Tunnelbau in Rothenstein ist „riskantes Unternehmen“

Rothenstein.  Ein Geologe erklärt den problematischen Schichtenaufbau des Rothensteiner Felsens. Derzeit klären Statiker, wie am Südportal weiterverfahren werden kann, um die letzten Meter des 385 Meter langen Tunnels durchzubrechen.

Am künftigen Südportal des Tunnels in Rothenstein stehen die Arbeiten derzeit still.

Am künftigen Südportal des Tunnels in Rothenstein stehen die Arbeiten derzeit still.

Foto: Katja Dörn

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Die geologischen Probleme beim Tunnelbau in Rothenstein und die damit verbundenen Verzögerungen (wir berichteten) haben allerhand Vergleiche hervorgerufen: Das Projekt wird im sozialen Netzwerk Facebook zum zweiten Berliner Flughafen oder in Anlehnung an Stuttgart 21 zu Rothenstein 21 ernannt. Die Menschheit fliegt zum Mond, kann aber keinen Tunnel bauen, spottet ein Nutzer. Ganz so einfach ist es nicht.

Klaus Götze, Geologe und Kenner des Areals durch frühere Arbeiten, hält die Probleme der Tunnelbauer für nachvollziehbar. „Es ist ein riskantes Unternehmen“, sagt er mit Blick auf die unterschiedliche Festigkeit des Sandsteins und die zusätzlich wirkenden Schwerkräfte auf das Gestein.

Er erklärt: Die Buntsandstein-Schicht entstand vor etwa 250 Millionen Jahren und ist an sich sehr kompakt mit gutem Bindemittel. Doch mit den Jahrmillionen wurde immer wieder Material abgespült, Sedimente abgesetzt oder Gestein durch gefrierendes Wasser in den Eiszeiten herausgesprengt. Und da auch das Grundwasser über den Rothensteiner Felsen durchsickert, kann die Festigkeit des Buntsandsteins variieren, sagt Götze.

Austretendes Schichtwasser bemerkten die Projektbeteiligten zuletzt beim Abriss der Stützwand am südlichen Ausgang. Um den Schichtenaufbau haargenau zu kennen, müsste man das Gestein dicht nebeneinander aufbohren. Die Planer hatten vor Projektstart Ortsumgehung auch Probebohrungen in 50 Metern Abstand gesetzt, stießen damals aber auf keinen Hinweis zu den verschiedenartigen Sandsteinschichten, hieß es vom Landesamt für Bau und Verkehr.

Derzeit klären Statiker, wie am Südportal weiterverfahren werden kann, um die letzten Meter des 385 Meter langen Tunnels durchzubrechen. Von Norden aus laufen die Arbeiten weiter, die Strosse und die Sohle des Tunnels werden ausgehoben.

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