Saale-Holzland: Viel Platz für Kinder in der Notbetreuung

Golmsdorf.  Alte Computer und schlechte Internet-Verbindungen an Schulen: Trotzdem machen Lehrer und Eltern es im Saale-Holzland-Kreis möglich, dass Aufgaben in die „Schule zu Hause“ übermittelt werden können.

Trixi und Anton Müller haben zur Zeit viel Platz auf dem Schulhof ihrer Grundschule in Golmsdorf. Die Geschwister sind die einzigen Schüler, die in dieser Woche die Notfallbetreuung in der Schule in Anspruch nehmen, ihre Eltern arbeiten als Krankenschwester und Polizist. Schulleiterin Jana Kilian und ihr Stellvertreter Georg Schollän und eine Erzieherin sind vor Ort, alle anderen arbeiten zu Hause.

Trixi und Anton Müller haben zur Zeit viel Platz auf dem Schulhof ihrer Grundschule in Golmsdorf. Die Geschwister sind die einzigen Schüler, die in dieser Woche die Notfallbetreuung in der Schule in Anspruch nehmen, ihre Eltern arbeiten als Krankenschwester und Polizist. Schulleiterin Jana Kilian und ihr Stellvertreter Georg Schollän und eine Erzieherin sind vor Ort, alle anderen arbeiten zu Hause.

Foto: Angelika Schimmel

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Trixi ist zufrieden mit sich. Sie hat heute ganz schön was geschafft: drei Seiten mit Mathe-Aufgaben hat sie abgearbeitet. „Alles Aufgaben mit mal und geteilt, aber ich habe für alle ein Ergebnis“, freut sie sich. Trixi geht in die dritte Klasse der Staatlichen Grundschule „Im Gleistal“ in Golmsdorf. Dort hat sie, wie schon gestern, auch am Dienstag gelernt und geübt. Allerdings war das Klassenzimmer ziemlich leer um sie herum. Nur Anton, ihr großer Bruder, saß in der Nähe und hat über seinen Aufgaben geschwitzt.

15 Schüler könnten die Notbetreuung in Anspruch nehmen

„Wir haben einen Wochenplan, 16 Bögen mit Aufgaben, ganz schön viele sind das, die wir erarbeiten müssen“, erzählt der Viertklässler. Aber er könne sich selbst einteilen, was er wann mache, das finde er gut. Die beiden Geschwister sind die einzigen Schüler der Grundschule, die in dieser Woche die Notbetreuung durch Lehrer und Erzieher in Anspruch nehmen.

„Ihre Eltern arbeiten als Krankenschwester auf der Intensivstation im Krankenhaus beziehungsweise als Polizist, die werden auf Arbeit dringend gebraucht“, erklärt Schulleiterin Jana Kilian. „Eigentlich haben wir 15 Schüler, die die Notbetreuung in der Schule in Anspruch nehmen könnten, weil ihre Eltern in wichtigen Bereichen unverzichtbar sind, etwa im Gesundheitswesen, bei der Polizei oder in Unternehmen, die zur wichtigen Infrastruktur gehören wie Energie oder Versorgung. Aber es müssen ja immer beide Elternteile zu den festgelegten Kategorien gehören. Und viele Familien haben die Kinderbetreuung offenbar doch gut geregelt bekommen“, sagt Kilian.

Ähnliches berichtet auch die Schulleiterin der Grundschule in Camburg, Katrin Heewig. „Wir hatten gestern zwei Kinder im Haus, am Dienstag nur noch eins, dessen alleinerziehende Mutti in einer Arztpraxis arbeitet“, sagt sie. Vorbereitet sei man aber auf mehrere Kinder. Früh kümmert sich eine Lehrerin um die Kinder, nachmittags eine Erzieherin. „Möglicherweise kommen nächste Woche zwei, drei Kinder mehr. Wir wissen von Eltern, dass sie bisher mit versetztem Urlaub die Betreuung organisiert haben, doch irgendwann ist jeder Urlaub zu Ende. Und wir haben Kinder, deren Muttis in Supermärkten arbeiten, die auch Anspruch auf die Notbetreuung haben“, sagt Heewig.

