Thomas Stridde über Nachwuchswerbung und Jenaer „Schlüpfermarkt“

Superlative! Und immer schön dick auftragen! – Nein, nein und noch mal nein; die althergebrachten Werkzeuge der Werbung greifen immer weniger in der Flut aller schönen Verheißungen.

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Superlative! Und immer schön dick auftragen! – Nein, nein und noch mal nein; die althergebrachten Werkzeuge der Werbung greifen immer weniger in der Flut aller schönen Verheißungen. Es ist wie mit der Schlagsahne – sehr viel davon kriegt man wirklich nicht runter.

Im Kampf um den branchenübergreifend knappen Berufsnachwuchs zum Beispiel fällt deshalb in Jena die Filiale einer Blumenhandelskette mit ihrer eher ironischen Werbung auf. „Da blüht Dir was“, so werden künftige Floristinnen und Floristen mit Postern am Kirchplatz umworben. – Und noch verheißungsvoller dieser Spruch: „Hier musst Du schnittfest sein!“ Ist Hannibal Lecter in einer Werbeagentur untergekommen?

Eine wahrlich lautere Form der Werbung zog in dieser Woche wieder viele Leute an beim Jahrmarkt, der doch in der Tat viel mehr ist als ein – gern salopp verallgemeinert – ­Schlüpfermarkt. Die Rede ist von einer Dame, die lauthals, aber schon heiser in der Löbderstraße ihre Präsentation von Gemüse-Schneidewerkzeugen kommentierte. Wie sie ratzfatz Gurken, Zwiebeln und Zucchini zerhobelte – Respekt!

Neben der Wipp-Schneide gefiel dem Reporter ganz besonders die Spaghetti-Schneide. Die Gurke sah super fix so aus, wie die Schneide heißt. Und wenn man dann doch lieber keinen Spaghettigurken-Salat haben möchte? – Die Dame ging übers Gurkenhäufchen mit dem wiegebewegten Riesenmesser drüber, das wohl selbst dem schnittfestesten Etwas trotzen könnte. „Fürs Tzatziki“, sagte sie.

Hannibal Lecter hätte nicht in der Nähe sein dürfen.

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