Familienkarte für Kinderreiche: Thüringenweite Hilfe für Familien läuft an

Seitenroda  Nach langem Kampf gibt es auch in Thüringen einen Familienkarte für Kinderreiche. Der Verband kinderreicher Familien zieht eine erste Bilanz.

Gemeinsam geht‘s besser: Ob nun das Brunnenrad auf der Leuchtenburg gedreht  oder der Alltag einer Großfamilie funktionieren soll. Das wissen diese Kinder aus drei der insgesamt 283 kinderreichen Thüringer Familien aus eigner Erfahrung.

Gemeinsam geht‘s besser: Ob nun das Brunnenrad auf der Leuchtenburg gedreht  oder der Alltag einer Großfamilie funktionieren soll. Das wissen diese Kinder aus drei der insgesamt 283 kinderreichen Thüringer Familien aus eigner Erfahrung.

Foto: A. Schimmel

Einen Ausflug in den Erfurter Zoo, in einen großen Freizeitpark oder gar ein Urlaub in Familie an die See oder ins Gebirge? Klar doch, darüber freut sich jedes Kind. Wenn aber vier, fünf oder sechs Kinder zur Familie gehören, dann ist die Finanzierung solcher Unternehmungen für die Eltern schon ein ungeheurer Kraftakt. Und für manche ein Ding der Unmöglichkeit.

„Schon ganz normale Ausflüge in ein Freizeitbad, ein Museum oder andere touristische Attraktionen stellen Familien mit mehr als zwei Kindern oft vor Probleme“, erklärt Donatha Castell. „Denn eine günstige Familienkarte gilt meist nur für Eltern und zwei Kinder, für Kind Nummer drei, vier oder fünf muss der normale Eintrittspreis bezahlt werden. Das summiert sich“, betont das Vorstandsmitglied des Thüringer Verbandes Kinderreicher Familien am Rande des Jahrestreffens auf der Leuchtenburg am Sonnabend.

Dass Großfamilien nicht die gleichen Vergünstigungen wie solche mit nur zwei Kindern bekommen, ärgert die Betroffenen schon lange. „Wo Familie draufsteht, soll auch die ganze Familie reinkommen, oder?“ fragt sie.

Seit 1. Januar gibt es in Thüringen die Mehrkindfamilienkarte

Deshalb hat sich der Interessenverband stark gemacht, hier Veränderungen zu erreichen. Es habe viele Argumente und Gespräche mit Kommunalpolitikern, Mitarbeitern von Ämtern, Betreibern von Freizeiteinrichtungen und mehr gebraucht. „Doch wir haben es geschafft“, freut sich Katrin Konrad, die Vereinsvorsitzende. Seit 1. Januar gibt es in Thüringen die Mehrkindfamilienkarte, die viele Freizeitvergnügen nun auch Kindern mit vier, fünf oder mehr Geschwistern ermöglicht. Finanziell gefördert wird die Karte – vorerst für ein Jahr – vom Land Thüringen aus dem Programm für solidarisches Zusammenleben der Generationen.

Wie die Mehrkindfamilienkarte beantragt werden kann

„33 Einrichtungen sind unsere Partner, vom Botanischen Garten Jena über den Kletterpark Eisenach und die Oberweißbacher Bergbahn bis zu den Galaxsea und Saalemaxx-Freizeitbädern und der Wartburg“, zählt sie einige auf. Auch der Jugendherbergsverband Thüringen sponsert den kinderreichen Familien die Mitgliedschaft für ein Jahr – so dass ein Urlaub mit der Großfamilie zu einem bezahlbaren Vergnügen werden kann.

Mit einem Imagefilm will der Verband der kinderreichen Familien für diese werben, und bei potenziellen Projektpartnern, aber auch in der Gesellschaft überhaupt auf die Probleme kinderreicher Familien aufmerksam machen. Und davon gebe es noch genug, versichern alle Teilnehmer am Jahrestreffen des Verbandes.

Fahrgeld zum Gymnasium und steigende Müllgebühren belasten Familien

Von den Problemen bei der Suche nach einer passenden Wohnung für ihre zehnköpfige Patchwork-Familie berichteten Mandy und Matthias aus Sollstedt. Aber auch von der Schwierigkeit, Job und Familie unter einen Hut zu bringen ohne Auto und mit weiten Wegen zu Kindergarten und Schule. Den „schleichendem Rückgang von Zuschüssen für Kinderreiche“ im Saale-Orla-Kreis und Saalefeld-Rudolstadt beklagte David Vockeroth aus Lehesten. Als Beispiel benennt er die Selbstbeteiligung für das Fahrgeld zum Gymnasium für Elft- und Zwölftklässler von 15 auf 45 Euro oder Müllgebühren, die nach neuer Berechnungsformel die zehnköpfige Familie mit 508 Euro statt bisher 270 Euro belasten.

Mit Blick auf die demografische Entwicklung im Land hätten kinderreiche Familien durchaus mehr gesellschaftliche Anerkennung verdient, meinte auch Peter Winkler von der Town&Country-Stiftung. Diese unterstützt das Anliegen des Landesverbandes seit langem. Einen Scheck über 1000 Euro hatte Winkler mitgebracht für das Projekt Mehrkindfamilienkarte. Weil von dieser in Thüringen rund 1200 Kinder profitierten, sei jede Unterstützung gut angelegtes Geld, ist er überzeugt.

Infos: www.familienkarte-thueringen.de

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