Neubau am Jenaer Stadion beginnt mit Foul am Radfahrer

Jena  Der Radweg von der Innenstadt nach Lobeda ist seit Montag dicht: Radler fahren jetzt auf einer zwei Kilometer längeren Umleitung.

Der Bahnübergang an der Straßenbahnstrecke in der Oberaue: Bis zu 70 Stundenkilometer schnell können die Straßenbahnen in Jena fahren.

Der Bahnübergang an der Straßenbahnstrecke in der Oberaue: Bis zu 70 Stundenkilometer schnell können die Straßenbahnen in Jena fahren.

Foto: Thomas Beier

Das ist der Anpfiff für den Umbau des Ernst-Abbe-Stadions in eine Fußballarena: Ganz im Süden der Oberaue wird als Erstes die neue Südzufahrt zum Stadiongelände gebaut. Sie zweigt in Höhe Neuwöllnitz von der Schnellstraße ab.

Das Nachsehen hatten am Montag Radler auf Jenas wichtig­stem Radweg vom Stadtzentrum nach Lobeda. Der wurde kurzerhand dicht gemacht, damit hier gebaut werden kann. Viele Radler schoben ihr Zweirad dennoch über die Gleise. Unter lautem Gebimmel herannahender Straßenbahnen.

Ein junger Mann, der als Pfleger im Jenaer Universitätsklinikum arbeitet, zeigte sich ungehalten: „Wieso wird bei Baumaßnahmen nicht an Radfahrer gedacht“, fragte er. Der Pfleger hatte kurz zuvor beobachtet, wie eine junge Familie ihre Räder über die Gleise schob und fürchtete schon, die Leute bald als Patienten wiederzusehen. Beate Nagler aus Lobeda schob ihr Rad ebenfalls um die Absperrungen herum.

Laufen und das Rad schieben könne man offenbar

„Das Sackgassenschild steht viel zu spät vor dem gesperrten Radweg“, sagte sie, da werde sie nicht den ganzen Weg zurückfahren. Außerdem sei ja nur Durchfahren verboten. Laufen und das Rad schieben könne man offenbar.

Barbara Albrethsen-Keck vom Vorstand des Radfahrerclubs ADFC machte sich am Vormittag in die Spur, um sich ein Bild zu machen. „Die Umleitungsschilder sind nicht von Menschen aufgestellt worden, die mit dem Rad unterwegs sind“, sagte sie der Zeitung. Nutzer des Radweges an der Schnellstraße sollen nämlich auf die andere Seite der Saale wechseln.

Dazu sollen sie von Lobeda kommend nach Burgau abbiegen, über den Burgauer Weg am früheren Erdbeerfeld vorbei bis zur Lichtenhainer Brücke fahren und dann über die Saale zurück auf den Radweg fahren. Der Umweg dürfte fast zwei Kilometer lang sein. Albrethsen-Keck bemängelt auch, dass die Ausschilderung in der von Saaleradwanderern bevorzugten Richtung sehr spät erfolge.

Bald gebe es auch keine Möglichkeit mehr, das Hindernis zu Fuß zu überwinden

Vor Ort erfuhr die Zeitung, dass die Bauarbeiten bis zum nächsten Frühjahr dauern sollen. Da der Bereich sehr großflächig umgebaut werde, gebe es sehr bald auch keine Möglichkeit mehr, das Hindernis zu Fuß zu überwinden. Weil auch die Westseite des Straßenbahnübergangs angefasst werde, sei auch die Sperrung des gleisparallelen Radweges erforderlich. Damit fällt dieser als deutlich kürzere Umleitung aus.

In der Baustellenvorschau der Stadtverwaltung kommt die halbseitige Sperrung der Lobder Richtungsfahrbahn für den Kfz-Verkehr zwar vor, die Komplettsperrung des Radweges wird jedoch nicht erwähnt. Barbara Albrethsen-Keck regte an, als Radumleitung die alte Wöllnitzer Straße auszuweisen. Der Umweg für Radler sei dann nur noch ein paar hundert Meter lang.

„Die Lösung kann nicht heißen, dass Radfahrer jetzt lange Zeit die große Runde fahren müssen“, sagte Lutz Jacob vom Beirat für Radverkehr des Jenaer Stadtrates. Jacob hat einen Umleitungsvorschlag, der fast schon revolutionär erscheint. Einfach zwei Meter auf der Schnellstraße vorübergehend für den Radverkehr freigeben!

Warum eine neue Zufahrt zum Stadion?

Der Stadtrat hat am 26. Februar 2014 beschlossen, dass das Ernst-Abbe-Sportfeld in ein reines Fußballstadion umgebaut werden soll. Die Umwandlung in eine bundesligataugliche Fußballarena geschieht unter der Voraussetzung einer substanziellen Förderung durch das Land und eines angemessenen Eigenanteils des Fußballclubs Carl Zeiss Jena. Die Leichtathleten werden ausgelagert.

Eine neue Stadionzufahrt ist erforderlich, um eine zusätzliche Zufahrt für Gästemannschaften sowie Polizei und Feuerwehr zu schaffen. Gegnerische Fanmannschaften mussten mit ihren Bussen bisher den Haupteingang nehmen, was bisweilen zu unschönen Begegnungen führte.

Dadurch entsteht eine weitere Ampel an der Stadtrodaer Straße, die aber nur bei Bedarf in Betrieb gehen soll.

Die heutige Hauptzufahrt bleibt Haupteingang und soll zur „großzügigen Zugangszone mit Verbindung zum Saaleufer, Verweilzone und Veranstaltungsfläche auch außerhalb des Stadionbetriebs“ verschönt werden.

Die Investitionskosten rund ums Stadion werden auf 52 Millionen Euro geschätzt. Davon entfallen auf Infrastruktur 7 Millionen Euro, die von der Stadt kommen. Zum eigentlichen Stadionbau wird Jena zudem 29 Millionen Euro zuschießen, wovon 26 Millionen Euro als Ratenkredit über 25 Jahre beim noch zu findenden Betreiber abgestottert werden.

Der Radweg soll am 17. September unter Sonstiges bei der Rad-Beiratssitzung besprochen werden. Diese beginnt 17 Uhr im Beratungsraum Am Anger mit der Vorstellung der neuen Mitglieder des Gremiums.

Meine Meinung: Dann fahr doch über Burgau

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