Meine Meinung: Das Monster kann sexy sein

Thorsten Büker über die Bonpflicht in anderen Ländern.

Redakteur Thorsten Büker

Redakteur Thorsten Büker

Foto: Foto: Thomas Beier

Und was machen Sie beruflich? Ich bin Finanzbeamter.

Was der Beginn einer wunderbaren Freundschaft hätte sein können, endet an dieser Stelle.

Rüdiger Zart kennt das. Als er noch als Anwalt tätig war, interessierten sich die Menschen zum Beispiel auf Partys für seinen Beruf. Wenn er sich heute als Vorsteher eines Finanzamtes zu erkennen gibt, kommen die Vorurteile so schnell wie die Kollegen von der Steuerfahndung auf der Matte stehen.

Dass manchmal Chancen vergeben werden, das eigene Image aufzupolieren, stimmt leider auch. Emotionen versus Bonpflicht! Dafür ist der Finanzminister in Berlin vielleicht zu sehr durch eine hanseatische Zurückhaltung geprägt. Andere Länder malen das vermeintliche Bürokratie-Monster mit Regenbogenfarben an, um wirksam gegen die Schattenwirtschaft vorzugehen: Portugal, Tschechien und nun auch Italien haben zum Beispiel eine Kassenzettel-Lotterie eingeführt. Kunden sollen verführt werden, sich einen Bon geben zu lassen. Monatlich sind hier Preise bis zu 10.000 Euro vorgesehen, jährlich soll es eine Schlussziehung mit Gewinnen bis zu 1 Million Euro geben.

Angesichts eines Milliardenschadens, den der Staat wegen Steuerbetrugs zu beklagen hat, sind das wirklich Peanuts.

Dass manchmal der Teufel im Detail steckt, ist auch klar: Radio Prag berichtete darüber, dass Spieler nur noch 500 Bons im Monat für die Lotterie anmelden dürfen. In den Medien waren zuvor Berichte aufgetaucht, wonach ein Spieler in einem Monat alleine über 11.000 Kassenbons registriert hatte.

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