Nach Niederlage gegen Mannheim: FCC-Trainer Kwasniok geht mit Spielern hart ins Gericht

Jena  Gegen Waldhof Mannheim unterlag der FC Carl Zeiss Jena am Sonntag mit 1:2. Die Saalestädter konnten in der neuen Saison noch keine Punkte einfahren. Trainer Kwasniok nahm kein Blatt vor den Mund.

Kurz vor der erneuten Mannheimer Führung vergibt Jenas Daniele Gabriele (rechts) hier kläglich gegen Waldhofs Markus Scholz.

Kurz vor der erneuten Mannheimer Führung vergibt Jenas Daniele Gabriele (rechts) hier kläglich gegen Waldhofs Markus Scholz.

Foto: Tino Zippel

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Das war zu wenig: Der FC Carl Zeiss Jena hat auch das fünfte Saisonspiel in der 3. Fußball-Liga verloren und damit einen Negativrekord aufgestellt.

Nach einer indiskutablen Leistung beim 1:2 gegen den SV Waldhof Mannheim am Sonntag vor 6245 Zuschauern im Ernst-Abbe-Sportfeld rang Trainer Lukas Kwasniok sichtlich nach Fassung. „Ich würde gerne vor euch voller Stolz sitzen, aktuell ist es voller Scham“, sagte er auf der Pressekonferenz.

Die Spieler durften gar nicht vor die Mikrofone treten und so blieb es dem Jenaer Fußball-Lehrer vorbehalten, die ganz schwache Leistung, bei der der FC Carl Zeiss Jena eigentlich deutlich höher hätte verlieren müssen, zu erklären.

Kwasniok, der in der Woche gesundheitlich angeschlagen war, nahm kein Blatt vor dem Mund und zählte seine Kicker mit Blick auf deren Einstellung an. „Wenn die Spieler langsam nicht aufwachen, werden sie dem Verein schaden auf der einen Seite“, sagte er. „Aber auf der anderen Seite werden sie ihrer eigenen Laufbahn schaden. In diesem Zustand, in dieser mentalen Bereitschaft zu leiden, ist es ihre letzte Station.“

Größte Manko: anfällige Defensive

Schon nach zwei Minuten geriet der FC Carl Zeiss in Rückstand. Völlig unbedrängt hatte Marian Sarr zuvor zur Ecke für den starken Aufsteiger aus Baden-Württemberg geklärt. Der nutzte den Standard zur Führung durch Marcel Seegert.

In der Folge wurde das größte Manko des punktlosen Tabellenletzten sichtbar: die anfällige Defensive. Die Jenaer rettete nur Torhüter Jo Coppens, die Latte und das Mannheimer Unvermögen vor einem höheren Rückstand. „In der ersten Halbzeit musst du 2:0, 3:0 in Führung gehen, dann wird es leichter“, sagte Waldhof-Trainer Bernhard Trares. Das Geburtstagskind musste so noch einmal zittern, als Daniele Gabriele auf dem Nichts zum Ausgleich traf. Das Tor hatte Slapstick-Charakter. Nach einer Flanke von Jenas Marius Grösch verpatzte Ole Käuper den Fallrückzieher. Der Ball landete bei Kilian Pagliuca. Sein geblockter Versuch wiederum kam durch Zufall zu Gabriele, der ihn zum Ausgleich im Tor von Markus Scholz unterbrachte (23.). Weil die Mannheimer Chancenauswertung auch danach „sehr, sehr mäßig“ blieb, wie Trares monierte, blieb es nach 45 Minuten beim 1:1.

Nach der Kabinenansprache in der Pause habe sich Kwasniok dann sehr „alleingelassen“ gefühlt. Nur zweieinhalb Spieler – namentlich nannte er Coppens, Gabriele und Zugang Raphael Obermair – hätten eine ordentliche Einstellung an den Tag gelegt. Bei den anderen habe er im Laufe des Spiels „den Glaube verloren“. Stückwerk „mit extrem vielen Fehlern“ und eine „fragwürdige Performance“ bescheinigte er seinen Mannen, die sich viel zu häufig „im Kleinklein“ verloren hätten.

Weil Garbriele nach feinem Pass von Eroll Zejnullahu dann auch noch kläglich vergab (62.), kam es, wie es kommen musste. Ein unnötiges Foul von Tim Kircher, der konditionelle Probleme offenbarte, führte zu einem Freistoß der Mannheimer von der Jenaer Strafraum-Seite. Dessen Verlängerung landete auf dem Gebälk. Der schlechte geklärte Versuch landete wiederum bei den Mannheimern, die aus abseitsverdächtiger Position in die Mitte passten. Und dort spielte sich eine für Jenas Hintermannschaft in dieser Saison symptomatische Szene ab. Grösch klärte an den eigenen Pfosten, der Ball sprang zu Valmir Sulejmani, der ihn ins Tor köpfte (64.).

„Schülermannschaft in reinster Form“

Über die vermeintliche Fehlentscheidung diskutierte im Anschluss keiner, weil der Aufsteiger dem Führungsausbau stets näher war, als der FC Carl Zeiss dem Ausgleich. Kwasniok, dessen Aus in Jena bei vereinzelten Rufen gefordert wurde, sagte: „Ich vertraue den Jungs nach wie vor, aber ich erwarte, dass sie sich für diesen Verein, für uns alle hier, den Allerwertesten aufreißen.“ Dass zwischen der Mannschaft und ihm etwas nicht stimme, sei „Quatsch“. Doch von den ordentlichen Ansätzen in den vergangenen Wochen „kannst du dir nichts kaufen“. Der Auftritt seines FC Carl Zeiss habe ihn an eine „Schülermannschaft in reinster Form“ erinnert, sagte der Trainer.

Den freien Tag am heutigen Montag hat er gestrichen. „Wir werden uns treffen, die Dinge neu bewerten, alles hinterfragen.“ Das ist angesichts der Leistung auch bitter nötig.

Präsident spricht Kwasniok Vertrauen aus

Gefasst bezog Klaus Berka, Präsident des FC Carl Zeiss Jena, am Sonntag Stellung zur Krise im Paradies. „Derzeit steht bei uns eine Trainerdiskussion nicht an“, sagte er und attestierte Lukas Kwasniok, die richtigen Worte nach der 1:2-Niederlage gegen Waldhof Mannheim gefunden zu haben.

„Er hat sicherlich jetzt noch Zeit, die Mannschaft zu formen, wie er sich das vorstellt. Wir sind nicht ungeduldig“, meinte der Präsident, der kein Ultimatum stellen wollte. Doch auch Berka weiß: „Erfolg gehört zum Fußball dazu.“ Die Fans „wollen ihre Mannschaft siegen sehen. Das erwarten wir alle, ich genauso wie der Trainer“. Die Spieler hätten laut Berka viel Potenzial, aber gerade im mannschaftsdienlichen Bereich könnten sie es aktuell nicht abrufen.

Noten

  • Jo Coppens 2,5
  • Raphael Obermair 3,5
  • Marius Grösch 5,0
  • Marian Sarr 5,0
  • Tim Kircher 5,0
  • René Eckardt 5,0
  • Nico Hamann 4,0
  • Daniele Gabriele 3,5
  • Ole Käuper 4,5
  • Eroll Zejnullahu 4,0
  • Kilian Pagliuca 4,5
  • Julian Günther-Schmidt 4,5
  • Anton Donkor –
  • Niklas Jahn –

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