Milda: Hinter den eisernen Vorhang geschaut mit Lindenberg

Weimar/Milda.  Die Geschichte einer Liebe im geteilten Deutschland, die Geschichte von Udo Lindenberg und Jessi, dem Mädchen aus Pankow, erzählen Schüler aus Jena und Milda auf der Bühne des DNT in Weimar - 30 Jahre nach dem Fall der Mauer.

Alexander Kohlmann hat die Rolle von Udo Lindenberg übernommen. Als die Proben für das Musical begannen, steckte er mitten in den Abiturvorbereitungen. Das Abi hat er in der Tasche, die Rolle als Rocklegende gefällt ihm aber auch sehr. Die Partie des Panik-Orchesters hat die Schulband aus Milda gekonnt übernommen.

Alexander Kohlmann hat die Rolle von Udo Lindenberg übernommen. Als die Proben für das Musical begannen, steckte er mitten in den Abiturvorbereitungen. Das Abi hat er in der Tasche, die Rolle als Rocklegende gefällt ihm aber auch sehr. Die Partie des Panik-Orchesters hat die Schulband aus Milda gekonnt übernommen.

Foto: Angelika Schimmel

Jeder kennt die Lieder, den „Sonderzug nach Pankow“, „Ein Herz kann man nicht reparieren“ oder „Hinterm Horizont“. Denjenigen, der die Lieder geschrieben und gesungen hat, kennt man auch, Udo Lindenberg. Wer die Geschichte noch nicht kennt, die diese Lieder eigentlich erzählen, die Geschichte einer Liebe im geteilten Deutschland, die Geschichte von Udo und Jessi, dem Mädchen aus Pankow, der konnte und kann sie kennenlernen. Am Mittwoch und Donnerstag auf der großen Bühne des Deutschen Nationaltheaters in Weimar.

Erzählt wird die berührende Geschichte einer Liebe, die keine Zukunft haben durfte, von Schülern dreier Schulen aus Jena und Milda. Wobei „erzählt“ nicht beschreibt, was da auf der Bühne abgeht. Da wird gesungen, geträumt, geröhrt, gerockt, getanzt – da wird das Lebensgefühl einer ganzen Generation lebendig, die hinter einer Mauer erwachsen wurde, die sie abschotten sollte von der Freiheit. Und die doch überwunden wurde von Gedanken und Liedern wie denen Lindenbergs.

So macht Geschichtsunterrichtnatürlich viel mehr Spaß

So authentisch wie dies von der Bühne herunter kommt, ist es kaum zu glauben, dass die Akteure oben dieses Leben im geteilten Deutschland gar nicht erleben konnten, weil sie da noch nicht auf der Welt waren. „Wir kannten die DDR-Geschichte ja nur aus den Erzählungen unserer Eltern und Großeltern. Und aus dem Geschichtsunterricht“, sagt Laurenz Wiedemann, der in der Zweitbesetzung neben Alexander Kohlmann in die Rolle von Udo Lindenberg schlüpft. „Wir haben uns auch den Musical-Film angeschaut, und da hat man schon viel mitbekommen, wie die jungen Leute damals gefühlt haben“, ergänzt Simone Pocock, die am Donnerstag die „Jessi“ spielt. Für Sarah Müller, hier die Journalistin Mareike, die die Love-Story von Udo und Jessi recherchiert hat, ist es klar: „Es macht hundert Mal mehr Spaß als eine Geschichtsstunde, wenn man die Geschichte selber spielt“.

Dass es bei den beiden Jungen nicht bei einem Lindenberg-Film blieb in den vergangenen gut anderthalb Jahren, seit sie an dem Stück arbeiten, erzählen sie freimütig. „Klar haben wir uns immer wieder angeschaut, wie Udo geht, wie er auf der Bühne agiert, welche Bewegungen er macht und haben es nachgemacht.“ Wie sie das erzählen, mit typischer tiefen Udo-Nuschel-Stimme, könnte man glauben, der Star souffliert irgendwo aus dem Hintergrund. Selbst Noah Fischer, in Lindenbergs Panik-Orchester Saxophonist und hier künstlerischer Leiter des „Hinterm Horizont macht Schule“-Projektes der Udo-Lindenberg-Stiftung, ist erstaunt, mit welcher Professionalität die Schüler agieren. „Unglaublich, was man mit Kindern in einem Jahr schaffen kann, wir bringen hier ein echt professionelles Ding auf die Bühne“, sagt er. Am meisten begeistere ihn, „welch Riesensprung viele der jungen Künstler in ihrer Persönlichkeitsentwicklung während des Projektes gemacht haben“. Genau das sei auch Anliegen des Projektes.

Auch Schulleiter Carsten Krüger, Oliver Paepcke, Chef des Schulvereins, und Musiklehrer André Köhn, dem zu verdanken ist, dass die Lindenberg-Stiftung nach Milda kam, sind von ihren Schülern begeistert. „Der ganze Aufwand, den wir und unsere Sponsoren für dieses Projekt betrieben haben, hat sich gelohnt, man muss nur schauen, wie die Augen der Kinder da oben leuchten“, sagt Paepcke. „Hinterm Horizont“ erlebte am Mittwochabend in Weimar seine Premiere, es folgen zwei Vorstellungen am Donnerstag, für die es noch einige wenige Restkarten gibt.

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