Trauer in Jena: Der den Sommernachtstraum wagte

Jena.  Katrin Lemke und Roland Petersohn erinnern an Bernd Peter, den verstorbenen ehemaligen Leiter des Jenaer Angergymnasiums

Bernd Peter, der langjährige Leiter  des Angergymnasiums, ist 78-jährig verstorben.

Bernd Peter, der langjährige Leiter des Angergymnasiums, ist 78-jährig verstorben.

Foto: Peter Michaelis

Er sei ein „außergewöhnlicher“ Schuldirektor gewesen. So erinnert sich die pensionierte Deutschlehrerin Katrin Lemke (68) an Bernd Peter, ihren langjährigen Kollegen und ehemaligen Leiter des Angergymnasiums. Bernd Peter ist am 6. Oktober nach langem Leiden 78-jährig verstorben. Außergewöhnlich? Die Funktion des Schulleiters als „Macher“ habe ihn „nie so beherrscht, dass er das Menschsein vergessen hätte“, sagt Katrin Lemke. „Ich kann mich nicht erinnern, dass er einmal die Nerven verloren hätte.“ Gleichwohl war Bernd Peter in besonderer Weise nach 1990 eine prägende Persönlichkeit in der vielgelobten Jenaer Bildungslandschaft, und dies im bewahrenden Sinne: Nach dem Jahr 2000 kursierten in der Stadtpolitik Überlegungen, das Angergymnasium – zu DDR-Zeiten die Erweiterte Oberschule (EOS) „Johannes R. Becher“ – aufzugeben. Eine Art Kompromiss war der Fortbestand samt Umzug (2006) des Gymnasiums in die frühere Ostschule, indessen das Stammhaus Anger 26 für das Stadtentwicklungsdezernat der Jenaer Verwaltung umfunktioniert wurde. „In diesem Prozess hat Bernd Peter eine phantastische Rolle gespielt“, sagt Katrin Lemke. Sie kam gemeinsam mit Bernd Peter 1985 an die Becher-EOS und erinnert sich, wie in den folgenden „Gorbatschowjahren“ bereits die Luft gebrannt habe an jedem Unterrichtstag. „Da mussten wir vor der Klasse mit allen unseren Ansichten da sein.“ – Womit Katrin Lemke eine gewisse Folgerichtigkeit andeutet: 1990 wurde Bernd Peter vom Kollegium demokratisch als neuer Schulleiter gewählt und nicht wie sonst üblich amtlich bestellt.

Roland Petersohn (58) ist Bernd Peter ebenfalls besonders verbunden. Und dies nicht nur als der heutige Leiter des Angergymnasiums und als ehemaliger Schüler an der Becher-EOS. Bernd Peter habe ihn, den damaligen Englisch-Dozenten an der Jenaer Mefa, um Hilfe beim Unterrichten des Englisch-Leistungskurses gebeten. Bis 2002 erfüllte er diese Aufgabe, inbegriffen das Prinzip „Learning by eating“, das Petersohn als Untermalung mit den Waren aus Vaters Fleischerei pflegte. Später folgte eine noch engere außergewöhnliche Kooperation: Zwei Schülerinnen hatten Bernd Peter ersucht, eine Inszenierung von Shakespeares „Sommernachtstraum“ in Englisch zu ermöglichen. Katrin Lemke: „Er war ein empathischer Mensch, der Impulse von Schülern aufnahm und sie dann mitzog.“ Und so fand Regisseur Peter in Dramaturg Petersohn den idealen Partner, zumal Petersohn damals Vizepräsident der Shakespearegesellschaft war. Wie Bernd Peter die Shakespeare-Inszenierungen vier Schuljahre nacheinander aufrechterhielt, ist Katrin Lemke und Roland Petersohn ein Rätsel. Beim allgemeinen Unterrichtsschluss gegen 14 Uhr seien Lehrer gemeinhin „durch den Fleischwolf gedreht“, sagt Katrin Lemke, die obendrein von Bernd Peter wisse, dass er „an sich hektisch und chaotisch“ gewesen sei, ohne dass er das jemals nach außen hätte wirken lassen. Schulleiter Petersohn ist schon gefragt worden, ob er den Anger-Shakespeare nicht weiterpflegen wolle. „Ich würde gern. Ich schaffe es aber nicht.“