Meine Woche: Stoppt endlich diesen Unfug

Thorsten Büker über eine gefährliche Unbekümmertheit.

Thorsten Büker

Thorsten Büker

Foto: Thomas Beier

Und plötzlich Risikogebiet. Zumindest erwarten die Experten, dass am Wochenende die Marke von 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen überschritten wird.

Ausgerechnet Jena. Also die Stadt, die im Frühjahr sehr strikt vorging, bundesweit für Furore sorgte und die Fallzahlen in den Griff bekam.

Natürlich, jetzt wird mehr getestet. Und natürlich liegt die Zahl der aktiven Fälle noch deutlich unter dem Peak, der im April erreicht wurde. Doch die Pandemie schürt wieder Ängste. Es scheint, als ob eine Unbeschwertheit uns fahrlässig handeln lässt. Das fängt beim Nasen-und-Mundschutz an und hört bei der Erfassung von Kontaktdaten auf: Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, wie unterschiedlich dies im Zentrum gehandhabt wird?

Manche Nervosität ist zu spüren: Dass der OB in dieser Situation an die Ostsee gefahren ist, hat für Diskussionen in Teilen der Stadtverwaltung gesorgt. Wie kann er nur! Da geht es dem gewählten, obersten Bürger dieser Stadt genauso wie der niederländischen Königsfamilie. Die bat öffentlich um Entschuldigung, weil sie nach Griechenland flog.

Wir erleben gerade ein Déjà-vu: Die ersten Veranstaltungen werden wieder abgesagt, das Gesundheitsamt ordnete an, dass das griechische Restaurant, das im Zentrum des neuen Infektionsgeschehens steht, bis zum 5. November schließen muss, weitere Einschnitte werden folgen.

In einer Woche enden die Ferien. Und programmiert ist, dass die coronabedingten Einschränkungen an den Jenaer Schulen und Kindergärten zunehmen werden.

Von Grün auf Gelb und dann auf Rot: Wir haben es aktuell vielleicht noch in der Hand, das eigene Verhalten zu ändern und gezielte Eingriffe des Staates zu akzeptieren, um eine exponentielle Ausbreitungsgeschwindigkeit zu verhindern.

Die Maskenpflicht ist kein Eingriff in unsere Grundrechte. Wer das sagt, verbreitet Unfug. Und er handelt fahrlässig.