Für den Jungen, der jetzt quasi auf eine „Privatschule“ geht, heißt das jedoch nicht, dass er besonders viel Hilfe von den Pädagogen bekommt. „Er arbeitet relativ selbstständig, wie die anderen Mitschüler zu Hause auch.“ Die Aufgaben, die die Schüler gestellt bekommen, werden auf der Internetseite der Grundschule im Saaletal, sortiert nach Klassen, veröffentlicht. Dort finden sich Aufgabenstellungen – so übt die zweite Klasse in dieser Woche, Wörter mit „ie“ und „i“ zu unterscheiden, und liest im Lesebuch eine Geschichte vom Schmetterling sowie Texte, die Wissenswertes über eine Wiese verraten. Die Viertklässler sind unter anderem aufgefordert, ein Frühlingsgedicht auswendig zu lernen.

Schulen sind nicht fit für digitalisiertes Lernen und Lehren

Auch die Schüler der Grundschule im Gleistal sind mit Aufgaben von den Lehrern gut versorgt worden. Das Pädagogenteam hat hier auf der Schul-Internetseite sogar ein Forum eingerichtet, über das die Eltern ihre Fragen an Pädagogen loswerden können, und über das sie sich auch gegenseitig helfen können. „Die Digitalisierung ist an unserer Schule leider nur rudimentär, unser Computerkabinett hat lediglich einen 12-kB-Datenanschluss, das reicht nicht einmal, um eine Verbindung zu einer kinderfreundlichen Suchmaschine aufzubauen. Golmsdorf hat ja nicht einmal Breitbandanschluss“, berichtet Georg Schollän.

Der junge Lehrer, der als Stellvertreter der Schulleiterin agiert, hat auf Anregung eines Vaters das Internet-Forum aufgebaut, in dem per Dropbox Aufgaben heruntergeladen und die Eltern Hilfestellung bei den Schulaufgaben bekommen können. „Ein Cloud-Server wäre da sehr nützlich gewesen, doch den haben wir nicht“, sagt er. Corona zeige leider gerade, dass die Schulen in Thüringen für die Digitalisierung nicht bereit seien. Und es gebe manches zu bereden oder zu erklären. „Manchmal werden die Aufgabenstellungen von den Eltern nicht gleich verstanden, und manchmal sind es ganz banale Fragen wie: Sollen die Erstklässler mit Bleistift oder Füller schreiben?“ Da habe es in manchen Familien ernste Auseinandersetzungen gegeben, wo Schulanfänger sich weigerten, zum Füller zu greifen, weil sie noch keinen „Füller-Pass“ von ihrer Lehrerin bekommen hatten. Die Lehrerin Frau Taubert werde nun den entsprechenden „Füller-Pass“ per Internet verschicken, damit alles seine Ordnung habe, erzählt Schollän lachend.

Dinge erledigen, die sonstim Schulalltag untergehen

Dass es für die Golmsdorfer Schulkinder keine Lernpause gibt, sondern jeder mit Aufgaben gut versorgt ist, und auch die Notbetreuung gut funktioniere, sei auch dem großen Engagement der Eltern und besonders der Klassenelternsprecher zu danken, sagt Jana Kilian. „Sie haben uns in den letzten Tagen viel Arbeit abgenommen, haben die Kommunikation unter den Eltern organisiert und auch erfragt, welche Kinder notfalls betreut werden müssten. So hatten wir den Freiraum, am Wochenende alles für die ,Schule zu Hause’ zu organisieren und zu planen“, berichtet die Schulleiterin. Während sie und ihr Stellvertreter den Dienst in der Schule übernommen haben, sind ihre anderen Kollegen zu Hause. „Aber auch sie haben Aufgaben bekommen, zum Beispiel erarbeiten sie schulinterne Lehrpläne für alle Fächer, mit denen Vertretungslehrer künftig gut gerüstet sind.“ Auch die Hausordnung müsse endlich einmal überarbeitet werden. Alles Dinge, die sonst im Schulalltag untergehen.

Im Saale-Holzland-Kreis sind nach Auskunft des Landratsamtes in Eisenberg in der 13. Kalenderwoche insgesamt zwischen 40 und 50 Schüler für die Notbetreuung an 16 Grundschulen angemeldet worden. An zwei Regelschulen und einer Gemeinschaftsschule werden fünf größere Kinder betreut, dazu ein Schüler eines Gymnasiums.

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