Bürger Recht

Die Stadtverwaltung gab dem Bürger damals grundsätzlich Recht. „In der nächsten Ausbaustufe der Lichtsignalanlage ist so ein Signal bereits eingeplant“, teilte sie mit und schloss damit die Mängelmeldung ab.

Zugleich wurde auf Probleme hingewiesen, die ein grün leuchtender Pfeil als so genannte signaltechnisch gesicherte Führung neu bringe. Zusätzlich müssen für die neue Phase vorgeschriebene Mindestgrünzeiten und neue Zwischenzeiten eingepflegt werden, wodurch sich wiederum die Freigabezeit aller Furten deutlich verringerte.

Rathaus-Sprecher Kristian Philler sagte, dass die Nachricht vom Montag auch bei den Menschen, die sich mit dem Verkehr in Jena befassen, große Betroffenheit ausgelöst habe.

Ampelregelung entspricht Verkehrsordnung

Am Dienstag überzeugte sich der zuständige Mitarbeiter des KSJ noch einmal, dass die Ampelsteuerung korrekt funktioniere. Die Ampelregelung entspreche der Straßenverkehrsordnung. Und Christopher Helbig vom KSJ fügte hinzu: „Verkehrssicherheit geht immer vor der Flüssigkeit des Verkehrs“. Das heißt: Wenn die Verkehrsbehörde zu der Einschätzung komme, dass an dieser Kreuzung etwas verändert werden müsse, werde dies nicht am Geld oder anderen Dingen scheitern. „Ein Menschenleben ist immer wichtiger!“

Barbara Albrethsen-Keck sieht diesen Handlungsbedarf: Die Kreuzung sei für jeden Verkehrsteilnehmer eine Gefahr. Auch sie plädiert dafür, für Kraftfahrzeuge, die vom Lutherplatz nach links in den Löbdergraben abbiegen wollen, eine Spur samt Ampel-Grün-Pfeil einzurichten.

„Man unterschätzt als Linksabbieger vielleicht die Geschwindigkeit, mit der manche Autofahrer unterwegs sind, die aus dem Fürstengraben kommen.“ Das Gefälle begünstige die Situation noch. Dies könnte zumindest erklären, warum die Wucht des Aufpralls so groß war, dass der Opel gegen die Fußgängerampel geschleudert wurde.

Die Polizei wertet derzeit eine Reihe von Zeugenhinweisen aus, sagte am Dienstag die Sprecherin der Polizei, Steffi Kopp. Weitere Details konnte sie noch nicht sagen. Auch wenn der Mann, der den tragischen Unfall nicht überlebte, im eigentlichen Sinne nicht als Radfahrer ein Opfer wurde: In den vergangenen zehn Jahren habe es in Jena keinen Unfall gegeben, bei dem ein Radfahrer getötet worden sei, sagte Kopp.

Die Polizei bittet mögliche Zeugen des Unfalls um Hinweise. Wer hat gesehen, was die Ampeln für die beteiligten Fahrer zeigten? Wo befand sich der Radfahrer? Telefon 03641/810.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.